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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 17

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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vrT# . >• I •* . > - ' . , ' * l *(l * » Die Verdienstmöglichkeiten für Deutsche in tier Türkei wer- Durchführung de» B e r üf ss p e r r ge sc t tt's den aber nicht nur durch die erwähnte Beruf«sperre stark be- ' fur Ausländer einträchtigt. Die Türkei .hat, ebenso wie andere Lander, unter .der gegenwärtigen Wirtschaftskrise schwer zu leiden. "Auch dort ist ein Abbau ron Arbeitskräften in -bedeutendem Maße erfolgt, so daß bereits seit geraumer Zeit* an Ort und Stelle ein Überangebot an Arbeitskräften aller Art-und aller'Berufe herrscht. Selbst qualifizierte Kräfte, die sowohl über erstklassige Fach- und Sprachkenntnisse verfugen, wie auch Erfahrung mit Land und Leuten haben, sind arbeitslos oder in untergeordneten Stellungen i bei mangelhafter' Bezahlung tätig. Das Berufssperrgesetz trägt bezel, der Anstellung von Ausländern Unsicherheit in die Arbeitgeberkreise, weil es jederzeit auch auf bisher noch nicht gesperrte Berufe ausgedehnt werden' kann. Eine weitere Behinderung erfährt der freie Wettbewerb für ausländische Arbeitskräfte durch., das sogenannte Industrie-FörderunxsgeseU.. Danach sollen alle Unternehmungen in der Türkei, die irgendwelche Begünstigungen seitens des türkiseben Staates" in Anspruch ' nehmen (und das sind fast alle nennenswerten Betriebe) in der Regel ausschließlich türkische Staatsangehörige anstellen. Fachleute mit Spezialkenntnissen haben aber auch heute eine gewisse Möglichkeit, in der Türkei Stellung iu finden. Sie wer-' den tum Teil von türkischen Regierungsstellen, aber auch, nach Einholung der meistens erforderlichen Genehmigung der Regierung, von privater Seite durch regelrechte Vertrage angestellt. _;.___ Bei vorliegendem Stellenangebot lassen zahlreiche Erfahrungen es angebracht .erscheinen, zunächst Erkundigungen über den Arbeitgeber einzuziehen. Es ist weiter ratsam, die Stellung nur auf Grund eines schriftlichen Vertrages anzutreten, der von einem Notar in der Türkei beglaubigt sein muß, um Rechtsgültigkeit zu erlangen.—' Die Ausländer, die die oben angegebenen' Handwerke AUe gegenseitigen Rechte und Pflichten sollten genauestens fest- Berufe ausüben, müssen ihre Arbeit zu den erwähnten» I ,w )ie ausländischen Untertanen, die die jrh Gesetz unter Nr. 2007 angeführten Handwerk« und Berufe ausüben, müssen ihre Arbeit vom 21. Mai 1934 an einstellen, und zwar in folgender. Bei hen folge : \ , 1. Vom 2!. Mai tWl" bis 21. Juli 1934: Die Chauffeure und ihre Gehilfen, die Friseure, die Hersteller von Mützen, Kleidung ss tue ken und 8chuhen, die Dolmetscher und Fremden'- führer, die^Börsenmakler, die Musiker. > 2. Vom 21. Juli 1934 bis 21. September! 1934: Nichtspezialisierie Arbeiter im allgemeinen (vgl. Nr. 6). 3. Vom 21. September 1934 bis zum 21. November 1934: die Wächter und Pförtner in Anstalten, Geschäftshäusern, Wohnhäusern, Hotels unid Geschäftsbüros. Die männlichen und »eil.- . liehen Bedienten in den Bars, Tanzsälen, Kasinos, Kaffees,.Badeanstalten, Hotels und Wohnhäusern. Die Straßenverkäufer. 