Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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W«- 1 : ■ >k > /V- ' (' 'Ur- ■ öffemlulien Meinung ständig spürbar sei, beurteilt man von anderer, Seite die Möglichkeiten für Hausierer. nicht ungünstig. Eine Reihe jüdischer Kinwunderer aus Deutschland hat versucht, sich etwa mit kleinen Ständen mit Zigarren, Obst, Erfrischungen usw. selbständig zu machen, doch scheint dies nur einem kleinen Teil gegluckt zu sein. ' v ■ ■> d) Freie Berufe _ Die Aussichten für freie Berufe sind in Brasilien im allgemeinen s e h r . g e r i n g, da der wirtschaftliche Nationalismus ' durch die Verfügung von 1934 alle derartigen. Stellungen weitgehend den eigenen Staatsangehörigen vorbehalten hat. Im'einzelnen hören wir folgendes: " * Es ist für einen Auslinder ausgeschlossen, als Rechtsanwalt tätig zu sein. Von einer Nostrifizierung der Diplome kann keine Red« sein; denn dazu müsse man, abgesehen von allen Prüfungen, Militärdienst leisten und die brasilianische Staatsangehörigkeit besitzen. Beinahe dasselbe gilt für Mediziner, mit der' Ausnahme, daß diese sich in Ärztlichen Instituten als „Geschäftsleiter" eine bescheiden« VerdiensUnöglichkeit schaffen können, (legenüber den von manchen Seiten propagierten Möglichkeiten für. Aerzte im Staate Rio (Irande do Stil ist nach Ansicht der zuständigen ärztlichen Organisationen großes Mißtrauen geboten. Nicht ungünstig sind die Aussichten für Ingenieure und Techniker, besonders, wenn sie Ober gute Spezialkenntnisse verfügen und sich während der ersten Zeit durch handwerkliche Fähigkeiten, etwa als Elektrotechniker- oder Schlosser^ über Wasser halten können. Bauingenieur* können, ebenso wie Architekten, in großen Bauunternehmungen tätig sein und ein geringes, aber zum Lebensunterhalt genügendes Gehalt verdienen. Auf eigene Rechnung können sie nicht arbeiten, sondern es muß immer ein brasilianischer Diplom-Ingenieur nach außen hin die Verantwortung übernehmen Der Anerkennung ihrer Diplome'stehen die gleichen Schwierigkeiten entgegen wie bei den Rechtsanwälten usw. . | keinerlei Aussichten haben * -Zahnärzte u.n_d Zahntechniker; Chemiker haben nur Aussichten, wenn sie ein brasilianisches Diplom erworben haben. \l n m k i' r sollen sehr , geringe Aussichten-haben. * tf- Frauenberuf (i ' ', Ueher die Aussichten einwandernder Frauen wird übereinstimmend Günstiges berichtet. ,',Frauen und Mädchen können sofort im Haushalt unterkommen. Köchinnen werden sehr'gut bezahlt, ebenso Kinderfräulein, wenn , sie die englische Sprache beherrschen; dann ist. die Bezahlung -wegen der vielen Engländer und Amerikaner" in Säo Paulo besonders gut." Die günstigen Aussichten für Frauen haben dazu] geführt, daft viele Ehepaare getrennt leben müssen, da' die Frau in einem fremden Haushalt wesentlich mitverdient. -Kagawanderte .Frauen und Mädchen sind nicht nur in den schon genannten häuslichen Stellungen tätig, sondern auch im Büro, wo bei Beherrschung der Landessprache und womöglich auch des Englischen ebenfalls günstige Aussichten vorhanden sind. Auch Frauen mit gewerblichen Kenntnissen, wie Weberinnen, Strickerinnen, Schneiderinnen usw. finden leicht Stellung. f) Kapitalisten v ' Die besondere Eignung Brasiliens als Einwanderungsland für Unternehmer mit einem, wenn auch nur bescheidenen, Kapital beruht auf drei Faktoren: Erstens auf der raschen Industrialisierung des Landes* für die alle natürlichen Voraussetzungen gegeben sind, und die auch von der Regierung, wie wir sahen, stark gefördert wird; Zweitens auf dem außerordentlichen Tiefstand der brasilianischen Wahrung mit der hierdurch gegebenen Möglichkeit, selbst ein durch Sperrmarkverkauf auf einen Bruchteil seines früheren Wertes zusammengeschrumpftes AuswandererveWnögen in Brasilien.« noch zum Aufbau einer selbständigen Existenz zu benutzen; und endlich auf der Billigkeit der allgemeinen Lebens-, hultung. Ueber die Summen, die unter diesen Umständen) zur Gründung einer selbständigen Existenz nötig sind, gehen die. Wsiiliten nur wenig auseinander: man nimmt £50 1 v / ~ . ' -'<f ,-.; .. ■ . «.