Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 56 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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, ■■ f Das Hauptproblem des brasilianischen Straßenbaus liegt jedenfalls darin, die bestehenden Str-aßensysteme miteinander zu verbinden und darüber hinaus nach einem einheitlichen Plan 'Autostraßen Ober das ganze Land hin zu ziehen. — »••• w 1934 gab es in Brasilien 137000 Kraftwagen. Obgleich diese Zahl seitdem erheblich gestiegen sein dürfte, liegt sie noch sehr weit unter der 'entsprechenden Zahl Argentiniens, das zu den bestmotorisierten Landern der Welt gehört, und ist auch im Verhältnis zur Landesgroße sehr gering.?.£ .( Die Tatsache, daß Brasilien der Wassermenge nach die gewaltigsten Strome der Erde besitzt, ist wirtschaftlich bisher nur wenig ausgenutzt worden, wird aber in Zukunft für die industrielle Entwicklung des Landes von größter Bedeutung werden, da hierin große Kraftreserven liegen. Der Amazonas, der an einigen Stellen eine-Breite von 110 km aufweist, mißt eine Strecke von 5400 km, der Parana im Süden 4390 km, der Madeira im Amazonas-Gebiet 3240 km und der Purus, ebenfalls im Amazonas-Tiefland, 3000 knv -Bei diesem gewaltigen und weitverzweigten Flußsvstem Brasiliens acheint es auf den ersten Blick, als ob hierdurch die Möglichkeit gegeben wäre, den Verkehr tief in das Innere des Landes zu tragen, doch stellt die Natur dieser Verkehraentwicklung so große Schwierigkeiten entgegen, daß die brasilianische Binnenschiffahrt stark zurückgeblieben ist. Zahlreiche mächtige Wasserfälle bewirken nämlich Schiffahrtsunterbrechungen, und auf den Küstenflüssen behindern Sandbänke und Riffe den regulären Verkehr. Dagegen ist'die Küstenschiffahrt gut entwickelt. -{Nach: G. Sinner, „Brasilien" ) Es besteht eine besondere Bundesbehörde für die Wasserstraßen, d. h. eine staatliche Inspektion für Flüsse, Halm und Kanäle, die für 'Verbesserung der Wasserstraßen zu sorgen bat. Für die-Ausgestaltung der brasilmnisctiefi Hafen von Rio de Janeiro, Santo», Kecile, Sau Salvador, Rio Grande do Sul, liefern und Manaoa. sind in den letzten Jahren, große Summen ausgegeben worden. ' . Das,' modernste aller Verkehrsmittel, das Flugzeug, fand in Brasilien günstige Vorbedingungen für seine Entwicklung. Gerade die großen Entfernungen, die der Entwicklung jedes anderen Verkehrs imi Wege standen, boten dem Flugwesen aussichtsreich« Möglichkeiten. Die Fluglinien stehen z. T. unter deutschem, amerikanischem und französischem Einfluß. Die französischen' und. brasilianischen Gesellschaften betreiben ausschließlich den innerbrasilianischen Verkehr; das Condor-Syndikat, das teilweise mit deutschem Kapital arbeitet, sorgt, in Gemeinschaft mit der Deutschen Lufthansa und der Zeppelin-Ge- Seilschaft für den. Anschluß nach Europa. — In den letzten Jahren hat . sich Brasiliens Flugwesen 'besonders gut entwickelt. Eine Anzahl neuer Fluggesellschaften ist zu den bestehenden hinzugekommen; gegenwärtig betreiben sieben Gesellschaften 22 regelmäßige' Fluglinien. Das Flugnetz beträgt jetzt etwa 41000 km, Ueber 20 000 "Passagiere dürften im Jahre 1934 befördert worden sein. 7. Konjunktur und S t a a t s f i n a n z c n Der gegenwärtige brasilianische Wirtschaftsaufschwung beruht zum größten Teil auf einer Binnenkonjunktur, womit /agleich seine Grenzen gekennzeichnet sein dürften. Mit dem Expansionsdrang der brasilianischen Industrie und der Intensivierung der*inländischen Handelsbeziehungen hält die Steigerung des Außenhandelsvolumens in keiner Weise Schritt. In den ersten Monaten dieses Jahres machte sich sogar ein erneuter scharfer Rückgang des Aua führwertes bemerkbar, der im ersten Vierteljahr 1936 um 28 »/o unter dem der .entsprechenden Vorjahrszeit lag. Der Einfuhrwert war dagegen um 11 o/o höher als 1935. Der Ausfuhrüberschuß des Monats April war der niedrigste je berichtete und der Mai brachte sogar einen Einfuhrüberschuß von etwa 25000 Contos. Diese Entwicklung birgt große Gefahren für den Fortbestand der gegenwärtigen Binnenkonjunktur in sich. Denn die gegenwartige D i s k r e p a n z zwischen der außen - u(n d'd er binn e nwirtschaf tlichcn Entwicklung Brasiliens muß, wenn keine Besserung der Außenhandelslage ein- 56 i ttritt und die lebensnotwendige Einfuhr zurückgeht, zu Zusammenbrüchen zunächst in denjenigen Industriezweigen führen, die auf ausländische Produktionsmittel, Rohstoffe und Halbfertigwaren angewiesen sind. Unter einem Einfuhrrückgang hätten auch die S t« a t sfinanzen zu leiden, die sich zum großen Teil auf Zolleinnahmen stützen. Noch im ^Vorjahre standen gerade die Staatseinnahmen im Zechen der Binnenkonjunktur. Der auf 522000 Contos geschätzte Fehlbetrag des Voranschlages für 1965 wurde um 372 000 Contos unterschritten; und da im verbleibenden Fehlbetrag von 150090 Contos .