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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 54

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand UB Ffm
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 54 (sequence 62)
Language
German
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Court" streng fiberwacht. Die. Maoria haben heute eigene Vertrater im Parlament; Etwa 190 eigene Schulen mit fast 6000 Schülern sorgen dafür, dafi die Maoris unter Aufrechtorhaltung ihrer kulturellen ' Werte am modernen Fortschritt teil nahm»« Die völkerrechtliche, und außenpolitisch. 4 Staatsform, Innen- und Außenpolitik Neu-Seeland, das von den Hollandern im 17. Jahrhundert entdeckt und benannt worden war, wurde im Jahre 1840 — also noch bevor eine nennenswerte Besiedlung durch Weiße stattgefunden hatte — von England annektiert. Schon im Jahre 1852 erhielt es vom Mutterland das Recht dar Selbstverwaltung (eelf-governmeat); die Kolonie wurde la sechs verschiedene Provinzen aufgeteilt, von denen jede ihre beratende Versammlung wählte; alle unterstanden aber der gleichen Kolonialgesetzgebung. Diese Einteilung hing damit zusammen, dafi die Besiedlung Neu-Seeland* im Gegensatz zu vielen anderen Landern, nicht "von einem einsigen Punkt ausging, sondern daß schon frühzeitig sechs verschiedene Siedlungen bestanden, zwischen denen nur ein unregelmäßiger und seltener Verkehr stattfand: Auckland, Wellington, Nelson, New Plymouth, Canterbury und Otago. 1876 wurde dieses Provinzialsystem abgeschafft und die Befugnisse, die früher durch Provinzialbeamte ausgeübt worden waren, gingen nun zum Teil auf den Gouverneur Aber (dieser tragt seit 1917 den Titel Generalgouverneur), zum anderen Teil auf Ortsbehörden. Heute ruht die gesetzgebende Gewalt beim Generalgouverneur und der „Generalversammlung". Diese, besteht ans zwei Kammern: dem Gesetzgebenden Rat und dem Repräsentantenhaus. Der Generalgouverneur, der als Vertreter der englischen Krone gilt, aber beim heutigen Stande der Entwicklung niemals ohne vorherige Zustimmung, wenn nicht sogar auf direkten Vorschlag des Dominions, ernannt wirdx.hat sehr weitgehende Befugnisse — er kann Gesetze se fit würfen seine Zustimmung'erteilen oder verweigern, und'ihm obliegt es, das Parlament einzuberufen, zu vertagen oder aufzulösen. Auch kann er Gesetzesent würfe nach Belieben zuerst der einen , oder anderen Kammer zuleiten usw. Der'G e s e tzge b e n d e Rat besteht zur Zeit aus 30 besoldeten Mitgliedern, die auf sieben Jahre bestellt sind. Dagegen zählt das Repräsentantenhaus' 80 Mitglieder, die nach allgemeinem Wahlrecht — seit 1924 besteht sogar gWNRzticner Wahlzwang! — gewählt werden; von den 80 Abgeordneten müssen vier Maoris sein. Jeder Wähler muß mindestens ein Jahr im Dominion und wenigstens drei Monate in seinem Wahlbezirk gelebt haben. Die Exekutive wird nach englischem parlamentarischem System gebildet, das heißt der Führer der jeweiligen Mehrheitspartei oder Parteien - KoalitionwirdPremierminister und bildet die Regierung. Die örtliche Verwaltung geht von den örtlichen Wahlkörperschaften aus, die auch das Recht der Besteuerung haben. Das Parteiensystem Neu-Scelands ist dadurch gekennzeichnet,' daß die konservative und die liberale Partei sieh angesichts der Weltwirtschaftskrise, die auch die neu-seeländische Volkswirtschaft überaus schwer traf, im September 1931 zur Koalitionspartei zusammenschlössen ' und die Regierung bildeten. Aber' obwohl sich die Wirtschaftslage des Landes in den nächsten Jahren wesentlich hob, unterlag diese Koalitionspartei .bei den letzten Wahlen, und zum ersten Male in der Geschichte Neu-Seelands regiert jetzt die Arbeiterpartei, als deren Fahrer der Premierminister S a v a g e und der radikale Finanzminister Naah gelten können. Nachdem Neu-Seeland schon seit Jahrzehnten als eines der sozial fortgeschrittensten Länder — als „Arbeiter- Cradies" in gleicher Weise wie Australien — gegolten t, versucht jetzt die Arbeiterpartei noch weitere Erleichterungen für. die Arbeiterschaft einzuführen und vor all— dir immer noch in gewissem Umfang bestehende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Hiermit hängt in erster Reihe auch die verhältnismäßig einwandeTungsfeindliche Stellung der jetzigen Regierung zusammen; man will unter keinen Umständen