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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 10

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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~~7jDas Chemie s t udi lim in Italien dauert 4 Jahre. Es gibt vier verschiedene Abteilungen: Industrielle, Organische, Anorganische und Pharmazeutische Chemie. Die 'geforderten Dokumente sind Ai*SDp*r* wie.beim Mediiinstudium : Geburtsschein, Abiturieugnis, sämtliche Universitätspapiere, {politisches] Unbedenklichkeitszeugnis vomzuständigen; italienischen Konsulat, polizeilicher Ausweis, daß die Eltern m Deutschland ansässig sind (für die Gebührenermäßigung)-. Abitur des Real- 'oder ' humanistischen Gymnasiums. > * Bezüglich der Aussichten: wenn ein Chemiker bereits im Ausland bestimmte Spezialitaten hatte, kann er im Hinblick auf diese Spezialisierung Chancen haben. Allgemein muß betont werden, daß auch die inländischen Chemiker mindestens ein Jahr im Durchschnitt 'warten müssen, bis sie eine Stelle finden. Sicher wird das1 für Ausländer auch trotz des Studiums in Italien hier besonders schwer sein, da die Regierung ja streng gegen die Anstellung von Ausländern vorgeht und nur noch m seltenen Ausnahmefällen die Arbeilsgenehmigung erteilt. , . . Das Studium beginnt Ende Oktober/Anfang, November.", "Auszug aus einem Schreiben vom. Juni. . %. ° _. , Die Ausübung des Berufs als Architekt ist nur dann gestattet, .wenn der Betreffende im Syndikat eingetragen ist; das. ist Auslandern aber nicht, oder nur nach vielen Jahren, möglich. In irgendeiner form sonst ab Zeichner Verwendung su finden, ist deshalb ausgeschlossen,-weil das Gesetz verbietet, daß - Ausländer eine Stelle besetzen. Dieses Verbot gilt auch für unbezahlte Volontärstellen. — Des ferneren geben wir Informationen bezüglich Möglichkeiten für Landwirte, die eigene Bewirtschaftung der Güter vorhaben, wieder. Die Preise fallen unausgesetzt. Es empfiehlt sich, für den Anfang nur Güter in Pacht tu nehmen. Erast natürlich notwendig, sich für die veränderte neue Lage erst eine Praxis anzueignen. ■ \ .< . Die Pacht ' für Güter-.in Oberitalien beginnt am 11. November jeden Jahres. Güter sind in reichlichem Maße vorhanden, besonders für die Kultur von Futter, Getreide und Viehzucht :g ■'.'.'. '* . '\ ' ■' •/; Z ' '■■ . . *'/'•• ''r\ ■ 2 ■ '• « -. '„.,', y. ' . ' ■ ♦ 3 .'•.*•"-. Jugoslawien; •' ,ft . Seh der Zeit, wo über die Lage .in Jugoslawien in unserem letzten -Korrespondenzblau vom Oktober ,1933 berichtet wurde, k*l sich die Situation für Einwanderer — wie es'auch in anderenv Landern der Fall, ist — sehr ^verschlechtert. Wir bringen nachstehend einen Bericht, den ein dortiges" Komitee Ende April erstattet hat. '. ' stenimöglich k ei t an . Ott) \ . Obwohl die jugoslawische Regierung anfangs geneigt war, eine gewisse Anzahl von jüdischen Emigranten aus Deutschland aufzunehmen und ihnen den-Aufbau einer neuen Existenz zu ermöglichen, hat sie infolge der Wirtschaftskrise und der zunehmenden Arbeitslosigkeit ihren Standpunkt geändert, Arbeitsbewilligu'ngen sind für Arzte, Advokaten, Ingenieure, und andere intellektuelle Berufe überhaupt nicht zu eehalten, da die Ausübung' dieser 'Berufe an die jugoslawische Staatsbürgerschaft gebunden ist Arbeiter können nur in ganz besonderen Fallen, als Facharbeiter, befristete Arbeilsgenehmigung erlangen. Die