Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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und gebe «ich Mühe, ein vernünftiges Gespräch in Gang zu bringen; man wird Aber den Frfolg überrascht sein. Wer beruflich Dinge gelernt bat,' die man in Amerika, nicht so lernt," sehe zu, wie er diese Dinge mit dem kom- -binieren kann, was man in Amerika tut; er wird mehr neidlose Anerkennung finden als in Europa. Wer versucht ist, sich darüber aufzuregen, dafi der Durch- Schnittsamerikaner nicht allzu viel von europaischer Geschichte und Geographie weiß, suche erst einmal seine eigene Fähigkeit zu enzyklopädischem Wissen durch Kenntnis der amerikanischen Geschichte und Geographie zu beweisen. (Hand aufs Herz, lieber Einwanderer, weißt du, in welchem Staat Richmond liegt? Es ist geschichtlich und geographisch für Amerika beinahe so bedeutend wie Stuttgart für Deutschland.' Oder könntest du erklären, inwttfern Texas\in der amerikanischen Geschichte eine teUweiefUa^ajeTjtfUe spielte wie Schleswig-Holstein in der deutschen?) 8. Ein Wort Besonders an die Studenten. Wer ein Studium an einer amerikanisAen Universität erstrebt, sollte vor allem die Universität richtig wählen. Die berühmtesten amerikanisch*« Universitäten (Harvard, Yale, Columbia, Princeton) sind prWte Stiftungseinrichtungen; sie erheben ein hohesJttudiengeld, und dien sind, außer vielleicht für ganz vorzüglich quaiyfEierte "Studenten hoher Semester, schwer Ja bekommen. VieL sind die Staateuniversitäten; doch ist vouXhnen im Osten nur die University of Pennsylvania in Philadelphia wirklich gut, wahrend es im Westen eine Hafte jaur guter Staatsuniversitäten gibt: Michigan, Wisconsin, tjJQorni«, Minnesota; im Süden genießen Louisiana und North Carolina erhebliches Anaehen. Für reine Lebenskosten, also ohne Studiengebühr und Bücher, muß ein ausländischer Student gegenwärtig $60—60 rechnen, einheimische. Studenten leben meist mit weniger, kennen aber natürlich die Möglichkeiten billigen Lebens besser als der Ausländer. Nebenverdienst war vor dem gegenwärtigen Konjunkturrückschlag ziemlich leicht zu erhalten, besonders Nebenarbeit in Ferien, jetzt schon viel schwerer. Studentinnen finden auch heute noch meist Gelegenheit, für „room and board" (Zimmer mit Verpflegung) in einem Haushalt zu arbeiten (gewöhnlich drei Stunden täglich). Im ganzen ist es für einen Studenten leichter als in Deutschland, Nebenarbeit zu bekommen, aber schwerer, sie mit dem Studium zu vereinigen. Die amerikanische Universität gliedert «ich in daa College für undergraduates (Besuch regelmäßig vier Jahre), das wieder in eine lowcr division und in eine upper division zerfallt (je zwei. Jahre), und eine graduate school für die älteren Studenten. Dieser Aufbau ist kompliziert durch die Existenz der „professional Colleges" (Zahnheilkunde, Ingenieurwissenschaften, teilweise Rechtswissenschaft, Handelswissenschaften) und der „professional schools" (Medizin, teilweise Rechtswissenschaft, teilweise Wohlfahrtspflege). Die professional Colleges sind teilweise nur für undergraduates, teilweise schließen sie Graduiertenjahre ein; die professional schools sind nur für graduate students und laufen der allgemeinen graduate school parallel. sch DeXß MgiatflMaJngi mehr dent mit sehr häufigen Prüfungen, vielen Hausaufgaben und komplizierten Vorschriften über die Auswahl der Fächer; für alle Kurse werden Noten gegeben, die für das weitere Fortkommen auf der Universität und später entscheidend sind. Der graduate Student ist, außer in den professionell .schools, ungefähr so frei wie der europäische, außer daß auch er von Noten ziemlich