Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufteilung der brasilianischen Am- und Einfahr 1935 auf die Bestimmung*- bzw. Herkunftsländer (in 1000 £ Gold) Herkunft«- bzw. Bestimmungsländer Deutschland England ' V.5. A Alle anderen Lander Ausfuhr W«t ' H Ein fahr 5 451 3055 18 018 11488' 16,5 8,8 38,4 34,8 W.rt 5 608 3408 6406 12008 H 20,4 12,4 t3,4 JSL Insgesamt 33 012 100,0 27 431 100,0 ■ Im ersten Vierteljahr 1936 kämen schon .rund 23 »o der brasilianischen Einfuhr aus Deutschland. / Zwischen Deutschland und Brasilien besteht ein Verrechnungsabkommen. Da 1934 Brasilien mehr nach Deutschland ausführte, als es von dort bezog, sind die zugunsten des Banco do Brasil bei deutschen Banken eingezahlten Reichsmarkbeträge beträchtlich ang(wachsen. Diese Tatsache zwang Brasilien zu erhöhten inkäufen in Deutsehland, wobei noch die Unternotierung der Yerrechnungsmark, die dem brasilianischen Importeur große Kursgewihne versprach, eine Rolle spielte. — Se stiegen die Exporte Deutschlands beträchtlich: von 78,48 MilL Reichsmark im Jahre 1934 auf 118,55 Mi 11. Reichsmark im Jahre 1935. Vor allem machte sich die Steigerung i den Waren Kohle, Zement, Maschinen und Maschinenzubehör, Eisenbahnschienen, Chemikalien, Weißblech und Werkzeugen bemerkbar. Aber auch die Ausfuhr. Brasiliens nach Deutschland bewegte sich stark aufwärts: von 77,17 Mill. Reichsmark im Jahre 1934 auf 176,86 MilL im Jahre' 1935; es zeigt sich also, daß im Gegensatz zum Vorjahre, Deutschland einen Ausfuhrüberschuß nach Brasilien aufwies, und zwar im Werte von 58,31 Mill. Reichsmark. Deutschland führte im Jahr« 1935 folgende Warengruppen nach Brasilien aus: Aufteilung der Ausfuhr Deutschlands nach Brasilien in Warengruppen ' (in Millionen Reichsmark) " '?• MÄ ' /. . Davon: ■ f ■ ".'.'<■ I rbensmitteJ upd Getränke , darunter :'■"•' Holzschliff, Zellstoff usw. Steinkohlen ■ t-f . Zement * Chemische Rohstoffe und Halbzeuge ' Fertigware«, darunter: Textilwaren Leder — Papier und ~ Papierwaren i ' Chemische u. pharmazeutische Erzeugnisse Glas und Glas waren Waren aus Eisen Waren aus anderen, unedlen Metallen Maschinen (außer elektrischen) * Elektrische Maschinen (einschl. Teilen) > Elektrotechnische Erzeugnisse 8,77 Kraftfahrzeuge, Krafträder 1,84 Apparate, Instrumente, Schreibmaschinen 1 ■ u. dgl., Erzeugnisse der Feinmechanik 1,54 Am 6. Juni 1936 wurde in Rio de Janeiro ein vorbereitendes Handelsabkommen zu einem deutsch-brasilianischen Handelsverträge geschlossen, in dem sich beide Länder in Zukunft die unbedingte und uneingeschränkte Meistbegünstigung gewähren wölben. Daneben wurden Vereinv barungen über Einführkontingente getroffen. Der genaue Wortlaut des Abkommens ist nicht veröffentlicht worden. Pressemeldungen zufolge wird Deutschtand innerhalb der nächsten zwölf Monate 1,8 Millionen Sack Kaffee abnehmen, ferner 62000 t Baumwolle, 18 000 t Rohtabak, 10000 t Gefrierfleisch) je 4000 t Bananen und Paranüsse und 400 000 Kisten Apfelsinen aus Brasilien beziehen. Eine Reihe anderer Rohstoffe wie Kautschuk, Kakao, Pflanzenöle, und verschiedene Mineralien jaiird es unkontingentiert hereinlassen. Deutschland wird gestatten, daß zur Bezahlung der Frachten im Seeverkehr von brasilianische« Seite Verrechnungamark an Stelle von GoMmark verwandt werden dprfen. Brasilien wird dagegen entdurch ^sprechende*; Mengen von Fertigwaren aus Deutschlaad 'bestehen, so Automobile, Schreib- und Nähmaschinen u. a. m. 'Die? Deutsch-Südamerikanische Bank weist darauf hin, daß insbesondere folgende Waren für Brasilien bei. intensiver Bearbeitung des Gebietes gute Verkaufsmöglichkeiten böten: chirurgische ■ Instrumente, sanitäre Artikel, Thermometer, Laboratoriumsbedarf, Baumaterial, Motoren, Rohstoffe und Halbfabrikate für die nationale Industrie, Schuh- und Handschuhleder, Kurzwaren, Bijouterie, Pharmazeutika, Drogen, Chemikalien, Elektromaterial, . Haushaltsartikel, Papier, und Papierwaren, Eisen- und Stahlwaren, Glas- und Glaswaren. (Die Tabellen dieses Abschnittes sind teilweise dem Jahresbericht dar Deutschen Ueberseeiachen Bank für 1935 entnommen.