Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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Bis 1933 hatte Brasilien^eine Doppelwährung; im Verkehr mit dem Ausland galt der Guldmilieis, Im Innenverkehrder Papiermilreis. Die Goldparitat des Milreis betrug 0,50 RM. 1933 wurde der Papiermilreis zur einzigen Wahrungsgrundlage gemuckt, eine Entwertung des Mürels trat ein und eine, strenge Devisenbewirtschaftung ■ wurde eingeführt. Diese Devisenzwangswirtschaft be- ^.^vkrfcte, daß wir mit mehreren Milreiakuraen rechnen müssen. a) Der offizielle Milreiskurs wird vom Banco do Brasil im Verhältnis zum U. S. A.-Dollar, dem englischen Prund; dem " Schweizer Goldfranken und zur Reichsmark festgelegt. D i e s e r Kurs beträgt im auf Mark umgerechneten Durchschnitt der drei erstgenannten Wahrungen-0,22 RM. Infolge des Sonderabkjommens mit Deutschland ist der Reicmsmarkkurs etwas höher festgesetzt; er beträgt 0,26 'RM. Der offizielle Milreiskurs gilt bei allen von den brasilianischen Devisenstellen genehmigten Handelstransaktionen. Wenn der brasilianische Geschäftsmann Devisen benotigt, so reicht1 er den Antrag; auf den gewünschten Betrag bei der zuständigen Devisenstelle ein, die ihm nach Prüfung die Genehmigung des Devisenankaufs zum offiziellen Kurse erteilt. b) Der freie (oder „schwarze") Milreiskurs ist der Kurs, der sich auf dem freien Markte im Verhältnis -zu den oben genannten Währungen bildet. Dieser Kurs beträgt etwa 0,14 RM. Die Werte der Fremdwährungen notieren auf dem freien Markt natürlich hoher, da ja der Brasilianer, der die knappen Dausen auf dem freien Markt kauft, gern, bereit ist, einen höheren Kurs zu zahlen. Er wird auf dem freien Markt nur in "Solchen Fällen Devisen kaufen, in denen ihm der Banco do ---Brasil die -Zuteilung von Devisen zum offiziellen Kurse versagt hat'; . , ■; ' Der 'freie Kurs ist auch der Kurs; zu dem der. Einwanderer in Brasilien seine Sperrmarkbeträge verkaufen uod «ich dadurch einen gewissen Kursvorteil —1 bestehend aus der Differenzzwischen offiziellem und freiem Milreis- Kurs — sichernkann. Unserer Währungsfabelle, haben wir . -den freien Kurs des Milreis zugrunde gelegt. Der brasilianische Exporteur muß 35 »o seiner Deviseneinnahmen dem Banco dt) Brasil zur Verfügung stellen. —• T~~T* ''' " ' ' ' ' '. ."■ * ■ '• ' '■ '. ' ■ ir-.**' \v t!- ) ■/».'- , i iL•-■A '''■ ■ 5. Auüenliandcl Brasiliens Außenhandel würde und wird noch von ilcrKaffeeuusfuhr bestimmt. In früheren Zeiten war Kaffee sogar fast das einzige Exportprodukt des Landes; sämtliche Fertigwaren, mußte das Land einführen. Die großen Umwälzungen der Kriegszeit und der jüngsten Vergangenheit ließen aber das Land von der Fertigwaren- Einfuhr unabhängiger werden*; eine einheimische Industrie hat den Bedarf an vielen Warengruppen, vor allem Textilien, fast vollständig befriedigen können. Zudem zwang der scharfe Rückgang der Kaffeepreise Brasilien zu einer Umstellung seiner Exportgestaltung; andere Exportprodukte, vor allem Baumwolle, treten immer mehr in den Vordergrund. Trotzdem behält der Kaffee immer noch eine entscheidende Bedeutung für den brasilianischen Außenhandel; mit dem Rückgang des Kaffee-Export-Erlöses - geht auch heute poch der brasilianische Gesamtexport zurück, wodurch auch - die Kauffähigkeit Brasiliens auf den Fertigwarenmärkten und damit seine Einfuhr ent: sprechend herabgemindert Werden. So fielen Brasiliens gesamte Außenhandelsumsätze von rund 188 Mill. Pfund (Gold) im Jahre 1928 auf rund 60 Mill. im Jahre 1935. Selbst dieses letzte Jahr zeigte" nur eine geringe Erholung der Einfuhr- und noch einen geringen Rückgang