Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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J , Troti dieser deutlichen Schichtung in der gesellschafti liehen Struktur gilt für Brasilien das gleiche, was wir oben'von Argentinien sagten: man zeigt im persönlichen und geschäftlichen Verkehr die Unterschiede nicht. Und doch gilt auch hier der Reichtum als Wertmaßstab eines Menschen. Von einer „brasilianischen Kultur" kann man eigentlich noch nicht sprechen. Es. hat sich zwar seit einigen Jahrzehnten ein literarisches Eigenleben entwickelt, das aber längst nicht so ausgeprägt ist wie in anderen, selbst kleinerea-südamerikanischen Staaten, z. B. . Columbien. Stoff und Stil werden — auf dem Gebiete der Kunst, wie in der Mode — von Paris und neuerdings von New York diktiert; durch den Film werden sie in alle Volksschichten getragen. — Nur auf dem Gebiete der Presse gelang es Brasilien, etwas Eigenes zu schaffen. Die brasilianische Presse zeigt gute journalistische Aufmachung undlebendige Berichterstattung, die freilich noch hinter der Liebe zu eleganter Kritik und Spottlust zurücktritt. Die Verbundenheit der Presse mit dem Publikum ist sehr eng..' Die Presse prägt wirklich die öffentliche Meinung und ist auch wiederum deren Spiegel, da jeder, der 'sich berufen fühlt, in ihren Spalten «ich aussprechen kann und auch ausspricht In den großen Städten sollen bis zu 20, in kleinen Landorteft bis zu 4 verschiedene Blätter erscheinen. Auch die großen Einwanderungsgruppen haben ihre Tageszeitungen in ihrer Muttersprache; so erscheint Z. B. in Rio, de Janeiro eine jiddische „Folkszeitung". Sowohl Anzahl wie Auflageziffer der Zeitungen sind iiu Verhältnis zur großen Zahl der Analphabeten in Brasilien sehr hoch; schätzte man doch die Zahl der Menschen, die weder lesen noch schreiben können, im Jahre 1920 auf 75 »,'o der Gesamtbevölkerung, und daran soll Bich inzwischen nicht vieVgeändert haben. Das'Bildung«wasen liegt in Brasilien zum All noch sehr im argen. Der Sch u 1 u n t e r ficht'ist nicht dun h den Bundesstaat allgemein - geregelt, sondern dem ' Ermessen der Einzelstanten überlassen. Eine Schulpflicht - besteht nuf. in . den Staaten Ceara, Maranhäo, Alagöas, Matto Grosso,'Minas Gera es, 3_äo Paulo und Santa Catharinau In den dünn bevölkerten Gegenden besucht nur eine verschwindende Anzahl von Kindern die Schule, in Goyaz zum Beispiel nur 5 o/o. Sogar in den stark mit deutschen Einwanderern durchsetzten Staaten Rio Grande do Sul und Santa Catharina besucht hur etwa die Hälfte der Kinder die. Schule. Die meisten Staaten sind mit dem Geld für Schulen sehr sparsam; Pernambueo gibt trotz seines Reichtums nur 3 "o seiner Einnahmen für Erziehungszwecke aus; nur 25 o/o der Kinder besuchen die Schule. _ In Hahia, das etwa 5 seiner Einnahmen opfert, sind 87 8 o der Kinder von der Schule befreit.. ' Allen Bestrebungen, diese beschämenden Zustände zu ^bessern, steht nicht aiilpt.Tt nW Wi de es t a n d der Großgrundbesitzer entgegen, 'die ungebildete Arbeitskräfte für billiger und deshalb zweckmäßiger zu halten scheinen als gebildete. Auch das Lehrerproblem. erschwert die Lösung der . Unterrichtsfrage; es gibt nicht genug Lehrer,' die für schlechte Bezahlung alle Unannehmlichkeiten des Berufes in Kauf nehmen. Daher ist das zur Verfügung stehende Lehrermaterial auf dem Lande vielfach höchst mangelhaft. Die von Geistlichen geleiteten Schulen entsprechen dagegen auch höheren Anforderungen. —• An den 35 435 Schulen, die 1931 in Brasilien bestanden, unterrichteten 73 555 Lehrer 2 2 8 4 88 3 S c h ü 1 e r. Bei einer Bevölkerung von einigen 40 Millionen ist diese Schülerzahl viel zu klein. Von den über 35 000 Schulen waren 33 040 . Elementarschulen, der Rest höhere Schulen, Lehrerseminare und Fachschulen. Ueber 10 000 Schulen wurden von privater Seite, die übrigen von den Staaten und Stadtgemeinden unterhalten. Bedeutend besser als mit denn Elementarunterricht ist es um das Hochschulwesen bestellt: es untersteht dem Staat und findet in Regierangskreisen mehr Interesse als die" Frage der Volkserziehung. Mittelschulen dienen als Vorbereitungsinstitute; deutsche Anstalten genießen einen besonders guten Ruf. Am stärksten ist die juristische Fakultät besucht, als angesehenste gilt ither die *■ medizinische. Erst iu der letzten Zeit beginnt, nach dem Muster ° der I S \ . der Ingenieurberuf Anhänger zu finden. Die, Anlage von Eisenbahnen, Straßen und Ka- * Mit den großen, modernen Sohneltdampfern der Italia-Cosulich fahren Sie in ■ ■ . '6%.Tagen nach New York / „ 12 Tagen nach Rio dejdneiro 15 Tdgen nach Buenos Aires 15 Tagen nach K a p s t d d t - ■ *. •- i / . i o , -. ja; ■ i' ■ ■ Eildampferdienste nach Australien, Zentralamerika und Südwestküste (Peru, Chile) .r-'V: Auskünfte und Buchungen durch: Italia-Cosulich BERLIN NW 7, Unter den Linden 47 Telefon AI Jäger 1355 FRANKFURT a. M. MÖNCHEN Kaiserstraße 20 Odennsplatz 1 HAMBURG STUTTGART Neuer Jungfern stieg 17 Schillerplatz 5 sowie durch alle bedeutenden Reisebüros V «. .' ■ r ■ —