} WÄ-f1 " T ' IiiiVftt:il3rVi^T^Brfr P ^'^fy J±4t& *. «.Verkehr/ Das Verkehrsproblem ist für Brasilien eine Lebensfrage. Die ungeheuere Größe des Landes, und der verschiedenartige klimatische und wirtschaftliche Charakter seiner Teile bieten dem Binnenverkehr solche Schwierig- . keiteri, daß man schwerlich von einer einheitlichen brasilianischen Volkswirtschaft sprechen kann. So hat sich auch weniger ein gesamtbrasilianisches Verkehrsnetz herausgebildet als gewisse, räumlich getrennt liegende V e r - kefirslandschaften. Die Verkehrspolitik des modernen Brasiliens geht darauf aus, diese Verkehrslandschaften unter einem einheitlichen. Gesichtspunkt miteinander zu verbinden und so ein Verkehrssystem für das ganze Land zu schaffen. ' / Brasiliens natürliche Beschaffenheit wirkt auch innerhalb der einzelnen charakteristischen Verkehrslandschaften verkehrshemmend. Das Land weist zwar riesige Ströme und Flußsysteme auf, aber gerade die wirtschaftlich bedeutendsten Landstriche sind, sofern sie nicht direkt an der Küste liegen, auf künstliche Verkehrswege, auf Eisenbahnen und Straßen angewiesen, deren Anlage dadurch erschwert wird, daß das Binnenland von der Küste zumeist: hohe Gebirgsketten abgeschlossen wird Die brasilianischen Eisenbahnen wiesen im Jahre 1934' etwa 32865 km Schienenlänge auf (das so viel kleinere Deutschland dagegen über 54 000 km!).'Ein'großer Teil der brasilianischen Bahnen sind Stichbahnen, die ein 1>innenliiirdisches Wietschaft-szentrum mit dem nächstgelegenen Küstenort verbinden. Nur wenige Bahnen' durchschneiden das Land längs der Küste. Von einem Eisenbahn netz kann man— im Gegensatz >,u dem argentini- ' sehen La, Plata-Gebiet um Buenos Aires — nicht sprechen. Die größte Eisenbahndichte weist der_Staat Säo Paulo, danach der Staat Mina» Geraes, das ^[i uteri und \ <>n Rio de Janeiro, auf.' Verhältnismäßig .gut; ausgebildet ist das Eisenbahnsystem der Südstaaten. Etwa zwei Drittel der Bahnen sind Bundeseigentum, nur knapp ein Viertel befindet sich noch in Prrvathänden. Die Anzahl der im ausländischen Besitz befindlichen Bahnen ist stark im Abnehmen begriffen. In Zukunftwerden ausländische Gesellschaften keine neuen Bahnkonzessionen erhalten. Um die R e n t a b i 1 i t ä t der Bahnen ist es sehr schlecht bestellt. Die staatliche Zentralbrasilianische Eisenbahn, die Sio Paulo mit Rio. de Janeiro verbindet und wohl die wichtigste Linie des Landes ist, wie» für 1984 ein Defizit von 30000 Contos de Reis auf. Die im Staate Sä« Paulo gelegeneh Linien arbeiten noch am rentabelsten. Eine dieser Linien, die im englischen 41eaita» befindliche Paulista-ßahn, konnte 1934 sogar einen Ueberschuß von 49 500 Contos erzielen. *; Einige der brasilianischen Bahnen fahren schon elektrisch. Man hat damit begonnen, auch die wichtigste Linie de« Landes, die Zentralbräsilianische Eisenbahn, zu elektrifizieren. Einige Strecken der Paulista-Bahn werden ebenfalls schon elektrisch betrieben. ■ - . In den letzten Jahren hat die brasilianische Regierung dem Straßenbau verstärktes" Interesse zugewandt. Schon jetzt wird ein großer Teil des innerbrasilianischen Transportwesens "auf Lastkraftwagen abgewickelt, Was nicht ohne Rückwirkungen auf die Einnahmen der brasilianischen Eisenbahnen ist. ~ Besonders der Staat Sfio Paulo, der schon jetzt das beste Straßennetz aufweist, und die angrenzenden südlichen Staaten, führen große Straßenbauprogramme durch. Gegenwärtig dürfte Brasilien .über Straßen in einer Gesamtlange 'Von 126000 km verlogen; aber kaum mehr als 1200 km davon, sind 1 mit dauerhaftem Belag versehen. 55