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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 12

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Wohnort«» im beiondtrn erkundigen müssen, denn nicht nur Riesenlander wie Brasilien, sondern auch schon Staaten wie Peru oder Ecuador sind meistens zu ausgedehnt, als daß von einem einheitlichen Klima gesprochen warden konnte. Haben wir uns über das Klima unterrichtet, dann können wir uns Fragen zuwenden wie: Welche Kleidung «nd welche Möbel sind mitzunehmen? Dabei wird besonders zu berücksichtigen sein, ob man in eine landwirtschaftliche Siedlung oder in eine Stadt zieht Im ersten Falle wird alles 'derber, einlacher, auf größere Beanspruchung berechnet auszuwählen sein. Da die Frau ha landwirtschaftlichen Betriebe wohl immer wird mitarbeiten müssen (auf die in solchem Falle auch für sie notwendige fachliche Ausbildung in Geflügelzucht, Viehversorgung, Milchwirtschaft, Gemüsebau kann hier nicht eingegangen werden), wird sie nicht nur die Kleidung der anderen Fa- . milienmitglieder, sondern auch die eigene entsprechend einzurichten haben. Bei einem Leben auf dem Lande muß mit der Schwierigkeit jeder Ersatzbese,haff u n g besonders gerechnet werden-.- Daher denke man an kraftiges Schuhwerk, haltbare Arbeitskleidung für warmes und für kaltes Wetter, Ledermantel oder Lederjacke für Regenzeiten usw. Das gleiche gilt sinngemäß für die Möbel: kräftig, einfach, sehr zweckentsprechend, da in den Siedlungen zunächst nur sehr wenig Raum zur Verfügung steht. Kombinierbare Möbel sind zu ■ bevorzugen. 1--Im übrigen wird die Qualität und die 'Zahl der für die Mitnahme zn bestimmenden Gegenstände wesentlich von den für Neuanschaffungen zur Verfügung stehenden Mitteln, sowie den für die Reise und Einwanderung geltenden Zoll' und Gewiehtsbeachränkungen abhängig sein. Man berücksichtige hierbei, daß die Gepäckbeförderung auf den) Wasserwege billig, zu Lande im allgemeinen Jeuer ist. ' Für die Verpackung kann man die »Midien Koffer, wenn man in Gegenden ' mit - feuchtwarmem Klima kommt, zweck - mäßigerweise auch Blechkisten benutzen. Es gibt auch Tropenkoffer mit BlecheinsaU, die-auch für später, ihren Wert behalten. Waschesäcke für die Betten sind sehr hfsaehfrar,. Für-die Schiff fahrt nehme m«n, wenn möglich, reichlich Wäjsmve mit. Andernfalls kann man allerdings . euch auf den meisten Schiffen waschen lassen. "» rv . , ■ ' . . .'-t t jr äÜ^aiAjVÄ?viV ^j^Lftf^i Allgemein ist die Mitnahme von k u n« t* e i d e n er Kleidung und Wüsche; unzweckmäßig, da dieses Material meistens dem Klima in Uebersee nicht standhält. In manchen Städten Südamerikas wird es allerdings -von der weiblichen Bevölkerung viel benutzt. Für Europäer ist es in heißerem Klima bis zur völligen Akklimatisation wegen seiner geringen Saugfähigkeit ungeeignet, da es Erkältungen begünstigt Leinen, reine Seide, ganz leichte Wolle, Macco und andere gute Baumwollstoffe werden allgemein empfohlen. Wehn möglich versorge man »ich mit einem oder zwei wollenen Bettlaken für gewisse Krankheiten. Damenpelze können verwendet Werden, dagegen sind Herrenpelze meistens fehl am Platze. -•o' - ■..•*.. — ., . . t. i Vor allem achte man darauf, daß alles, was man mitnimmt, soweit nötig, vorher gut ausgebessert ist, damit man sich nicht gleich anfangs mit den Kosten, beziehungsweise dem Zeitverlust von Reparaturen zu belasten braucht. Sehr brüchiges Schuhwerk, oft geflickte mürbe Wasche, fadenscheinige Kleider ersetzt man möglichst zuvor. Die in Uebersee vielfach von Eingeborenen, oft aber auch von Europäern betriebenen Waschereien, denen man, falls man keine Dienstboten hat, den größeren Teil der Reinigung ' der schmutzigen Wüsche wird anvertrauen müssen, behandeln sie in der Regel sorg- und achtlos. Auf die mitzunehmenden Möbel gehen wir im ein-, zelnen später ein. Hier sei nur bemerkt, daß schwere Holzmöbel, wie sie in vielen, Haushaltungen noch aus der Zeh um' die Jahrhundertwende vorhanden' sind, besser hier gelassen werden, da