der Aasfuhrwerte (wenn auch nicht mehr der Mengen), was auf die (ortschreitende Entwertung de» Milreis, verbunden mit dem Aufschwung der heimischen Produktion, zurückzuführen ist. Brasilien befindet sich in " der „Preisschere": die Ausfuhrpreise sinken, während die Einfuhrpreise steigen. Die Milreis-Entwertung zwingt die brasilianische Statistik, die Aufienhahdelswerte in einer anderen, wertbeständigen Währung wiederzugeben. Man wählte dafür den Goldwert des englischen Pfund Sterling Auf dieser Basis gestaltete sich 1935 der Außenhandel Brasiliens wie folgt: \ufteilung der Ausfuhr des Jahres I 1935 nach den wichtigst, Wert Menge (m 10» £ GoM) X \»T<m~«) Kaffee 17 374 52,6 919 764 Baumwolle 5*23 16,8 138 630 Kakao 1 302 3,9 111826 Obst 1017 3,1 276 513 Oelfrflchte 963 3,0 221524 Fleisch 828 tfi 68894 Häute 824 2,5 49012 Herva Mate 543 1.« 61 500 Tabak Reis* 518 1.6 32963 4M 1,5 94 642 Felle 419 M 4 257 Gummi 293! 0,9 12 419 Holz 284 0,9 167177 Verschiedenes 2 905 8,8 602 641 Insgesamt 33 012 100,0 2 761 762 Die charakteristischen V eränderungen gegenüber dem Vorjahre waren ein weiteres Absinkendes Kaffee-. E x p ort wertes (um 19,3 " u), dagegen eine Zunahme _j|es B a um wo 11-Exp orfwert es (um 11,9 o/o). Der Ausfuhrwert der Oelfrflchte und der Gruppe „Verschiede* nes" stieg um etwa je 50 <>, der von Reis sogar um' fast A3 o/o. * _ \ufteilung der Einfuhr des Jahres 1935 nach Waren (in 1006 £ Gold) Rohstoffe Mineralöle Kohlen,-Koks und Briketts Eisen und Stahl Jute Seide k-: .(..*.; <t i. Holzmasse Wolle Zement Sonstige Fertigwaren Maschinen '"•"--AV!^. ■ m .-' I 494 1897 1092 702 382 343 327 27:! 123 3 355 .•.WT« '' K v«> ■ jtil :'•-.! ' ■. ' « e fW 13 884 4926 Eisen- und Stahlwaren - Automobile u. and. Fahrzeuge Drogen, ehem. u. pharm. Artikel Papier Und Papierwaren , Textilwaren (Sias-, Porzellan- Und Steingut- Waren - Gummi» aren ' Sonstige 2 371 1 856 1356 636 50l 398 357 l 485 Lebensmittel, Getränke, lebende Tiere Weizen und Weizenmehl Stockfische : ' Sonstige 5653 3 293 295 1465 H 31.6 6,9 4,6 *,« 1,4 1,3 W 1,0 0.4 " 12,2 56.6 18,0 8,6 «,8 4,9 2,8 M>, w 1.3 5,5 18,4 18,0 »,1 _5rL 7 if <• n M > I . Insgesamt 27 431 166.0 ä I; ->',.-,. . . . ,-i '-* nt,^ft,f£,uf —'■ .\.\±£.1L3t2t£&A±£*' .^BJ Unter den Einfuhrprodukten prädominieren also noch immer die Fertigwaren.. Innerhalb der Gruppe Fertigwaren hat sich, in den letzten Jahren eine starke Umschichtung vollzogen. Während Brasilien von der Einfuhr an Textilien sich nahezu völlig befreit hat, seine Einfuhr an Baumaterialien, insbesondere Zement, und an Gebrauchsartikeln des Massenbedarfs außerordentlich stark -zurückgegangen ist. zeitigte die Industrialisierungtendenz der letzten Jahre einen erhöhten Maschinen- und Masc'hinenzubehörbedarf, den die heimische Produktion nicht decken könnte. Es zeigt sich hier wieder, daß die. Industrialisierungstendenz bisheriger Agrarländer als solche nicht zu einer Verringerung der Industrie-Einfuhr, sondern nur zu einer andersartigen Zusammensetzung fahrt. — Neben Maschinen stieg bete i'hnenderweise auch die Einfuhr hochwertiger Waren, insbesondere der Feinmechanik und des Apparatebaus, ferner die Einfuhr Von Automobilen, Papier-, Glasünd Porzellanwaren und gewissen chemischen Produkten im Verhält iis zum Gesamtimport.;fl Die engsten handelspolitischen Verbind' .1- Kn pflegt Brasilien mit den Vereinigten Staaten, "F. ig-. >d, Deutschland, Frankreich, Argentinien ,ünd Belg -oi Als'Abnehmer und als Lieferant stand Deutschland in < en ( letzten .Jahren an zweiter Stelle. Wie sich Brasilia n\ Außenhandel regional verteilt, zeigt die folgende Tabelle:« \