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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 43

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 43 (sequence 45)
Language
German
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Auskünften Ober die neuen Einwandertfntfsbcst immun gen für Brasilien ist folgendes — unverbindlich entnommen: . Abgesehen von der zahlenmäßigen Begrenzung der Einwanderung, der Quolisierung, lind die Emwanderungsbedingungen außerordentlich erschwert worden. Es wird jetzt kern Unterschied in Rücksicht auf die benutzte Schiffsklasse gemacht, auch nicht für die erste Klasse. Als Einwanderer gelten diejenigen, die linger als 30 Tage bleiben, in der Absicht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die bevorzugte Einwanderer-Kategorie bilden wieder- ' um Landwirte, die durch eine Staatsbehörde oder anerkannte Gesellschaften angefordert worden sind. Das Landungsdepot von drei conto de reis (1 conto de reis gleich 1000 Mürels) für Erwachsene und iwei conto de reis für Rinder bis zu zwölf Jahren wird von Nicht-Landwirten auch außer der Einreiseerlaubnis (Chamada) .verlangt * „ . Die Verwandten in Brasilien, die Chatnadas ausstellen lassen, sollen sich verpflichten, Arbeit für den Immigranten tu finden ' oder ihn fünf Jahre zu unterhalten; und es sollen zunächst Verwandte ersten Grades; für die' Einreise in Frage kommen, wie Eltern, Kinder, Bruder und Schwester, ledig oder verheiratet. Landwirte nehmen bei Berufung von Personen nach Brasilien eine Vorzugsstellung'ein. Sie können Verwandte und Nicht-Verwandte nach Abgabe bestimmter Erklärungen .kommen lassen. Ferner sollen noch Personen zugelassen werden, die niemanden ■ haben, der sie anfordest, wenn sie*-den Besitz von Kapital j und dessen nützlicher Verwendung für das Land nachweisen können. Das Landungsdepot, das1in einem Schebk^uf eine; hr^slianische Bank auszustellen ist, soll erst drei Monale>aachi der, Ankunft auf Grund besonderer Ermächtigung durch\die Polizeibehörde wieder ausgezahlt werden, wenn wirtschaftliche Unabhängigkeit des Immigranten, Einkommen oder Arbeit, Wehnort, gute Führung usw. nachgewiesen und. > Die bisher-erteilten Visa behalten nach Auskunft des Konsulats ihre Gültigkeit *-",.* .'•■'.. Aus dem Bundschreiben einer -Schiffsgesellschaft sei noch folgendes angeführt: - 'Touristen, Geschäftsreisende, Besuchsreisende usw. erhalten das Visum, wenn sie sich durch «ine Hin- und Rückfahrkarte ausweisen und außerdem durch glaubwürdige Dokumente den einwandfreien Nachweis führen können, daß sie'tatsächlich zu dem angegebenen Zweck nach Brasilien reisen wollen und sich, dort - selbst nicht länger als 90 Taga aufzuhalten «beabsichtigen. Geschäftsreisende müssen sich durch schriftliche Erklärungen eiderfür sie zuständigen Handelskammer ausweisen. Auf Antrag bei einer brasilianischen Polizeibehörde kann "der Aufenthalt um weitere 90 Tage,-also insgesamt auf 6 Monate verlängert werden. Geistliche, sind von der Beibringung einer besonderen Einreisegenehmigung und Gestellung eines Landungsdepots befreit, sofern sie den Nachweis erbringen, daß sie einer in Brasilien anerkannten Religionsgemeinschaft oder einem Orden angehören und - im-Auftrage derselben in Brasilien tätig sind. » » ' ' v "'T^.: ■ ';'".■•'■ ', '■•'*•' .' ' •' ■ ■ £*.'?: J.--*'-'-'; Brasiliens Außenschulden Nach einer Arbeit des brasilianischen .Wirtschaftlers V. Bouhetrug die. Außenschuld Brasiliens 1890 32,6 Mill. £, 1932. igegen 229,8 MÛT. ï. 1890 erforderte der ZinMUdleiut dieser Schuld 1,6 Mill. £, 1932 aber 20,4 Mill. Ü. Wie stark der Zinsendienst heute auf der gesamten Finanzgebarung Brasiliens lastet, ergibt sich aus einem Vergleich der damaligen und der heutigen Einnahmen:! 1890 betrugen die Einnahmen des Bundes, der Staaten und Munizipien 213 Mill. £, so daß nur 7,5 o/o für den äußeren Schuldendienst erforderlich waren. Seitdem sind die Gesamteinnahmen auf 85,7 Mill. £ gestiegen, deren Zinsenand Amorlisationsdieitst 20,4 Mill. £ beansprucht, d. h. 23,9 <Vo der Gesamteinnahmen. Zu dieser Entwicklung hat in erster Linie die unbeschränkte Geldaufnahme der Staaten und Munizipien beigetragen. Einer Vermehrung ■ der Bundesschulden um das Viereinhalbfache stand eine 44fache der Staaten und eine 37facUf\der Munizipien gegenüber. Im Jahre 1932 hätten" die Staaten im Durchschnitt 27 ihrer Gesamteinnahmen, die Munizipien 21,4 "/o und der Bund 22,5«/» für den Zinsen- und Amortisationsdienst aufzuwenden gehabt, Was