sie zuviel Platz und Gewicht in Anspruch. nehmen. Man wird »ich überhaupt besser' zunächst mit wenigem Mobiliar begnügen' und erst allmählich die Wohnungseinrichtung ergänzen. J* ' ' - Ander» mit dar Einrichtung für die Wirtschaft Hier wird man «narrt feststellen müssen, was man an entsprechenden Vorrichtungen ortsüblicherweise erwarten kann. In den meisten größeren Städten ist Wasserleitung, Kanalisation, Gas- und elektrischer' Anschluß vorhanden. In kleineren Orten und insbesondere in den Siedlungen fehlen diese Einrichtungen natürlich meistens noch ganz. Auch die Frage, oh Gas- oder Kohlenherd, Zentral- oder Ofenheizung vorhanden sind, ist wesentlich. Im allgemeinen wird es ratsam »ein, sich mit Wirtschaftsgerät möglichst umfassend auszustatten. Besonders wichtig ist der Besitz von Handwerkszeug, wie Hammer, Bohrer, Handsäge, Zangen, Schraubenzieher, Nägel verschiedenster Art Usw. Diese Gegenstände sind z. B. in Südamerika meistens teuer, schwer zu beschaffen und mangelhaft. Ebenso empfiehlt sich die Mitnahme von reichlichem Nähmaterial. Näh-, Wasch- und Schreibmaschine sind, wenn vorhanden, mitzunehmen. Ueberall ist zu berücksichtigen, daß man sich für den- Anfang möglichst nicht mit vermeidbaren Ausgaben belasten soll. Die Frage, ob und inwieweit man liebgewordene Bücher und Bilder mitnehmen kann, hängt vorzugsweise von dem aar Verfügung siehenden Gewicht und Platz für das Auswanderergepäck ab, aber auch von den Zollgesetzen des Einwanderungslande». Im übrigen sind die Meinungen geteilt Wir denken, man sollte einpacken, was man kenn, weil vielleicht das Einleben im fremden Lande erleichtert wird, wenn wenigstens auf geistigem Gebiete nicht alle Brücken gor Vergangenheit abgebrochen werden, sondern die Erinnerung an das, was ans teuer wer, lebendig erhalten bleibt Aber das wird individuell verschieden in beurteilen-sein und vom Alter, dem Bildungsgrade und -bedürfnis, £owie den -Erlebnissen des' Auswandernden abhängen. Medr«Frau, die auswandert, sollt« über gründliche Kenntnisse im Kochen verfügen. Eine Hausfrau muß unbedingt verstehen, schmackhafte und bekömmliche Kost für die Familie herzurichten, selbst wenn sie in der Lage su sein glaubt, .diese Arbeit im Auslände anderen überlassen zu können. Wer noch nicht kochen kann, sollte dies also vor der Auswanderung unter allen Umständen erlernen; Es sind in manchen jüdischen Gemeinden Kurse eingerichtet worden, deren Besuch allen denen anzuraten ist, die über die Mittel oder über die Zeit nicht verfügen, um sich einer längeren oder teureren Ausbildung zu unterziehen. , . Außerdem aber wird sich die* Frau über einige grundsätzliche Ernährungsfragen, die mit-dem Klima und den Gewohnheiten des Landes zusammenhängen, unterrichten müssen. Vor allem muß sie sich darüber im klaren sein, daß es Immer am billigsten und gesundheitlich in der Regel am zweckmäßigsten zu sein pflegt, wenn man die landesüblichen Speisen bevorzugt und insbesondere die Rohstoffe verwendet, die in) Lande wachsen. Esgibt in Südamerika eine große Menge von Früchten und Vegetabüien, die uns unbekannt, aber sehr schmackhaft, billig und gesund sind. Wo die Bevölkerung Reis und Bohnen ißt, sollte man sich nicht auf Kartoffeln festlegen usw. Ferner ist darauf zu achten, daß insbesondere, in heißeren Gegenden der Genuß von ungekochtem Wasser gefährlich, ist Kalter, dünner Tee mit etwa« Zitrone und Zucker, auch der in Südamerika allgotnyin getrunkene Mate, stellt ein sehr angenehmes, den Durst löschendes Getränk dar. In vielen Orten muß auch da» Wasser zum Waschen vor dem Gebrauch abgekocht werden./ Kaffee kann dagegen in warmem Klima stärker und in größerer Menge genossen werden, als die», in dem hiesigen Klima zuträglich sein würde. Für die Zusammenstellung der Mahlzeiten vermeide man .starken Fleisch, genoß. AI» Grundregel gelte eine mäßige Lebensweise. Wenn man der Hausfrau auch vorder Auswanderung hier nicht alle Einzelheiten, deren Kenntnis für die Gewl

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