Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 35 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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7 kann; daß die Uebergangszeit immer schwer ist,' und daß heute für niemand, allenfalls mit Ausnahme von sehr haushalterfahrenen und körperlich kräftigen jüngeren Frauen, Stellungen bereit stehen; daß aber begabte, tüchtige, energische und sprachlich vorgeschulte Menschen, wenn sie nicht ausgesprochene Pechvogel sind, Aussicht haben, nach kürzerer oder längerer Zeit etwas iu finden, wenn vielleicht auch für ein sehr bescheidenes Gehalt und, was noch wichtiger ist, ohne Garantie der Beständigkeit. Daß es auch besser gehen "kann, versteht sich am Rande. Zum' Punkt „bescheidenes Gehalt" ist noch eines zu bedenken., Hundert Dollar sind, glatt umgerechnet, gar nicht so wenig; selbst 70 Dollar sind viel mehr, als manch einer zu Hause hatte. Das Bild seheint noch günstiger >u. .werden, wenn der Einwanderer erfahrt, daß an vielen Orten die Lebensmittelpreise sehr niedrig und die Preise für Kleidung, Wenn man geschickt zu wühlen versteht," nicht alku hoch sind. Aber eine große Schwierigkeit für den Einwanderer nach Amerika besteht darin, daß er in einem reichen Land lebt. In diesem Land, in dem der gelernte Arbeiter, wenn er das Glück hat, ständig beschäftigt zu seih, es leicht auf über 2000 Dollar Jahreseinkommen bringt, in dem ein Lehrer verhältnismäßig rasch auf 3000 Dollar kommt, in dem verheiratete Frauen oft berufstätig sind und damit das Familieneinkommen ergänzen, ist es weit schwieriger, sich die vielen kleinen Dinge zu versagen, die sich der Neueinwanderer nicht leisten kann, als in einem Land, in dem alle einfach leben. Es ist besonders schwer, da ja der Einwanderer amerikanischen Verkehr suchen soll und ihn natürlich im großen und ganzen doch nur im gebildeten Mittelstand findet. Natürlich lassen sich diese Schwierigkeiten überwinden, zumal ja die Amerikaner es einem verhältnismäßig leicht machen. Aber das Ueberwinden kostet Nervenkraft, und die Versuchung, die Grenzen dessen zu überschreiten, was man sich leisten kann, sind sehr groß. Auch aus diesem Grund ist die seelische und geistige Rüstung für die Auswanderung nach Amerika mindestens ebenso wesentlich für den -Erfolg wie die materielle. '. HL Der Aufbau ■ T . ■ j . ■ " ■ ■■ * - .» der amerikanischen Wirtschah ' Bei den Worten „amerikanische Wirtschaft" pflegen sich etwa folgende Gedanken einzustellen: Industrie und noch |einmal Industrie; Riesenbetriebe, zusammengedrängt in den Großstädten. Erst danach taucht der Gedanke an die Landhaft auf; auch hier mit der Vorstellung des Großbetriebes verbunden: endlose maschinell bearbeitete Weitenfelder und Baumwollplantagen. Unsere folgenden nüchternen Betrachtungen werden dagegen zeigen, daß diese verbreitete Vorstellung falsch ist. werden wo» allem zeigen, daß die USA. heute noch i m i n 11 i c he n einrl a n d wi r t s eh a f i H c h •ansgerich- Staat sind, und daß in der Landwirtschaft nicht mr der Großbetrieb von Bedeutung ist Um einen allgemeinen Ueberblick über die Struktur ler amerikanischen Wirtschaft zu gewinnen, betrachten fix zunächst d^n Träger der Volkswirtschaft, nämlich Bevölkerung selbst. A. Die Bevölkerung a) Allgemeine Grundzüge Die gesamte Bevölkerung der Vereinigten Staaten wird Mitte 1986 auf rund 128 Millionen geschätzt. Die Volkszählung — 1930 — stellte die Bevölkerung auf 122,8 Millionen'fest. Die gesamte Flüche der USA. beträgt 7 841422 qkm. