Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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, .produziert wird, und daß erhebliche Konkurrenz bestellt. Ob «ich ein. .neues Unternehmen gegen die Konkurrenz durchsetzen kenn, hangt ausschließlich von der personlichen Tüchtigkeit des einzelnen ab." g) Landwirte Für jüdische Landwirte hat Argentinien eins ganz besondere Bedeutung infolge des großen Siedlungswerkes dar schon mehrfach erwähnten ICA (Jewish Colon izstion Association). Der Siedlungsbereich der ICA umfaßt in Argentinien eine Fläche von mehr als 600 000 ha, davon waren (nach "einer Aufstellung der ICA von 1035) 225 000 ha schon freies Eigentum von 1538 Kolonisten; 156000 ha waren bei 1560 Kolonisten in Pacht mit einem Kaufrecht. Ende 1984 betrug die Zahl der Kolonistenfamilien 3106 (fegen 3563 im Jahre 1027!). Die Seelenzahl. der Kolonistenfamilien betrug 17742. Hinzu -kamen 1435 jüdische Familien mit Aber 8000 Seelen, die nicht von der Landwirtschaft leben, und in den Stadtchen, dieses Gebietes noch ungefähr weitere 8000 Juden, etwa die Hälfte der dort lebenden Gesamtbevölkerung. Im Gebiete der ICA-Kolonisation leben also jetzt insgesamt etwa 33000 Juden, von denen aber die Hälfte Kolonisten «Ind. Neuerdings hat die ICA damit begonnen, auch jüdische Familien ans Deutschland in ihren argentinischen Kolonien anzusiedeln. Im Januar 1936 hat die ICA eine erste Gruppe von 19 jüdischen Familien aus Deutschland in ihrer Kolonie A v i g d o r (Entre, Rios) in Argentinien angesiedelt. Eine Erweiterung dieser Ansiedlung ist zur Zeit auf Grund einer sorgfältigen Auswahl der Bewerber für etwa 150 Familien im Gangs. * Es handelt sieh dabei um Familien, die für laadwirtschaftliche Siedlungsarbeit geeignet sind, mit minderten! drei erwachsenen mannlichen Mitgliedern und mindestens einer er Rückfall Wi nnn nenfalls ergänzt durch tern bzw. durch nahe Verwachsenen weiblichen Arbeitskraft, Verheiratung von Söhnen'oder Tt wandte (Neffen oder. Nichten). In Ausnahmefällen können geeignete Familien, die nicht der geforderten - Zusammensetzung entsprechen, durch den Anschluß von ein . oder zwej Gehilfen ergänzt werden, die nicht mit der Familie verwandt zu sein brauchet!. Die .Familien werden auf ihre Eignung für' die Siedlungsarbeit von einem Beauftragt«! der ICA persönlich ausgewählt. Von! den ausgewählten Familien muß ein junges männliches Familienmitglied nach einer vierwöchigen landwirtschaftlichen Vorschulung im Landwerk Nauendorf der Famjlie vorausfahren, um sich Während eines Jahres in den ICA-Siedlungen in Argentinien als Landarbeiter zu betätigen. Nach dieser Bewährungszeit erfolgt eine Anforderung der gesamten Familie und deren Ansiedlung auf einer einzelnen Familiensiedlung. Ueber die Bedingungen dieser Ansiedlung unterrichtet nachstehende Zusammenstellung aus einem Expose der ICA: •' Von seiten der ICA wird auf Grund ihrer mehr als 40jährigen Erfahrungen für jeden Kolonisten ein genauer Entwicklungsplan ausgearbeitet, das dazugehörige Betriebs-' kapital und Inventar festgesetzt, die Anleitung durch eigene landwirtschaftliche Experten veranlaßt und der ' Absatz.der.-Produkte im voraus berechnet. Zum Zweck der Ansiedlung erhält jeder Kolonist von der- ICA soviel Land zugewiesen, daß er bei dessen personlicher Bearbeitung für sich und seine Familie ein normales Auskommen hat und das Land im Verlauf einer Reihe von Jahren abzahlen kann. Es ist je nach Lage der Kolonien zehn bis hundert Hektar groß. Für jede' Familie wird auf dem ihr zugewiesenen Felde ein Haus aus zwei Zimmern mit Küche gebaut. Sie erhalt ferner die zur Bewirtschaftung notwendige Anzahl von Pferden, Kühen und Ackergeräten und wird von landwirtschaftlichen Experten während der ersten Zeit ihres Aufenthaltes zur Arbeit angeleitet. Eine Bearbeitung des Landes durch fremde Hilfskräfte wird von der ICA nicht gestattet Mit jedem Kolonisten wird ein Pachtvertrag für die Dauer von acht Jahren abgeschlossen, der die schriftliche Zusage enthält, daß er nach Verlauf der ersten acht Pachtjahre' das Land zu einem im Vertrag festgelegten Preis kaufen kann, wenn er bis dahin alle Bedingungen des Pacht-t Vertrages — die Rückzahlung der erhaltenen Kredite für Inventar usw. — erfüllt und 25 bis 50 •/♦ des Wertes das Landes eingezahlt hat. In diesem Fall erhält er für den Restwart des Landes auf neun Jahre eine Hypothek. Wenn der Kolonist - vor Ablauf dieser Zeit ia der Lage ist, das Land abzuzahlen, kann , er zwar das "'Geld bei der ICA deponieren, wird aber nicht vor AM auf der vertraglich vorgesehenen. Frist Eigentümer , des Landes, Der Grund dieser Bestimmung ist der, daß die