•„•<; ^1 ethisch*-Pfund, also etwas über 3000 RM.,, als uilB dingtes Minimum an; doch sollen in der Regel etwi S bis ,6000 RM. vorhanden sein. E» kann hier natürlich nicht im einzelnen dargelegt werden, welche .l'nt<raa$» mutigen aussichtsreich sind; dies kann vielmehr nur JK Grund sorgfältiger Ermittlungen an Ort und- Stelle im schieden werden. Vor vofeiligen Etablierui -en, bevor der Betreffende die Sprache' beherrscht und die Verhältnisse kennt, kann gar nicht genug gewarnt werde», Wer nicbVeine ' Zeitlang abwarten kann, zahlt ein vielfaches Lehrgeld. Als verhältnismäßig aussichtsreich, und auch für den Mg. wanderer leicht durchführbar,- wird in mehreren Briefes <mt Eröffnung guter Pensionen bezeichnet. ' Wenig aussichtsreich sind Unternehmungen der Naj».; rungsttiittelbranche, wie Konserven- und W urstf.ihrikea, Koafitürenherstellung und Brauereien. Für Fruchtsaft- und LikfE fabrikeo sollen in Provinzstädteo Aussichten bestehen. 1 Wenig aussichtsreich sind auch Unternehmen der , Kay,' fektions- und Schuhbranche, -sowohl in -der Fabrikation, lam im Handel. g) La n d w i r t e Von allen Ländern Südamerikas; dürfte „zur Zeit S brasilien die besten Bedingungen zi|r landwirtschaftlichen Siedlung bieten. In den vier Staaten Säo Paulo, Parani, Rio Grande do Sul und Santa Gatharina haben schon Hunderttausende europamüder Siedler eine neue Heimat gefunden, und auch heute noch sind in diesen Staate», vor allem in Parana und Rio Grande do Sul, sehr groBe Möglichkeiten gegeben. Es handelt sich hier um Waldterrassenländer mit gesundem Klima und äu ßerst fruchtbarem Boden, sogenannter „roter Erde", die eine Fülle von Erzeugnissen hervorbringt Die Kolonisation in diesen Waldlerrassenlftndern 'Weist nach Ansicht hervorragender Sachkenner eine Reihe wichtiger Vorzüge vor der Kolonisation auf'Steppenböden auf, insbesondere das Fehlen d c r H e u S c n reck e n p 1 agee und der in der argentinischen Pampa so häufigen Dürren. Auch verkehrspolitisch liegt, besonders das jetzt in der kolonisatorischen Erschließung, begriffene Gebiet von Nofdparanä günstig; eine große englische- Gesellschaft, die gleichzeitig auch Eigentümerin gewaltiger Langstrecke* ist, die sie an Siedler abgibt, betreibt selbst den' Bahnbau. („Parana Plantations Ltd.0) ' ' •' - . ' » ,■ .* j. Die Mindestgröße, einer einzelnen Siedlung wird auf 10 Alqueiras, d. h. etwa 100 Morgen, -angegeben; dann sei die Rentabilität, harte und sachkundige Arbeit vorausgesetzt, wahrscheinlich. Bezüglich der Wirtschaftsart ist eine gemischte Wirtschaft empfehlenswert. In Frage kommen u.a. Kaffee, Baumwolle, Rizinus, Bergreü (Trockenkultur), Getreide (vor. allem Mais), und die meisten Gemüsearten, in beschranktem Maße auch Steinobst. Sehr bezahlt macht sich die Schweinezucht. Bei einer Größe von 100 Morgen für jede Familie dürften etwa 3000 bis 4000 RM. — in freien Devisen1 - zur Ansiedlung erforderlich sein. Wenn aber auch die natürlichen Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Siedlung von Juden aus Deutschland -- es ist hier nicht so sehr an Einzelsiedlung wie aa eine größere Gemeinschaftssiedlung gedacht ungemein günstig sind, so bestehen doch gewisse Probleme, die, gelost werden müssen, bevor _ein größerer Plan auch nur in Angriff genommen werden kann. Vor allem besteht die große Schwierigkeit der Tr ans f e r icr u rig der zum Aufbau einer solchen Siedlung notwendiger Beträge; es liegt .auf der Hand, daß nur sehr wenige dtf.__ 111 Frage kommenden jüdischen Landwirte aus Deutschland imstande wären, durch Sperrmarkverkauf »uch nur die bescheidene Summe von 3000 bis 4000 RM. flüssiu w macheirr Außerdem aber müßte ein genauer o r g a n s a torischer Plan festgelegt und ein tüchtiger, mii der nötigen Autorität ausgestatteter Leiter für eine s> lebe Siedlung bestimmt werden, da die meisten derar; igen Siedlungen (gleich welcher Nationalität) gerade an dem Mangel an Organisation und Leitung gescheitert md. Die Lösung dieser Schwierigkeiten, an der gearbeitet ird, Weiht abzuwarten. I .-■'. i o, u i l-': ■ m