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte errechnet sich daraus mit 45,7 Personen je Quadratkilometer; sie beträgt also nur etwas mehr als ein Zehntel der Bevölkerungsdichte Deutsch- 1 a ad s von rund 140 Einwohnern , je Quadratkilometer (1933), ja sie bleibt selbst unter der Dichte des am dünnsten besiedelten deutschen Regierungsbezirks (Lüneburg mit rund 44 Einwohnern je Quadratkilometer). Fliehe, Bevölkerungsdichte, städtische und landwirtschaftliche Bevölkerung 1930 'G •biet• Flieh« 1000 qkm Einwohner Millionen T .R (. «*- Von 100 I wohnt« fe> Stidt«n') j«wohn*rn «•hörten <L Undw.rUÄ. an Neu-England. . . Mittelatlant. Bez. Nordost Ztr. Bz. Nordwestl.Ztr.Bz. Südatlant. Bes. . Südostl.Zentr.Bz. SüdweaÜ. Ztr. Bz. Gebirgsbezirk . . Pazif. Bezirk . . . 172,1 265,7 6423 1342,9 732.1 470,2 434,2 2241,0 839.7 8,2 263 253 133 153 9,9 123 3.7 8.2 47.5 983 39.4 9.9. 21.6 21.0 10.7 1.7 93 . 773 77.7 66,4 413 36.1 28,1 36,4 39,4 673 73 63 17,7 38.1 373 513 43.7 303 14.0 Insgesamt 7841,4 1223 15.7 56,2 243 •) Nach amaruWu«cb«n Sprachfsbnuioh Ort« Bit 2500 tmd mstw Eiawoha«ra. Von den 122,8 Millionen Einwohnern wohnten 68,9 Millionen in Städten (Orten mit wenigstens 2500 Einwohnern), dies sind 56,2 v. H. der Gesamtbevölkerung. Die Großstadtbevölkerung in den 73 Orten mit 100 000 und mehr Einwohnern machte mit rund. 36 Millionen rund 30 v. H. der Bevölkerung aus, also ebenso viel wie in Deutschland (1933: 30,2 v.M.). Davon wiederum wohnten 15 Millionen in Städten mit wenigstens 1 Million Einwohner (12,3 v.H.). Für ein so, junges und dünnbevölkertes Land wie die' Vereinigten Staaten ist dieser Grad der Verstädterung erstaunlich. Die regionalen Verschiedenheiten der Besiedlungsdichte und der' Verstädterung zeigen sich in obiger Ueber sieht. 'Wir können danach die 9 Regionen, die die amerikanische Statistik unterscheidet, in 3 größere Gebiete mit charakteristischen Unterschieden der Struktur zusammenfassen. Im Nordosten finden wir das dichtest besiedelte Gebiet, bestehend aus den Regionen Neu-England (47,5 Einwohner je Quadratkilometer), dem 'Mittelatlantischen Bezirk (98,8) und dem Nordöstlichen Zentralbezirk (39,4). In diesen 3 Bezirken wohnt nahezu die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung (48,7 v. H.). Die Verstädterung ist hier am weitesten fortgeschritten: 66,4 v. H. (Nordöstl. Zentralbezirk) bis 77,7 v.H. (Mittelatlantischer Bezirk) der Bevölkerung sind Stadtbewohner. Der Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung ist hier mit 6,5 (Mittelatlantischer Bezirk) bis 17,7 v. H. (Nordöstl. Zentralfebiet) am geringsten. Dieses Gebiet ist das eigentliche, auptsächliche Industriegebiet Amerikas. Im Süden und im Westen schließt sich an dieses städtisch-industrielle Gebiet, das nahezu doppelt so groß ist wie Deutschland, ein Gebiet von etwa dreizehnfacher Grüße Deutschlands an. Es umfaßt den Südatlantischen Bezirk, den Nordwestlichen Zentralbezirk, die beiden südlichen Zentralbezirke und den riesigen Gebirgsbezirk mit zusammen 45 v. H. der amerikanischen Bevölkerung. Die Besiedlungsdichte ist hier noch sehr gering;* sie liegt zwischen 1,7 Einwohnern je Quadratkilometer im Gebirgsbezirk and 21,6 im Sudatlantischen Bezirk. Die Verstädterung ist we " RSTEIN n CD. I L