ICA, mmpmm m . TJrr^T die dea Kolonisten das Land ,und evtl. Kredite zu . ganz besonders günstigen Bedingungen überläßt, verhindern will, dal sie das Feld' mit Vorteil verkaufen. Man nimmt an, daß nach Ablauf der Bewährungszeit von 17 Jahren die auf dem Landt herangewachsene Generation , bereits mit der Scholle verwui zeit ist Der Kolonist, der1 die Kolonie verläßt, kann, auch wenn er bereits Eigentümer des Bodens ist, an die ICA keinerlei Ansprüche stellen. Ist er noch nicht Eigentümer des Bodens^erliert er alle bereits erarbeiteten Rechte, und die ICA gebenenfalls ~eucb' auf gerichtlichem Wege die der noch an sie geschuldeten Beträge. Der Kolonist übernimmt die materielle und moralisch« Ver pflichtung, alle vorgestreckten Beträge zurückzuzahlen, soweit die Erträge seiner Wirtschaft ihm die* ermöglichen. Er muK sich darauf einstellen, als Bauer zu leben und seine Kindt zu Bauern zu erziehen. Soweit er die notige Disziplin im Rahmen der ICA einhält, ist er in der Gestaltung seines Lebens völlig frei. Die Ansiedlung ist streng individualistisch. Die ICA sorgt jedoch für die "Erhaltung jadischer Schulen, jüdischer Kultuseinrichtungen, zu deren Kosten sämtliche Kolonisten beisteuern müssen, und bietet den orthodoxen Juden die Möglichkeit, vollkommen rituell zu leben. Zur Ansiedlung jüdischer Auswanderer aus Deutschland ist folgender Plan entworfen: . - Die Familien, die die ICA zur Ansiedlung in ihren Kolonien annimmt, werden in dar Kolonie A v i g d o r (Provinz Entre Rios) gruppenweise angesiedelt. Diese Kolonie ist am 32. Grad südlicher Breite gelegen, ihr Klima ist gesund und für Europäer gut erträglich. Die Gegend wird von Eisenbahnlinien durchzogen, die den Abtransport der landwirtschaftlichen Produkte ermöglichen Avigdor ist 21 km von dar Eisenbahnstation Bovril entfernt, 50 km von der Stadt La Pas, 160 km von der Provinzhauptstaclt Parana und 700 km von der Landeshauptstadt Buenos Aires. Jede Familie erhält 50, evtl, bis zu 75 Hektar Laad. Jede Siedlung ist umzäunt und besitzt folgende A n l a g e n: 1 Haus, bestehend aus 2 Zimmern und Küche, .mit notwendigster Einrichtung (1 Tisch, 4 Stühle, 4 Betten, 1 Schrank, . 1 Herd und etwas Küchengeschirr), eine offene Scheune, einen Hühner stall, ein Klosett und eine Duschvorrichtung. Ein Brunnen wird immer gemeinsam für 2- oder 4 Siedlungen angelegt. An lebendem Inventar werden jeder Siedlungsfanalie übergeben:' Kühe, Pferde, Hühner. Eine Zuchtstation ist für die Verbesserung des. Viehbestandes vorgesehen, Das Vieh' wird dem Siedler entsprechend der Entwicklung seiner Siedlung zugeteilt. An Maschinen und Geräten erhält jede Siedlungsfamilie: 1 Wagen, l Pflug, 1 Egge, Milcheimer, Schaufeln, ' Hacke usw. Außerdem sind zur gemeinsamen und abwechselnden Benutzung folgende Maschinen vorgesehen: Sämaschine, Stachelwalze, Dreschmaschine, Erntemaschinen usw. Im ersten Jahre wird dein Siedler Saatgut übergeben, und zwar: Mais, Weizen, Hafer und Leinsaat. Außerdem erhält er noch Mais zur Verpflegung seiner Hühner bis zur,ersten Ernte. Während des erste« Jahres werden die Siedler durch eigene landwirtschaftliche Lehrer, die sich in der Kolonie aufhalten, angeleitet und unterrichtet. ' Falls das Ertragnis deä ersten Jahres aus irgendeinem Grunde nicht genügen sollte, um den. Lebensunterhalt der Siedlerfamilie txt sichern, können ihr auf". Wunsch Arbeite« übertragen werden, durch deren Bezahlung sie ihre Ein» nahmen erhöhen kann. Ia dar zweiten landwirtschaftlichen Jahresperiode .hat der Siedler schon Erträge aus der Feldwirtschaft, die ihm somit ein normales Auskommen sichert. Aber auch im zweiten Jahre werden dem Siedler im Bedarfsfalle noch Aushilfsarbeiten gegen Entgelt übertragen. Die dritte landwirtschaftliche Jahresperiode muit. normalerweise, nicht um1 den Unterhalt dea Siedlers hinreichend decken,, sondern such noch genügend Ertrag abwerfen, um «ine« Teil seiner Schulden abzuzahlen, die er infolge seiner Ansiedlung aufgenommen hat. Das Kolonisationswerk der ICA gibt somit jedem Kolonisten die Möglichkeit, «icb von Anfang an unte gesunden, wenn auch primitives Verhältnissen seine Lebensunterhalt zu erwerben und durch Erträgnisse seine Arbeit seine Lebenshaltung allmählich zu verbessern. (Die weiteren Einzelheiten der IC A-Ansiedlung Bin jeweils durch den Hilfsverein and seine Auswanderet berater im Reich tu erfahren.) , .">»' V .. K ■ ' ". Vtlt Briefe aus Argentinien Der weitaus grüßte Teil deV Einwanderer aus Deutscl Jand ist bisher im Landungshafen Buenos Aires «üi eben und hat dort, meist mit Unterstützung des Hilf deutschsprechender Juden, Stellung oder ein * d bjfeben 1p J^L. 2JL_ r->