4. Vom 21. November 1931 bis zum 21. Januar 1935: Die Photographen, die Buchdrucker und die Personen, die m Verlade- und Abladegeschäften zu Lande tätig sind."" 5. Vom 21. Januar 1935 bis zum 21. März 1935: Die Verkäufer von ■ Monopolerzeugnissen des Staats, die Künstler und Sänger in Cafés,- die provisorischen oder ständigen Arbeiter in Betriahep für Heizung, allgemeine Verkehrsmittel, Beleuchtung «nd Wasserlieferung. Die .Tierärzte, und Chemiker. j 6. Vom 21. März 1935 bis zum 21. Mai 1935: Die Boten, die Bau-, Eisen- und Holzgewerbearbeiter,-sowie die Flugzeug- -mechaniker, die Flugzeugführer und die Ausländer, die in Anstalten des Staates, der Wilajets und der Gemeindebezirke arbeilen, für die keine Spezulentscheidung getroffen worden ist < gegenseitigen gelegt -werden. ,'. Dabei muß auch die Eigenart und Lebensweise der Orients stete in Rechnung gestellt werden. Z. B. ist die Stellung weiblicher Angestellter m alten türkischen Familien' trotz neuzeitlicher Gesetzgebung Häufig-noch eine stark abhängige und in ' bezug auf die . persönliche Freiheit eingeengt. Eine, soziale Ger setzgeburig besteht in der Türkei noch nicht Auch gibt es keine Arbeitsgerichte. Sondergerichte für Ausländer sind in der Türkei durch Beseitigung der Kapitulation aufgehoben. i ■ '. '; Dû Kl; ma ist in Istanbul, gesund, mit ziemlich heißem ' Sommer und kurzem, meist regenreichem, aber nicht strengem Winter. Im Innern.'des- Landes ist der Sommer heißer und in der Regel sehr trocken, der .Winter häufig sehr.streng. Einzelne Teile'des Landes sind fieberverseucht. (Malaria) und in- * folge schlechter Trinkwasserverhältnisse auch' sonst für die Gesundheit gefährlich.. . . ' . y * Die Währung, das türkische Pfund (Ltq.), ist seit Jahren . stabil, es gilt zurzeit etwa.2 RM. Die Kaufkraft des Pfundes entspricht hinsichtlich einheimischer Erzeugnisse dem Kurswerte, "v~ doch kann sie hinsichtlich aller aus dem Auslande eingeführten Waren nur mit etwa 1 :1,2 angesetzt werden. *'.,•»"■* / ■* ' ' * Die Lebenshaltungskosten in Istanbul betragen bei bescheidenen Ansprüchen für eine Person nicht weniger als . 2 Ltqs. je Tag, f&r eine Familie von zwei Erwachsenen und zwei Kindern bei bescheidenen 'Ansprüchen 5 Ltqs. je Tag. Alle Lebensmittel, 'soweit es sich um Landeserzeugnisse handelt, sind billig, jegliche Kleidung ist dagegen verhältnismäßig teuer.-Teuer sind auch Wohnungen tri den Städten, sowie alle Luxusgegenstande. In. der Hauptstadt des Landes, Ankara, sind die Lebenshaltungskosten für. europäische Haushaltungen etwa 30 o/o höher, Wohnungen, und Hotelunterkunft etwa 40 °/o . höher als in Istanbul. *j ein stell en. Der Iiineninini.-tei wird durch ein Zirkular angeben) wie diese Anordnung durchgeführt werden sqH, Uns ist ein Brief aus Istanbul vom Juni übermittelt worden, aus dem' hervorgeht. wie außerordentlich schwjerig die Arbeits-. Verhältnisse Jür- Ausländer daselbst sind: ' « ' Ich war mil meiner Familie,, memer Frau, rwej Söhhen-+on 21 und 23 Jahren und einer 15jährigen Tochter bis .mm Oktober v. J.- in - - Deutschland, und! zwar in München alt Teppichstopfer ansässig. Seitdem "wir hier angekommen sind, konnten wir noch nicht eine Mark verdienen.. Weder ich noch meine beiden Sohne. Meine Branche,. Teppichstopfen, liegt 'hier auf dem Hund, o» gibt hier unzählige Teppichstopfer, welche alle ohne Verdienst sind. Irgendeine staatliche oder privat-soziale Einrichtung wie in 'Deutachland gibt es hier nicht. Selbst-die hiesige jüdische Gemeinde ■ kann nicht helfen. Die allgemeine wirtschaftliche Lage spottet einfach jeder' Beschreibung. Wir warnen eindringlichst alle jüdischen Emigranten davor, in die Türkei auszuwandern.