Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492429-6348844-6349434--015-4920617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
t •. ■■' MtaM»«Wito« m Hausfrau und Auswanderung In Aufsätzen und Berichten Aber die Lage des Auswanderers liest man in der Regel nur wenig über die Aufgaben und die Situation, der die auswandernde Hauefrau und Mutter gegenüber steht Dabei hat die praktische Erfahrung es bestätigt, daß die Eingewöhnung und Verwurzelung der gesamten Familie in der neuen Umgebung wesentlich von der Frau — ihrer inneren Einstellung und ihrer Leistung — abhängt. Wahrend nun die selbständige, beruflich tätige, a%in reisende' Frau meistens beruflich gut vorbereitet ist, fax keinen beachtlichen wirtschaftlichen Apparat oder für mitreisende Familienangehörige zu sorgen hat, ist die Ehefrau und Mutter hu allgemeinen Von Anfang an nicht nur mit ihren eigenen Schwierigkeiten, sondern euch mtt den Sorgen und Kümmernissen der ganzen Familie belastet ' Der Mann kann und wird sich in erster Linie auf den zukünftigen Beruf einstellen und sich über die formfen Voraussetzungen der Aus- und Einwanderung, wie Paß-, Visum-, Devisen- und Einreisebestimmungen informieren, dagegen richten sich die Fragen der Frau auf den zukünftigen Haushalt, die tägliche Versorgung der Kinder, die soziale und wirtschaftliche Eingliederung' der Familie. Wehige Frauen aber werden «her die Mittel verfügen, um «ich die Bücher zu verschaffen, in denen sie —:" meistens zudem »ehr verstreut — die für ihren besonderen Fall notwendigen Informationen finden könnten. Außerdem fehlt naturgemäß den meisten die Zeit und auch die Uebung, sich in umfangreichere Literatur zu vertiefen. Dem Entschluß zur Auswanderung geht meistens ein solches Uebermsß an Sorgen, Aufregungen und notwendiger wirtschaftlicher Umstellung, voraus, daß Zeit und Kräfte schon mit der Erledigung der taglichen Pflichten aufs äußerste angespannt werden. Es ist "daher eine wichtige Aufgabe der Auswandererberatungsstelle, den Frauen die besonderen Schwierigkeiten, die ihrer harren, und die besondere Verantwortung, die ihnen auferlegt ist, stärker als bisher vor Augen zu führen. Im folgenden soll versucht werden, kurz auf die Verhältnisse und Aufgaben hinzuweisen, auf die die anawandernde Hausfrau vorbereitet werden muß,.. cljunit sie in der Lage ist, in fremder Umgebung die seelischen und wirtschaftlichen Funktionen zu erfüllen, die ihr Teil sind. Zunächst wird auch die Frau darauf bedacht sein müssen, die Landessprache so gründlich wie möglich schon hier zu erlernen. Dazu muß sie die Zeit aufbringen. Geht die Reise nach Brasilien, so muß sie Portugiesisch, geht sie in irgendeines der übrigen „lateinamerikanischen" Lander, so muß sie Spanisch ler- ... _". _f ' nen. Hierbei wird sie sich im Hinblick auf ihren Wirkungskreis bemühen müssen, besonders gründliche Kenntnisse über das Münzsystem, Maße und Gewichte, die häuslichen Gegenstände und die Verrichtungen des täglichen Lebens, die Lebensmittel usw. zu erwerben. Die Mitnahme eines kleinen Lexikons ist -auf alle. Falle zu empfehlen. Besonders intensiv muß die Schiffsreise zum Sprachstudium ausgenützt werden. — Schon bei einer Erholungsreise ins Ausland kann man beobachten, wie sehr «lies durch einige Kenntnis der' Landessprache erleichtert wird; um wieviel mehr gilt dies für die bedeutend schwierigeren Verhältnisse, unter denen der Einwanderer ein fremdes Land betritt! Ferner wird'die auswandernde Frau sich ,über die Landessitten unterrichten müssen. Sie muß wissen, welche Stellung die Frau in der öffentlichen Meinung des anderen Landes einnimmt, welche Haltung von ihr im Laden, auf dem Markte, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Hause und gegen Personal erwartet wird. Die Verhaltnisse von Mensch zu Mensch sind in Südamerika ganz, andere, als man sie in Europa gewöhnt ist. Von der Frau wird große Zurückhaltung und. Zurückgezogenheit erwartet (eine Frau, die auf sich halt, kann z. B. nicht allein ein öffentliches Lokal besuchen). Selbstverständlich gelten dies« Umgangsregeln auch für den Immigranten. Es ist von größter Bedeutung für die Frau selbst, wie auch für das wirtschaftliche Fortkommen und die soziale Stellung ihres Mannes, daß sie sich durch ein' der Landessitte entsprechendes ' Verhalten eingliedert und sich durch Zurückhaltung, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft Achtung und1 Freundschaft erwirbt ' .■■.■.' .»' ■ -Die Frage nach den klimatischen Verhältnissen ist maßgebend für die Gestaltung des taglichen Lebens. Temperaturen, Feuchtigkeitsgehalt der Luft, Luftdruckverhältnisse, Wechsel der Jahreszeiten bestimmen die Vegetation ebenso wie die Art der zur Ernährung —geeigneten Lebensmittel, ihre Haltbarkeit, die Art der Kleidung, die Bauart und Einrichtung der' Wohnung und die Hygiene des täglichen Lebens. Hierbei sei gleich vorausgeschickt, daß Schwerkranke für Südamerika kein Einreisevisum erhalten und überhaupt besser von einer. Auswanderung absehen. Herzkranke müssen auf die Uebersiedlung in Gegenden mit hoher Durchschnittstemperatur und ebenso auf Gegenden mit großer Höhenlage verzichten. Frauenleiden pflegen sich in tropischem oder subtropischem Klima eher zu verschlechtern. Immer wird man sich über das Klima des neuen Für Üb ersee die richtige Kleidung SPEZIAL-ANFERTIGUNG in Leisen und englischen Frescos sowie sämtliche in iVagc komm&nden Stoffe / Beste Ausführung Tb. Stein & Co. Fabrikation feinster Herrenklridung Berlin C 2, Post.tr. 7/8 Fernruf E2 1734 )l I