Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand UB Ffm
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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und das die Indessen dar Arbeiterschaft Wochenblatt „Jiddische Presse". Auch in Sio Paulo erscheint eine portugiesiscb-jOdische und ein«, jiddisch^ Zeitschrift und in deutscher Sprache das Organ de« dortigen t - jüdischen Hilf»Vereins (Sociedade- Israelita Paulista). 1 ~Eiae große Reihe gesellige! und sozialer Vereine und landsmannschaftlicher Gesellschaften vereinigt die jüdischen Einwanderer in diesen großen Städten. Aach unter der' jadischen Immigration aus Deutschland hat sich, besonders in Sio Paolo, ein enger Zusammenhalt . gebildet, der in kulturellen and geselligen Veranstaltungen - des dortigen Hilfsvereins seinen Niederschlag findet. Man achreibt daa wirtschaftlichen Aufschwung 'Sio Paolos bis zu einem gewissen Grade seiner jüdischen Bevölkerung tu. Die Papierindustrie, die Strickwaren- Industrie, die Kleiderkonfektion und die Möbelfabrikation worden von Jaden begründet. Di» große Masse dar Joden ist im Handel tttig, und unter ihnen übt wiederum ein großer Teil den Beruf des Hausierers, des „Klappers", aus. / Für die kulturelle Betreuung dar Juden Brasiliens sorgen nicht nur die Veraina and die religiösen Lehranstalten der einzelnen Gameinden, sondern auch die ICA, die in den Städten, Brasiliens insgesamt 25 Scholen unterhalt In Rio de Janeiro gibt es ein hebräisches Gymnasium, ebenfalls eines in Sio Paulo, an dem aber außerdem auch jiddisch unterrichtet wird. Aach in anderen Städten befinden sich größere jüdische . Niederlassungen, so in Pari (3000 Juden), Reelle (1500 Joden) und Bahia (1000 Juden). Die Zahl der Juden ia den übrigen Städten, von denen besonders Petto Alegre »ad Curityba gewisse Mittelpunkte darstellen, dorrte 7500 betragen. In diesen Städten lebt der größte Tdl der Juden ebenfaM» 4 vom Handel, und zwar vom ambulanten. Von den 800 jüdisohen ' Familien Recifes leben 250 vom Hausier- und Abzahlungshandel und 25 vom Ertrage eines Kaufladens. Aehnlich sind die Verhftltnisse ia- Bahia. wo von 150 Familien 120.vom ILau&ier-und — Abzahlungshandel leben und nur. 25 sieh von einem! Ladengeschäft ernähren. ,', V" » Den Bemühungen dar ICA ist es zu danken, daß auch in Brasilien ein Teil der Juden — etwa 2000 bis 3000 — heute landwirtschaftlich tätig ist. Die ICA- Kolonien Philippson and* Quatro Irmaos liegen im Staate Rio Grande do SoL Leider ober hat sich auch . hier, inabesondere unter der zweiten Kölonisteegeneratidn, gezeigt daß das Stadtleben die jungen Leute vom Lande wegzieht; es setzte eine gewisse Landflucht ein, und man ließ seine Lindereien vielfach von nichtjüdischen Pachtern und Landarbeitern bewirtschaften. Dazu kommt hoch, daß das Wohlergehen der jadischen Kolonien» die durch moderne landwirtschaftliche Methoden vor arideren Farmen und Kolonien einen Vorsprung haben, nichtjüdische Landwirte in nicht unbeträchtlicher Zahl anzieht So kommt est daß in Quatro Irmaos die Zahl dar Nichtjuden die Zahl der Juden schon erheblich Übersteigt Die Gefahr der Assimilation und-des Aufsehens in der Landesbevölkerung ist bei ländlichen Siedlungen unter diesen Umständen groß, vor allem auch, da die heranwachsende Generation nicht die Bildungsstätten, die ihnen jadisches Wissen vermitteln, zur Verfügung hat, und ihr auch häufig zum Erwerb dieses Wissens die Zeit fehlt Dia ICA bemüht sich deshalb vor allem auch um den Schulunterricht in den Kolonien und hat zu diesem Zweck vier Schulen in den landwirtschaftlichen Siedlungen geschaffen, (Zum Teil nach Mark Wischnitzer, „Die Jaden in der Weif und einer Auf satzreihe Artur Ruppins in der Jüdischen Rundschau", 1936.) \ / VII. für Einwanderer 1 Allgemeines . Die Einwanderung von Juden aus Deutschland in Brasilien hat sich bisher fast ausschließlich auf die beiden großen Zentren Sio Paulo und Rio de Janeiro konzentriert, i Neben dem günstigen Klima und der starken wirtschaftlichen Tätigkeit an beiden Orten fallt hierbei ins Gewicht daß nur diese beiden größten Städte daa L indes eine starke jüdische Bevölkerung aufweisen und auch ja-* d i s c h e Hilfskomitees besitzen, die sicn . der, neu a^sIa^^^^Fv'eBJa'^e^Crt'^Ki' t^^a^Cl*aVftj^[ ftTlßchroCIi 1*0 Jl^e© d£ V w \ 1 ■ ( » - }' 'r i f ts €vw-.:, < .; ->:t. ■ V . \ *> ist es die Sociedade Beneficiente Israelita, in Sit) Paolo die Sociedade Israelita Paulista. Doch tat die Tatsache, daß in Rio wie in Sio Paolo, viele Tausende schon Tanger ansässiger Juden wohnen, nicht den Wert, daa starke jüdische Gemeinden in manchen andern Lindarn, wie z.B. inSOdefrika oder Argentinien, für den neu einwandernden Jaden aus Deutschland haben; denn die brasilianische Judenheit ist zum großen Teil besearabischer and polnischer Herkunft und versteht vielfach kein Deutsch, so daß sich der Einwanderer, dar, weder Portugiesisch noch Jiddisch versteht, schon aus .sprachlichen Gründen mit den langer ansässigen Ostjuden nicht recht verständigen kann. Außerdem erfreuen sich, wie es heißt, die Joden,aus Deutschland aber in jenen Kreisen zun Teil auch keiner besonderen Beliebtheit, was auf die Hilfsarbeit erschwerend wirkt Andererseits sind die Juden ans Deutschland ia der aberwiegenden Mehrzahl erst kurze Zeit im Lande und verfügen dementsprechend aar Iber geringen wirtschaftlichen Einfluß Um so mehr ist anzuerkennen, was das ganz vorwiegend aus Juden ans Deutschland bestehende obengenannte Komitee ia Sio' Paule rar die Auswanderer leistet. Dia Tatsache,' daß sich bisher die Einwanderung fast aar auf die beiden größten Städte dea Landes konzentriert hat, tragt sicher zor Erschwerung der Unterforingun gsmög 1 ichk ei t en bei. Um diese in jeder Beziehung ungesunde Entwicklung zu beheben, hat die brasilianische Regierung die Quoten der Einwanderer, die aus Deutschland zugelassen werden, derart geteilt, daß 60 v. H. der Einwanderer Landwirte sein müssen. Es ist nicht zweifelhaft; daß auch außerhalb dieser beiden Punkte, nicht zuletzt im tropischen Norden (Hecilfv Bahia usw.), der freilich nur für kerngesunde Naturen in Frage kommt, mancherlei Existenzmöglichkeiten auch in kaufmännischen Berufen vorhanden sind. Neben der besonderen Struktur der jüdischen Gemeinden in Rio und Sio Paolo und der ungesunden Zusammenballung der ganzen Immigration. an diesen beiden Punkten wird die Unterbringung der Einwanderer vor allemnoeh durch folgende Faktoren erschwert: die vom brasilianischen Wirt Schaftsnationalismus diktierten Bestimmungen, wie daa sogenannte Zwei - Drittel-Gesetz, wonach jeder Arbeitgeber anter seinen Arbeitern und Angestellten mindestens zwei Drittel Brasilianer beschäftigen muß, werden mit zunehmender Strenge angewandt. -Ferner gibt es unter den 'besonders in Sio Paulo zahlreich vertretenen auslandischen Firmen auch solche, die prinzipiell keine Juden einstellen. Die Arbeitsbedingungen, zu denen Inimigranten Stellung finden können, sind im Staate Sio Paulo, an eich gesetzlich geregelt Ea ist eine achtstündige Arbeitzeit vorgeschrieben, doch wird ihre Einhaltung nicht streng erzwungen, und in der Praxis werden oft längere Arbeitszeiten verlangt. Einzelne Betriebe bezahlen die^geleisteten Ueberstunden, andere nicht Arbeitsverträge werden nur in seltenen Fällen abgeschlossen, doch gibt es anderere seits eine ganze Anzahl sozialpolitischer Vorschriften, die verhältnismäßig genau eingehalten werden: so der Urlaub, der nach einjähriger Tätigkeit 14 Tage betragt ferner eine gewisse Schonfrist bei Kündigungen, auf die der Angesteuta ein Anrecht erwirbt sobald er ein volles, Jahr im Betrieb iat Seit kurzer Zeit sind in Sio Paolo alle Angestellten gegen Unfall versichert Diese Versicherung gewahrt freie ärztliche Behandlung und auch Auszahlung eines Teiles des Verdienstes bei einem Unfall. Für das Vorwirtskommen in fast allen Berufen, vor allem aber in den kaufmännischen, ist die Kenntnis der portugiesischen Sprache, und zwar eine gründliche Kenntnis, unbedingte Voraussetzung zum Erfolg; ohne sie iat der stellungsuchende Kaufmann eine unnütze Belastung dea Arbeitsmarktes. Höchstens Handwerker und Landwirte können hoffen, auch-* ohne Kenntnis der Landessprache unterzukommen und vielleicht auch mehr als daa bloße Existenzminimum zu verdienen. 2. Aussichten für die einzelnen Berufe mm a) Ungelernte Arbeiter I Für kräftigt, junge Mensehen, die zur Ausführung dicht allzu schwerer körperlicher Arbeit bereit sind, sollen fast immer Verdienstmöglichkeiten vorhanden sein, sie können im' Durchschnitt $000 bis $900 Stundenlohn' verdienen, nvös bei 2elhiitr)\dirstj^^^i* y^rboi^ einen Ts^mi S < ,. :V-V''r : '• ~ " je , i \M .'. i;v.'. -(-.'.Ci- Söh m