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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 33

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand UB Ffm
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 33 (sequence 37)
Language
German
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sie, viele haben sie selbst erlebt. Aber wenn Sehnsucht cor Bitterkeit wird, und da« Herz nicht mehr frei genug ist, am das Neue in sich aufzunehmen, dann wird sie zur tödlichen Gefahr. Dann lernt nämlich 'der Einwanderer niemals amerikanische Menschen behandeln, und dann ist er hier verloren. Um in Amerika su leben, muß man sich an Amerika freuen können; um sich daran freuen zu können, muß man Amerika studieren. 4. Wie macht man das, wenn man frisch hereinkommt? Es gibt hundert Wege. Man rede mit Menschen, so viel als nur irgend möglich. Wenn man es sich leisten kann, gehe man in ein Summer camp (Sommerlager); die billigsten sind nicht nur wegen der Geldersparnis die besten. Wenn man Kinder hat, suche man viel Kontakt mit der Schul«. Die meisten Volksschulen, wenigstens in Westamerika, haben es gern, wenn Eltern in die Klasse kommen, um zuzuhören. Jede Schule hat eine parentteachers association (Vereinigung von Lehrern und Eltern), die Teilnahme ist sehr empfehlenswert. Für Frauen ist die Teilnahme an einem Klub sehr in Erwägung zu ziehen; das geistige Niveau ist natürlich sehr verschieden, che Lebendigkeit des Interesses aber fast immer groß. (Männerklubs bieten weniger.) Ein anderer Weg ist Teilnahme an den Veranstaltungen des sehr umfassenden Volksbildnngswe/sens; m vielen Teilen Amerikas gibt es „Fondns_fl-arif ausgezeichneten Rednern und interessanten Diskussionen. Die „night school", die, meist einer öffentlichen höheren Schule angegliedert, Klassen speziell für Neueinwanderer enthält (Englisch und Bürgerkunde), kann auch oft auf dem Weg über die Lehrerin oder den Lehrer zu wertvollen Berührungen mit amerikanischem Leben fuhren. In einer Reihe von Städten ist das Jewish Community Center ein Ort, von dem viele Anregungen ausgehen und wo der jüdische Einwanderer besondere Fürsorge und Wärme. findet. Selbstverständlich ist es, daß der Einwanderer Zeitung lesen muß; aber auch das Lesen einer Zeit-, sehrift ist sehr nützlich. Es gibt ausgezeichnete Zeit-' Schriften mit allgemein kulturellem Programm in Amerika, z. B. Harper's Magazine und Atlantic Monthly. Es ist fasf unnötig' zu sagen, daß der Einwanderer nicht alle diese Wege gleichseitig gehen kann; er muß sich heraussuchen, was für ihn paßt. Ebenso selbstverständlich ist, daß alle Wege ein energisches Betreiben von Sprachstudien voraussetzen. Englischlernen kann, wie oft hervorgehoben worden ist, gar nicht ernst genug betrieben werden. Radio und Sprechfilm sind wertvolle Hilfsmittel, aber sogar zusammen mit der night school sind sie sehr häufig unzureichend. In Universitätsstädten, kann man meist einen Studenten oder eine Studentin gegen sehr bescheidenes Honorar für Konversationsstunden, Korrektur von Briefen und Manuskripten bekommen (jede Universität hat ein studentisches Arbeitsamt). Das ist nicht nur für die sprachliche Vervollkommnung wertvoll, sondern besonder»''auch deshalb, weil ein intelligenter Student einem sehr viel über die Gepflogenheiten des Landes sagen kann. .'• W- 5. Wie soll der Neuankämmling den Amerikanern gegenübertreten? Die Wahrung.. der gesellschaftlichen Formen, die in Amerika anders sind als i' Europa, ist natürlich auf die Dauer erstrebenswert. (Am wichtigsten ist vielleicht für den Anfänger, daß die neuzugezogene Familie von den eingesessenen, mit denen sie' beruflich oder sonst in Fühlung Kommt, besucht wird, und zwar meist abends oder Sohntags; nicht der Zugezogene, sondern der Eingesessene ergreift also die Initiative zum Verkehr. Doch kann man in geeigneten Fällen diese ganze''Frage durch eine formlose Einladung zum Tee oder dergL beiseite schieben, und hinterher vollzieht sich dann in der Regel alles weitere in angenehm ungezwungener Weise — vielleicht mit Ausnahme von Neu-England, wo Formfragen überhaupt viel wichtiger sind.) Aber weit wichtiger als Wahrung der Formen ist allgemein menschlicher Takt. Auch sonst sehr taktvolle/Menschen benehmen sich oft nicht richtig, wenn sie von Gefühlen der Verlassenheit, der Fremdheit, der Bitterkeit überwältigt sind. Hier liegt die größte Gefahr, und erhebliches Unheil 'ist schon dadurch angerichtet worden, daß Einwanderer auch wohlwollende amerikanische Kreise „verprellt" haben. Es ist durchaus nicht nötig, alles Amerikanische zu loben; aber es ist notwendig zu vermeiden, daß dem Amerikaner die Frage auf die Lippen kommt: Wenn dir zu Hause alles besser gefiel als hier, warum bist du dann eigentlich herüber gekommen? Um ihn nicht auf diese Frage kommen zu lassen, muß man eben das Gefühl des Mußamerikaners unbedingt loswerden; siehe oben. Gerade wenn der Amerikaner Europa preist und amerikanische „shortcomings" (Unzulänglichkeiten) unterstreicht, erwartet er, etwas Freundliches über sein eigenes Land zu hören, aber er hat ein feines Gefühl dafür, ob so - etwas nur aus oberflächlicher Liebenswürdigkeit oder mit Ueberzeugung gesagt ..wird. 6. Schon im allgemeinen Verkehr ist es wichtig, den Eindruck zu vermeiden, als wisse man nichts Gutes über Amerika zu sagen; es ist noch viel wichtiger im Verkehr mit amerikanischen Berufskollegen. Besonders die Aerzte, die ja durch das jetzt fast überall vorgeschriebene „Praktische Jahr" in einem amerikanischen Krankenhaus sofort in. engste- Berührung mit amerikanischen! Kollegen kommen, müssen sich des Eindrucks bewußt sein, den ihre Aeußerungen machen. Aehnliches gilt von Universitätslehrern. Die Behauptung, man dürfe überhaupt nichts kritisieren, wird zwar manchmal aufgestellt, aber sie ist vollkommen falsch. Wenn jemand sagt: „Das haben wir anders gemacht; ich bin mir noch nicht ganz klar darüber, welche Methode eigentlich die größeren Vorteile hat", so leitet er eine t sachliche Diskussion ein, auf die sich der Amerikaner* in der Regel §erne einläßt; wenn er aber zu verstehen gibt, daß ihm ie amerikanische Methode als der Verkörperte Unsinn vorkomme, so ist er für den Amerikaner erledigt. •t. Die beste und wirksamste Form, das zur Geltung zu ' bringen, was man besser kann als die Amerikaner, ist natürlich das Bessermachen. Statt den Leuten über die Oede der amerikanischen Geselligkeit zu erzählen —-obwohl eine'scherzhafte, in den Grenzen des Takts sich haltende, gelegentliche Bemerkung gar nicht übel genommen wird —, lade man Leute ein, die gut zusammen passen, Achtung Auswanderer! 352T «aetryJWAjdsnwfa. l^MCHWtA*ciü44CH ■ forQt. $*n ii tVi« iimr mi\ PDOLF H E I n E Do* Ofen-Spezialhau» mit der großen Autwahl der Fabrikat* „Bosch" - Junker & Ruh" — Juno" usw. 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