Über 100000 Contos enthalten sind, die von der Regierung für Goldaufkäufe verwandt wurden, so kann.man den Haushalt des Vorjahres als praktisch ausgeglichen ansahen. Diese günstige Entwicklung t beruhte auf der Steigerung der Steuer- und Zolleinnahmen um 653000 Contos und auf einer starken Kürzung der Auagaben. Von den rund 2,5 Mül. Contos Einnahmen brachten der Bundesbezirk Rio.de Janeiro und der Staat Sto Paulo 1,5 Mill. auf. ' ., Der Haushaltplan für 1936 sieht Einnahmen in Höhe von rund 2,5 Mill. Contos und Ausgäbet! in Höhe von rund 2,9 Mill. vor;-das Defizit soll nur etwa 268000 Contos betragen. . Die Ausgabensteigerung ist durch die Absicht bestimmt, die Beamten- "und Militärgehälter zu erhöhen und öffentliche Arbeiten — wie Bahnelektrifizierung und Wegebau — zu finanzieren. Außerdem sollen größere Beträge für die Auftauung d e r* ei nee f r o r e n e n Auslandsguthaben bereitgestellt werden. — Die gesamte öffentliche Verschuldung — von Bund, Einzelstaaten und Gemeinden — wurde Ende 1935 auf 250 Mill. engl. Pf und geschätzt; etwa 177 Mill. Pfund entfielen dabei auf England, der Rest verteilt« sich auf die Vereinigten Staaten, Frankreich und Holland. Der jährliche Schuldendienst, der etwa 24 Mill. Pfund betragen müßte, geriet Ina. Stocken und beläuft sich gegenwärtig N auf etwa ein Dritte} dieser j>umme. — Diese Ziffern betreffen natürlich nicht die Verschuldung der Privatindustrie, in der viel neidamerikanisches Kapital investiert ist. ■ ' """ Die Lage der Landwirtschaft ist noch immer durch die Kaffee-Katastrophe bestimmt. Der Preis, ist niedriger denn je, so daß selbst <\\4 mengenmäßig gestiegenen" Kaffee-Exporte «nochmals verringerte Einnahmen brachten. Die brasilianische Regierung setzt ihre Anstrengungen fort, die Umstellung .der landwirtschaftlichen Produktion auf andere Erzeugungsgebiete, vor allem auf Baumwolle, durch Kreditgewährung, Einrichtung von Forschungsinstituten usw. zu fördern. Sie hofft, damit mehr Erfolg zu haben als mit ihrer Kaffee-Stützungs- und Kaffeepreis-Politik, die bisher zur Anbauerweiterung in anderen kaffeerzeugeriden Ländern (vor allem in Columbien) führte, Welche von den durch Brasilien gestützten Preisen profitieren, rentabler wirtschaften und einen vergrößerten Anteil am Weltkonsum decken k"ninlrn Die künftige Entwicklung des Baum wollabsa tse« ist günstig zu beurteilen, da Brasilien sich bereit erklärte, die Baumwolle wieder im Kompensationsverkehr mit Deutschland, Polen und Italien zuzulassen und auch Japan seinen Baumwollbedarf künftig in Brasilien zu decken " gedenkt. Die Industrie Brasiliens erlebt seit etwa zwei Jahren ihren großen Aufschwung. Neue Produktionszweige sind im Aufbau begriffen, neue Produktionsgebiete werden erschlossen. Seit 1933 hat sich die Zahl der industriellen Unternehmen in SSo Paulo um die Hälfte vermehrt, und doch fanden in letzter Zeit die meisten industriellen Neugründungen in den Nordstaaten statt, die bisher wenig industrialisiert waren. Die Industrialisierung schreitet fast in zu schnellem Tempo fort. Sie erfordert eine Einfuhr von' Maschinen, gewissen Rohstoffen und Halbwaren, die doch am Ende nur durch Exporte oder Kreditaufnahme im Ausland bestritten werden kann. Da der Weg der Kreditaufnahme durch die aufgehäufte Schuldenlast der Vorkrisenjahre versperrt ist, bleibt nur die Steigerung der Exporte mit allen Mitteln Übrig. Erst Wehn diese gelingt, wird man die weitere Ihdustrialisfertflhg Brasiliens als gesichert1 ansehen können. — Noch machen sich keine ■ V. ' [' ' i ' ,''•'»".—.: » i . ' i ■■ . i .. •? . ■ ' '• ..- »'■' ■■ «:•. e! I t.