abhängig ist; bei guten Noten fällt es ihm meist nicht schwer, mit assistentenähnlichea Aufgaben gegen Bezahlung betraut zu werden, doch dauern solche Betrauungen nur 1 oder 2 Jahre. Die Stipendienfrage liegt für gradusrtes wesentlich günstiger. Wer das College beendet und also (bei entsprechenden Noten) graduate Student werden kann, erhält dai' baccalaureus arfium oder seientiae; nach 1 oder 2 Jähret Studium als graduate kann er den Titel des „Master" oder richtiger magister artium erwerben, der z. B. für Volkswirtschaftslehre etwa dem Diplomvolkswirt entspricht. Nack einer weiteren, nicht festgelegten Zahl von Jahren kann der Doktor folgen, der — außer -für Medizin and verwandte Fächer — meist nur von Studenten erworben wird, dw eine akademische Lehrtätigkeit oder die höchsten Stufet der Lehrtätigkeit an höheren Schulen anstreben. Die Doktorprüfung an einer guten amerikanischen Universität erfordert an Vorbereitungszeit und Umfang des Wissens mehr als der Doktor an den weitaus meisten, wenn nickt allen kontinentaleuropäischen Hochschulen, Die vielfach noch verbreitete und auch in Amerika noch anzutreffende Meinung, daß der Fußball an amerikanischen Universitäten wichtiger sei als das Studium, ist jedenfalls ein vollständiger und gefährlicher Irrtum. Es gibt Colleges, die außerhalb von Universitäten stehen, als» keine graduate schools besitzen. Ihre Zahl ist ungeheuer gros, ihre Qualität vollkommen verschieden; neben Instituten, dit kaum den öffentlichen höheren Schulen ebenbürtig sind, find« sich erstklassige Colleges wie Swarthmore in Pennsylvaniea, Reed in Oregon, Pomona in Kalifornien. Vasaar und Smith (aar für Stadentinnen) in den Staaten New York und Massachusetts. Sie haben gegenüber den Universitäten den Vorteil engstes Kontakts von Studenten und Dozenten und teilweise vollkommenere Unterrichtsmethode, während freilich die Vereinigulf von Lehre und Forschong bei ihnen meist nicht oder in geringerem Maß besteht. Auch sind die guten in der Regel teuer. ' $. Lieber Einwanderer: Angenommen, da hast Glück, und kommst herüber, so kannst du sieber sein, daß dir schon im ersten Jahr ein halbes Dutzend Bekannter schreiben, du möchtest ihnen doch mitteilen, welche Möglichkeiten es für sie gibt. Dann bitte gehöre nicht zu jenes, die die Frager mit ein paar unverbindlichen Redensarten abspeisen. Aber sei auch vorsichtig mit den Auskünften; verallgemeinere weder dein Glück, noch daa Pech. Schreibe den Frage m nicht, daß „in Amerika jeder, der hart arbeiten will, seinen Platz findet", nur weil dt einen Platz gefunden hast, sei es auf Grand deiner Spezialkenntnisse oder freundlicher Fürsprache. Wenn dein Stipendium oder dein „appointment nicht erneuert wurde, schreib« nicht, daß die Amerikaner „mit einer in Europa nicht gekannten Rücksichtslosigkeit" Leute auf die Strafte setzen und daß man deshalb lieber nicht herüberkomme! solle; auch in Europa soll es schon einmal vorgekomms» sein, daß jemand entlausen ward«._Se lr"nIba dein« Freunden wahrheitsgemäß, daß «He Bern chancen des einzelnen im voraus überaus schwer abzuschätzen sind, und daß, niemand dem Einwanderer die Mühe, die Kosten und das Risiko des Suchens abnehmen Haut tCaufmoHH m.*,j.o. i«r ms all« Privat-Umzöge Kunihamnilung«n, Arzt-finrkfttvriasa) Obersee - In-, Ausland 1 RnM frert 401 ' mmi K......■iiinMes swt teseesasss Mr les. •nfl «TMMS Bewt s.r Iis - Neleki»», KerfBreteaelaam |«« 4 1 J Haut k'ouftmUm r I Für die Dame aiin bei RUPPIN Bade* und Strandartikel - Elegante Wäsche — Hausanzüge — Morgenröcke — Modische Neuhelten -Sportbhisen — Strümpfe — Schals BERLIN W15 / KURFÜRSTENDAMM 36 VI' *