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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 39

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 39 (sequence 45)
Language
German
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s nen auch die Politiker, die zumeist aus dem Rechts-, Medizin- und Ingenieur-Studium hervorgegangen sind. Die nächste sozusagen „großbürgerliche" Gruppe, die der Großkaufleute und Industriellen, vor allem die „Geldaristokratiyiü.jtehl jgL.der erpten Gruppe in keiner ngSFen gesellschaftlichen verwandtstnäTtiicben oder eng ziehung, obwohl ihr Einfluß Wegen ihrer wirtschaftlichen Macht, die noch zunehmen wird, nicht so unterschätzen ist. '— Die bürgerliche Mittelschicht ist noch verhältnismäßig dünn, muß eher im Laufe der Industrialisierung wachsen. In ihr finden eich die kleinen Kaufleute und Angestellten, Techniker and mittlere Beamte. -» Schließlich ist noch die städtische Arbeiterschaft zu nennen, deren politische Bedeutung mit fortschreitender Industrialisierung wächst, and die wirtschaftlich und kulturell anf sehr niedriger Stufe stehende Landarbeiterschaft. — Ein aase besondeset, Typ der brasilianischen Unterschicht ist der. £ a b o c 1 o, der mit dem italienischen Lazzarone verglichen wird. Stets Mischling, lebt er «ehr bedürfnislos und wiiti jede Arbeit ablehnen, der er sieh nicht am* Bestreitung des nötigsten Lebensunterhaltes unbedingt unterziehen muß. Trotz dieser deutlichen Schichtung in der gesellschaftlichen Struktur gilt für Brasilien das .gleiche, was' wir oben von Argentinien sagten: man zeigt im persönlichen und geschäftlichen Verkehr die Unterschiede nicht. Und doch gilt auch hier der Reichtum als Wertmafistab eines Menschen. Von einer „brasilianischen Kultur" kann man eigentlich noch nickt sprechen. Es bat sich zwar seit einigen Jahrzehnten ein literarisches Eigenleben entwickelt, das aber langst nicht so ausgeprägt ist wie in anderen, selbst kleineren südamerikanischen Staaten, z. B. Columbien. Stoff und Stil werden — anf dem Gebiete der Kunst wie in der Mode — von Paria und neuerdings von New York diktiert durch den Film werden sie in alle Volksschichten getragen. — Nur auf dem Gebiete der Presse gelang ea Brasilien, etwas Eigenes zu schaffen. Die brasilianische Presse zeigt gute journalistische Aufmachung und lebendige Berichterstattung, die freilich noch hinter der Liebe zu eleganter Kritik und Spottrast zurücktritt. Die neue Verfassung erklärt die Presse cur Öffentlichen Funktion, verbietet die Anonymität und schließt Ausländer' von der Leitung und dem Eigentum an journalistischen Unternehmungen aus. Die Verbundenheit der Presse-mit dem Publikum ist sehr eng. Die Presse prägt wirklich die öffentliche Meinung und ist auch wiederum deren Spiegel, da jeder, der sich berufen fühlt, in ihren Spalten sich aussprechen kann und auch ausspricht. In den großen Städten sollen bis zu 20, in kleinen Landorten bis zu 4 verschiedene Blätter erscheinen. Auch die großen Einwanderungsgruppen haben ihre Tageszeitungen in ihrer Muttersprache; so erscheint z. B. in Rio de Janeiro eine jiddische „Folkszeitung". Sowohl Anzahl wie Auflageziffer der Zeitungen sind im. Verhältnis cur großen Zahl der Analphabeten in Brasilien sehr hoch; schätzte man doch die Zahl der Menschen, die weder lesen noch schreiben können, im Jahre 1020 a u f 75 % der Gesamtbevölkerung, und daran soll sieh inzwischen nicht viel geändert haben. Das Bildungs Wesen liegt in Brasilien cum Teil noch sehr im argen. Die Verfassung von 1037 sieht Schulzwang vor; die Schulen sind weltlich und unentgeltlich.,In den dünn bevölkerten Gegenden besucht nur eine verschwindende Anzahl von Kindern die Schule, in Goyas tum Beispiel nur' 5*A. J. . .Sogar in den stark mit deutschen Einwanderern durchsetzten Staaten Rio Grande do Sul päd Santa Catherine besucht etw.a.dle Halft« der Kinder 4» Schule. Die meisten . u . ■ Staaten sind mit dem Geld für Schulen sehr' sparsam, Pernambueo gibt trotz seines Reichtums nur 3 *fo seiner Einnahmen für Erziehungszweck« aas; aar 16 *V der Kinder besuchen die Schale. In Bahia, das etwa 5 *h seiner Einnahmen opfert, sind 87 ty> der Kinder von der Schul« befreit. AlUn B««t.