sich iti der .Praxis durch das Zusammentreffen der verschiedenen ungünstigen Wirtschaftsfaktoren als unmögliche . erwies.1 , ' -rj'-i In dem' Bestreben* die notleidende Landwirtschaft ,zuj stützen, hat die brasiïianjsche Regierung die gesamten Schuldverpflichtungen derselben um 50 */o vermindert, soweit es sich um Hypotheken oder wechselmäßig gesicherte Bankkredite handelt, die vor dem 30.' Juni 1933 aufgenommen bzw. erteilt worden sind. Zur-Entschädigung werden den Gläubigern i> ".'usy. Schuldverschreibungen der Bundesregierung* übergeben, die innerhalb von ßb Jahren zahlbar sind. Auslandskredite fallen nicht unter diese Maßnahme. "_ Einfuhrverbot für Maschinen Dtis am 7. März erlassene, dreijährige Verbot der Einfuhr von Maschinen für die im Lande schon bestehenden und mit Oberproduktion arbeitenden Industriezweige ist bis zum 31. März 193T verlängert worden. Oberproduktion besteht nach dem betr. Dekret'in folgenden Industriezweigen : Text il-. Muta. Schuh-, Zucker-, Papier-- und Zündholzindustrie. Als Textilmaschinen, die unter die Beschränkung fallen, gelten Maschinen zum Spinnen and Weben von Baumwolle, zum Weben von Jute, Wolle und Seide. Zulässig, ist für diese Industriezweige nur die Einfahr von Maschinen, Geräten oder Instrumenten in den nachstehenden Fällen: wenn das zu ersetzende Material für den Betrieb ungeeignet oder beschädigt ist, oder wenn durch das Material, für das die Einfuhrerlaubnis nachgesucht wird, die Güte der hergestellten Waren verbessert, nient aber die Pro-/ duktionsmenge erhöht werden soll. Die Einfjihrerlaubnis' wireP < h Ii i erteilt, wenn "das ersetzte Material unbrauchbar gemacht oder unter amtlichem Verschluß aufbewahrt wird. Die Ein- ' fuhr darf nur mît. vorheriger Erlaubnis des Ministeriums für Aj-beit, Industrie" und Handel erfolgen. (Aus einem Bericht des Deutsch-Brasilianischen Handelsverbandes, Januar 1934.) In den nachfolgenden Publikationen der Reichsstelle für das Auswanderungswesen vom'Januar über Erwerbsmöglichkeiten und Lebens- und Lohn Verhältnisse sind wertvolle Informationen ge- : "~; . : ■.....■< ■ »v.f •; **••>■. K".^.' £! .. Î -1 -^-^r ' S c Ii l e c h t e Er w e r b s mö gl i c h k e i t e n i n verschiedenen Berufen Die' führenden deutschen Firmen in Brasilien werden von deutschen Arbeitslosen aller Berufe üb,erlau<en und können nur in'den seltensten Fällen etwas tun. Auf Anstellungsverträge , von Deutschland läßt sich bei dem Oberangebot am Platze zurzeit überhaupt niemand «kl. r «. Für Ingenieure besteht in Brasilien kaum Aussicht auf Anstellung, dabereits: mit den brasilianischen Verhältnissen gut vertraute Ingenieure beschäftigungslos sind. Die Aussichten im F rise urge werbe sind augenblicklich sehr ungünstig, da sich in letzter Zeit eine Menge Friseurgeschäfte aufgetan haben. Auch sind die' Preise in,diesem Fach sehr zurückgegangen. S '\ Wie von sachkundiger Seite aus Sao Paulo mitgeteilt wird, ist der Anbau von Gewürzkräutern und Heilpflanzen in der Nähe der Stadt in größerem Maße bisher nicht bekannt. Auskünfte von Fachleuten sind kaum zu erhalten. Der Gewährsmann hat selbst mehrere Jahre Anbauversuche, im- Meinen - gemacht und nur wenig Erfolg zu verzeichnen. Für Weinbau and Geflügelsucht (auch Wassergeflügel) gibt es in der weiteren Umgebung der Stadt geeignete" T Boden ist allerdings -in und um Sao Paulo bekanntlich arm, und düngen ist gleich von Anfang an erforderlich. In der nächsten Umgebung von Sao'• Paolo schwanken die Landpreise zwischen 3—6 Milreis (1 RM. — 5 Milreis) für den 'Quadratmeter. -Bei Entfernungen zur Stadt von mehr als lA-iim, «Kn «iip>» nnr\t uiglirli» Vprb'n^nj^.«" zur Stadt ermöglichen, . ist du Land wesentlich billiger; je nach Lag« una . Bodenbeschaffenheit kostet die alqueire (1 idqu. =» 24 200 qm.) 1900 bis 3000 Milreis. / / / '-■ Die Geflügelsucht verspricht wenig Erfolg, weil in der näheren Umgebung bereits viele Züchter ansässig sind, die nur bei bescheidensten Lebensansprüchen ihr Dasein fristen. Uimu /kommt noch, daß ein Neueingewanderter mit den örtlichen Verhältnissen nicht vertraut ist und mehrere Jahre benötigen, wurde, um Erfahrungen für ein derartiges Unternehmen »u sammeln. S*?* TNäch Auskunft von 'Fachleuten ( kann einem deutschen t a n d m e s s* r irar abgeraten werden, nach Brasilien auszuwandern. {Ganz abgesehendavon, daß er kaum eine Beschäftigungsmöglichkeit finden würde, ist die Landvcrmessung für . < v. >" U>&

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