* Mein Sohn Mois konnte bis heute keine Arbeit finden, trotz allergrößter Bemühungen, und er ist nunmehr, um seine Zeit nioht unnütz vergehen zu lassen, in eine Gummischuhfabrik eingetreten, und zwar als. Lehrling,- um wenigsten» ein Handwerk gründlich zu lernen, nachdem wir gesehen haben, daft <s trotz allergrößter Anstrengungen nicht möglich ist, eine Stellung zu bekommen. Gehalt bekommt er nicht einen Pfennig, -da hier Lehrlinge nichts bezahlt bekommen. Mein älterer Sohn Albert, -der dief Schah fabrikjlipn beherrscht und Facharbeiter ist, kann ebenfalls — trotz wie irrsinnigen Suchens —•• keine Arbeit 'finden, gleich welcher Art, weder als . kaufmännischer Angestellter noch ab Facharbeiter. Wir sind alle schon seelisch vollkommen krank und gebrochenr drei kräftige und' arbeitswillige - Arbeiter brotlos. Wir haben schon jeden Mut verloren und sind trostlos, da keine Aussicht auf Änderung unserer gegenwärtigen Lite, besteht Ei ist unbeschreiblich,. wenn man arbeiten will, um das trockene Brot tu verdienen und kann nicht. Schrecklich, ich weiß/ selbst nicht was aus uns' noch werden soll, >ich glaube, ich verliere den J Verstand. Wovon wir denn bis jetzt, gelebt haben? Wir hauseh in einer schrecklichen 1-Zimmerwohnung, die besser ein dumpfea Loch genannt rwerden kann und nach deutschem Gelde knapp 90 HM. Miel« kostet. Um dies« Miete zu bezahlen, haben wir teilt bu jetzt Stück um Stuck h Die Lohn- und Gehaltssitze unterliegen gerade zurunterer leUteo Hab« verkauft, teilt, um etwas mehr tu sesen zu haben, zeit wegen des Überangebots von Arbeitskräften außerordent- * «glücke verpftndel. die wir niemals mehr auslösen können. Nun lieh stehen Schwankungen. Es At daher schwer, allseitig gültige * ^1wlu*hch ""T,!",61?, ^tSE-T' *?iÄiTSj£ *T. e.. i» x j i_ . * j ts ii^i?« J? letzten Stucke, untere Bettstellen, haben wrr vor kurzem verkauft und Satze zu nennen. Zu bedenken ist auf jeden Fall, daß die „B,w„„ „..nJ.hr .iL. „„. r~l« ..uu^. Ii, Steuern'außerordentlich hoch sind; sie betragen schon bei mäßigem Einkommen 25 °/o. Amtliche deutsehe Vertretungen bestehen in der Türkei in: Ankara, Deutsche Botschaft; Izmir, Deutsches Konsulat; Istanbul, Deutsches Generalkonsulat; Trab son. Deutsches Konsulat I .:• •. vtvT,. : h - A .' /■ .-' ■k fim , * ., :. "*■■ . i * ... fct .* . &m ' tfsùfy. I ■ * » i,.1 ■ ■■ >■■ ■■ ' .? ' fö schufen nunmehr alle am Boden. Das elektrische Licht ist una schon seit etwa 14 Tagen abgeaperrt, da wir die Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Wir wejnen alle den ganzen Tag, und nunmehr mQtaeql vit_su alledem auch noch hungern, di. wir einfach nichts mehr haben und uns nichts mehr; su eaten kaufen können. Ein halbes Pfund | Brot muß für die gante Familie einen Tag reichen. Ach, warum m Osten jwü- 'so etwat rnitdurchnttohan, und noch dazu in einem ' unt. völlig fremden Laad«, in den wir niemtnd kennen. Wir schulden schon .drei Monate die v;2>> *\ V' ■ v> * J -1 t, .m >H £i l4feLW: •.. '§ §Ä & j:\ :> .ft". •i :.-.V4 ÎTÏÎ ' '^1. . a 1. ■ - ' i- ,. - i.'.w i ('■• i- ' i "t-"- ••: V. t * ilk -lt.. ^..U ..—T^^.M^.A;|). >.;.#!

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