«k»iij,n«) i»i«.n tia.f.hai^.twlap 7..f*anrl» m ■ bessern, steht nicht zuletzt der Widerstand der Großgrundbesitzer entgegen, die ungebildete Arbeitskräfte für billiger und deshalb zweckmäßiger zu halten scheinen als gebildete. Auch das Lekrerprob lern erschwert die Lösung der Unterrichtsfrage; es gibt nicht genug Lehrer, die rar schlechte Bezahlung alle Unannehmlichkeitelt des Berufes in Kauf nehmen. Daher ist das cur Verfügung stehende Lehrermaterial auf dem Lande vielfach höchst mangelhaft. Die von Geistlichen geleiteten Schulen entsprechen dagegen auch höheren An' forde rangen. — An den SB 401 Schulen, die 1035 in Brasilien bestanden, unterrichteten 01551 Lehrer 2442000 Schiller. Bei einer Bevölkerung von einigen 40 Millionen ist diese Schülerzahl viel zu klein. Von den über 36 000 Schulen waruTNtt 261 Elementarschulen, der Rest höhere Schulen, Lehrerseminare und Fachschülern Ueber 10000 Schulen wurden von privater Seite, die übrigen von den Staaten und Stadtgemeinden Unterhalten. Bedeutend besser als mit dem Ejren^entnrunterricht ist es um .das Hochschulwesen bestellt: es untersteht dem Staat und findet in Regierungskreisen mehr Interesse als die Frage der Volkserziehung. Mittelschulen dienen als Vorbereitungsinstitute; deutsche Anstalten genießen einen besonders guten Ruf. Am stärksten ist die juristische Fakultät besucht, als angesehenste gilt aber die medizinische. Erst inder lotsten Zeit beginnt, nach dem Muster der U. S. A., der Ingenieurberuf Anhänger zu finden. Die Anlage von Eisenbahnen, Straßen und Kanälen brachte eine große Anzahl nordamerikanischer Techniker ins Land, die den Brasilianern einen Begriff vom Arbeitsgebiet der modernen Ingenieure vermitteln. In Rh) de Janeiro befindet sieh die offizielle Universität des Bundesstaates. Ferner bestehen zwei privat* Universitäten in Bello Horizonte (Miaas Gerau) und Curityba (Parana); darüber hinaus gibt es 56 einzelne Fakultäten, die akademisch« Grade verleihen, und eine große Anzahl höherer- Fachschulen, vor allein technische, landwirtschaftlich« and Handelshochschulen. Ueberaus stark ist im ganzen brasilianischen Er-' ziehungs- und Bildungswesen, ja im Kulturleben des Landes Oberhaupt, der Einfluß der katholischen Kirche. Fast die gesamte BevölkerungJ Brasiliens — ausgenommen nur etwa 6 */d, die zum großen Teil heidnisch sind — ist katholisch. Doch wird die Macht der Kirche allmählich durch den Einfluß der Industrialisierung und die damit verbundene Verstädterung der Arbeiterschaft untergraben. — Allen nicht-katholischen Religionen steht der Brasilianer mit großer Toleranz gegenüber VI. Jüdisches Üben Während Argentinien bei einer Bevölkerung Von 12,4 Millionen über eine Viertelmillion Juden zahlt, hat das ungleich größere und volkreichere Brasilien nur einen verschwindend geringen Prozentsatz von Juden aufzuweisen: nämlich 50—60000 unter 47 Millionen Einwohnern, also nicht viel mehr als 0,1 °/o. Etwa 70 VjH. der Juden—Brasiliens „leben in den beiden Städten Rio de Janeiro und Säp Paulo, und zwar in Rio 20000 und in~3ao Paulo 15000. In diesen beiden Städten hat sich ein bedeutsame« jüdisches Eigenleben entwickelt. In Rio erscheinen drei jüdische Zeitschriften in portugiesischer Sprache, ferner ein Tageblatt In jiddischer Sprache, die „Tolkszeitung", — *4*$jfciM /. '-f Inhaber Dr. Frltx Iirul BiltHiraUto 2ii/i'OMA, zielt' ein - uil4 tfiC&cu+eiti!

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