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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 61

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 61 (sequence 63)
Language
German
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Punkten wird die Unterbringung der Einwanderer vor allem noch durch folgend« Faktoren erschwert: die vom brasilianischen Wirtschaf t s n a t f o n a 1 i s m u s diktierten Bestimmungen, wie das «sogenannte Zwei« Drittel-Gesetz, wonach jeder Arbeitgeber unter seinen Arbeitern und Angestellten mindestens zwei Drittel Brasilianer beschäftigen muß, werden mit zunehmender Strenge angewandt. Andererseits gibt es unter den besonders in Säo Paulo zahlreich vertretenen ausländischen Firmen auch solche, die prinzipiell keine Juden einstellen. Die Arbeitsbedingungen, zu denen Immigranten Stellung finden, können, sind im Staate Säo Paulo an sich gesetzlich geregelt. Es ist eine achtstündige Arbeitzeit vorgeschrieben, doch wird ihre Einhaltung nicht streng erzwungen, und in der Praxis werden oft längere Arbeitszeiten verlangt. Einzelne Betriebe zahlen die geleisteten Ueberstunden, andere nicht. Arbeitsverträge werden nur in seltenen Fällen abgeschlossen, doch gibt es andererseits eine ganze 'Anzahl ""sozialpolitischer Vorschriften, die verhältnismäßig genau eingehalten werden: so der Urlaub, der nach einjähriger Tätigkeit 14 Tage beträgt, ferner eine gewisse Schonfrist bei Kündigungen, auf die der Angestellte ein Anrecht erwirbt, sobald er ein volles Jahr im Betrieb ist. Seit kurzer Zeit sind in Säo Paulo alle Angestellten gegen Unfall versichert. Djese Versicherung gewährt freie ärztliche Behandlung und auch Auszahlung eines Teiles des Verdienstes bei einem. Unfall. Für das Vorwärtskommen in fast allen Berufen, vor allem aber in den kaufmännischen, ist die K e n n t n i s der portugiesischen Sprache, und zwar-eide gründliche Kenntnis, unbedingte Voraussetzung zum Erfolg; ohne sie ist der stellungsuchende Kaufmann eine' unnütze Belastung des Arbeitsmarktes. Höchstens Handwerker und Landwirte können hoffen, auch ohne Kenntnis der Landessprache unterzukommen und vielleicht auch mehr als das bloße Existenzminimum' zu' verdienen. ' 2. Aussichten für die einzelnen Berufe ' a) Ungelernte Arbeiter Für kräftige, junge Menschen, die zur Ausführung nicht allzu schwerer körperlicher Arbeit bereit sind, sollen fast immer Verdienstmöglichkeiten vorhanden sein Sie können im Durchschnitt $600. bis $900 Stundenlohn verdienen, was bei zehnstündiger Arbeit einen Tagesverdienst von 6$000 bis 9$000 ergibt;• für "einen sehr bescheidenen Lebensunterhalt genagt dies. .' (Nach Angaben der Sociedade Beneficiente aus Rio.) Es ist besonderer Wert darauf zo legen, daß die Arbeitsaufnahme in solchen Fällen möglichst sofort erfolgt, damit die Betreffenden sich möglichst schnell mit den Verhältnissen vertraut machen und die Landessprache erlernen; diese beiden Faktoren — Kenntnis der Landessprache und der Verhältnisse — sind die Voraussetzungen zum Aufstieg, der nicht selten dem Einwanderer gelingt. « Freilich stehen den Auswandererbriefen, die etwa den Aufstieg vom Arbeiter zum Aufseher melden können, andere gegenüber, die von einem Versagen bei der schweren körperlichen Arbeit sprechen; so sollen s. B. manche Einwanderer als ungelernte Arbeiter bei Ford eingetreten sein, aber zum größten Teil nicht durchgehalten haben ■ *» y : / - r , ' .'" ■ ■ ' /,-;::. > Ein sehr verbreiteter und nickt allzu schwerer Beruf für Einwanderer ist der des Copeiro (Diener, - sozusagen minnliches Mädchen für alles). Ein. Copeiro verdient bei freier Station etwa 150*000 bis 200*000 im Monat, was für einen Junggesellen nicht ungünstig ist b) Gehernte Arbeiter und Handwerker Alle Berichte aus Brasilien stimmen darin überein, daß für gelernte Arbeiter und Handwerker, die ihr Fach gründlich verstehen; mit Leichtigkeit Stellungen gefunden werden können, und zwar Stellungen, von denen man von Anfang an, d. h. Jauch ohne Kenntnis des Portugie-" sischen und der Laq lesverliSrUiisse, a einigermaßen leben. kann. - 4 -—-- Dagegen sind die ^sichten darüber geteilt, ob auch Handwerker, die keine reguläre Ausbildung genossen haben, sondern nur als „U m s c h i c h 11 e r" kurze Lehrgänge durchgemacht, haben, in Brasilien günstige Aussichten haben. Sicher durfte allerdings sein, daß solche Umschichtler in Brasilien eher Aussichten haben, sich durchzusetzen, als etwa in Ländern wie Südafrika, wo der Leistungsstandard unvergleichlich höher ist. Als gesuchte Berufe werden fast, alle Händwerksarten , angegeben: so besonders. Mechaniker, Elektrotechniker, Tischler (vor allem Kunsttischler), Tapezierer, Maler, Rohrleger, Klempner, überhaupt sämtliche Arten von Bauhandwerkern, ferner Blecharbeiter, Radio-Fachleute, Installateure, aber auch Weber, Stricker, Schneider (Maß- und Zuschneider), Handschuhmacher, Kürschner, Gerber,, Lederwarenarbeiter, Friseure usw. - . Von Klempnern wird gemeldet, daß sie keine hochqualifizierten Spezialisten zu sein brauchen, sondern nur Löten, Schweißen und die übrigen mit der Herstellung von WelßbLechgegenständen verbundenen Verfahren beherrschen mässen. Nach Angabe des Komitees von Säo. Paulo von Ende Juli .1996 ist damit zu rechen,- daß Handwerker zum mindesten d-a-s-E x i s t e n z m i n i m u m, das auf etwa 300$000 monatlich anzusetzen wäre, verdienen können. c) Kaufleute und kaufmännische Angestellte' ' . Für mittellose Kaufleute' und kaufmännische. Angestellte sind die Aussichten in Brasilien' ausgesprochen' ' schlecht, es sei denn, sie beherrschten das Portugiesische schon weitgehend und womöglich außerdem das Englische. Immer wieder wird in den Briefen der Komitees in Säo Paulo und Rio, wie in zahllosen Auswandererberichten, darüber geklagt, daß kaufmännische Angestellte kaum zu.placieren seien Einen großen Vorsprung haben wegen der zahlreichen englischen und. amerikanischen Firmen, "die in Säo. Paulo Und. Rio ihren Sitz haben, solche Bewerber', die in mehreren Sprachen korrespondieren und stenographieren können, d-h. vor allem auf Englisch und Portugiesisch. Als Angestelltengehälter werden etwa 450$000 im Monat genannt, Was zum Leben reicht.. > Was die Möglichkeiten für selbständige kaufmännische Berufe angeht, so sind die Ansichten über den Hausierhandel widersprechend. Während von manchen Seiten ganz entschieden vor der Ergreifung des Hausiererberufes gewarnt wird, weil hier die Konkurrenz sehr scharf, die Erfolgsmöglichkeit gering und die Feindschaft der Behörden wie der Presse und der V: Elektro-Herde Kühlschränke , Waschmaschinen Wäschemangeln besonders preiswert Nj ■«! ■ ■ l .Leopold Brandl A Bcrlin-Chnrlottrnburg Kantsti>ße28 (nahe Savignyplatz) I - '! ■ f ■• . , '•f''!r' *•'■•*! "\ * *w 1 -1-—-— 1 i l : . < j r ,v t! ' ' &- . I i* . * i a? ■/ *.

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