solche Einwanderer, die nicht neue Arbeits platze schaffei),' sondern um die schon bestehenden konkurrieren wurden, ins Land lassen.' (Näheres uber"die wirtschaftapplitischen Maßnahmen and Bestrebungen der Arbeiterpartei siebe unter dem Abschnitt III „WirtsehsW; v. W; , >\ : > i;." v für Menschen, die nicht in englischen Gedankengängen aufgewachsen sind, nicht leicht verständlich. Tatsächlich genießen Dominien wie Neu-Seeland formell nahezu alle Rechte eines vollkommen selbständigen Staates; Neu-Seeland ist auch selbständiges Mitglied des Völkerbundes. Doch ist die englische Krone,-d. h. der König als Person, Träger der Souveränität — ebenso wie in allen anderen Ländern des britischen Weltreichs. Die Krone ist dss wichtigste einigende Band zwischen den Empire-Gebieten mit self-government; alle Minister bezeichnen sich als „Seiner Majestät Minister". Der König wird In jedem Dominion durch den Geaeralgouverneur vertreten; dieser galt früher gleichzeitig auch als Vertreter der britischen Regierung; doch wurde dies auf der Empire-Konferenz von 1926 «ändert, so dafi jetzt der Generalgouverneur nur noch den König vertritt. Man geht aber davon aus, daß der englische König hinsichtlich des Dominions immer gemäß dem Rat der Dominionminister handelt; das beißt, tetsachlich werden die Neuseeländer vor allem durch die von ihnen selbst gewählten Abgeordneten regiert. Andererseite wird Neu-Seeland in London durch einen High Commissioner vertreten, der als Verbindungsmann zwischen seiner und der englischen Regierung wirkt, •Aber entscheidender als diese formale Konstruktion ist die Tatsache, daß Neu-Seeland von allen britischen Dominien wohl dem Charakter nach das englischste und der politischen Stellung nach das gegenüber dem Mutterland« loyalste ist; Konflikte mit der Londoner Regierung wegen außenpolitischer Fragen hat es kaum je gegeben; wohl--aber ist die Treue dieses entferntesten Dominions an England in der Geschichte immer wieder, nicht zuletzt im Weltkriege, hervorgetreten. Heute ist Neu-Seeland finanziell und ideenmäßig stark am Ausbau des großen britischen Flottenstützpunktes Singapore beteiligt; ferner unterhält es in seinen Gewässern ein ganzes Geschwader der britischen. Flotte und kommt für dessen gesamte Betriebskosten auf. — Freilich verfolgt Neu-Seeland im Rahmen der. Außenpolitik des gesamten Empire bestimmte Tendenzen, die sich aus seiner Lage als einer der vorgeschobensten Posten der weißen Rasse im Stillen Ozean ergeben. Dieses reiche, dünn besiedelte Land jnjiß. vor allem den Expansionsdrang der landarmen großen farbigen Völker, wie vor allem Japans, furchten und hat deshalb ein dringendes Interesse daran, daß "sich das Verhältnis des britischen F-mpir» zu den* anderen großen angelsächsischen Macht, die an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Stillen Ozean interessiert ist, nämlich den Vereinigten Staaten, nicht verschlechtert, sondern möglichst eng gestaltet. In dieser Hinsicht, wie in vielen anderen Fragen, deckt sieh das Interesse Neu-Scelands mit dem Australiens. 111 Das Wirtschaftsleben 1. Allgemeines * Die Wirtschaft Neu-Seeland« beruht auch heute noch vorwiegend auf Viehzucht (besonders Schafzucht und Milchwirtschaft) und Ackerbau,' für die das Landnervorragend geeignet ist. Gewiß hat sich in den letzten 30 Jahren allmählich eine nicht unbeträchtliche Industrie entwickelt, und ea ist kein Zweifel, daß sowohl das Klima wie die wirtschaftliche Begabung der Bevölkerung einer starken Industrialisierung des Landes durchaus günstig wären. Aber im Interesse der Erzielung eines möglichst hohen Lebensstandards der Bevölkerung — and dies ist das oberste« wenn nicht das einzige Ziel der neuseeländischen Wirtschaftspolitik — hat man das Land: ganz bewußt überwiegend auf die Erzeugung derienigen Produkte eingestellt, von denen man sich den löchsten Reinertrag versprach. Hierdurch hat sich Neu- Seeland einerseits eine angesichts seiner geringen Bevölkerung erstaunliche Stellang eis Erzeuger und Exporteur bestimmter Produkte — wie vor allem Butter, Käse, Wolle, Fleisch, Horrig und Obst — zu erringen gewußt. andererseits aber ist die gante neuseeländische Wirtschaft L i- ' Ircw^anHsaaaaal ' Vi^aaaaaaaaBaasH»'' .4 .. . ■'".'•»•..■.■ ' : '.» ' \% .V..

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