Zahl solcher ist aber verschwindend gering. Etwas leichter ist die Lage jener Einwanderer, die ein größeres Kapital in das Land bringen konnten. Protokollierung nimmt zwar auch in diesen Fällen lange Zeit in Anspruch' und stoßt auf Hindernisse, ist aber nicht aussichtslos, besonders wenn sich der betreffende Emigrant mit ejhem jugoslawischen Staatsbürger assoziiert und unter dessen Namen arbeitet. Nach den neuesten Mitteilungen des Handels- und' Industriell i inisteriums werden aber von nun an auch für Kapitalisten strengere Einschränkungen eingeführt. Für die Niederlassung in Jugoslawien sollen demuadi nur solche Emigranten in Betracht kommen, die über bedeutende Beträge verfügen, welche sie zur Hebung der jugoslawischen Wirtschaft verwenden. Das Ministerium will in erster Linie solchen Personen, die Einwanderungsbewilligung erteilen/ die jene Industriezweige entwickeln, die in Jugoslawien noch nicht oder bloß schwach vertreten sind Von. •diesen kommen vornehmlich in Betracht: Fabriken zur Erzeugung von Aluminium aus Bauxit, Eisenfabriken (Hochofenprozeß und Martinprozeß], Flachs- und; Leinenspinnereien,. Fabriken zur Erzeugung von Zellulose und Papier aus Holz und Kimstseîdenfabriken.'Unsere Arbeit stoßt auch auf andere Schwierigkeiten. Aufenthaltsbewilligungen wurden bis jetzt — außer für Staatenlose — ohne, besondere Hindernisse erteilt. Nun aber werden polnische Staatsbürger in größerer Zahl aus dem Lande ausgewiesen. ' Die,schmerzlichste Frage ist'allerdings die Frage der Staatenlosen, die nirgends eine Verlängerung ihre* -Passes erwirken können und wann dieser abläuft, alle' menschlichen ftechWJwt* lieren. 'V, y. ■ . >. .. ■ - ■..vwft.v - ../fWafKH&tjgs Statistische Angaben: tr1 Genaue Ziffern konnten nicht ermittelt werden, einerseits/ weil, die Provinz keine genaue Statistik führt, andererseits .weil viele Emigranten, besonders bemittelte, sieh, nicht bei dem Komitee gemeldet haben. In Jugoslawien wurden1 bis heute etwa 2000 Emigranten registriert, von denen die meisten das Land wieder' verlassen haben. Momentan leben in Jugoslawien ca. 400 Einwanderer, Von diesen haben ungefähr 90. — hauptsächlich in der Industrie', vor allem chemisch-pharmazeutischer, und Textilindustrie und im. Handel, dagegen in sehr geringer Anzahl 'als Arbeiter oder Privatangestellte und Sprachlehrer,, —" eine Existenz' gefunden. Zu Zwecken' der Berufsumschichtung bestehen in Jugoslawien Hächscharas auf dem Gute Golenic und Djürdjevac, Wo 47—90 Jünglinge in*der Landwirtschaft unterrichtet werden. In Zagreb wurde eine Handwerjcerjlachschara eingerichtet, wo. bisher 11, jetzt 6 Jünglinge in verschiedenen Gewerben aus- ' gebildet werden. In Beograd, Subotira und .einigen anderen Städten 'werden Immigranten, die sich, umzuschalten wünschen, zu einzelnen Meistern in die Lehre gegeben. Die Zahl derer, die sich umgeschaltet haben, bewegt sich zwischen 60—65. Da diese aber als fremde Staatsbürger selbst in diesen realen Berufen in den europäischen Ländern «nicht placiert werden können, haben die Hachscharas nur dann Sinn" und Zweck, wenn ihnen nach Beendung ihrer Ausbildung Palästina-Zertifikate ge- - sichert werden können. 1 " Lebens- und Lohn Verhältnis»^ in Zagreb Die nachstehend angeführten Preis- und Lohneitze — sämtlich in Dinaren angegeben —' wurden Ende Min 1934 in Zagreb aufgestellt. Der damalige Kurs betrug, 100 Dinare 5,66 KM. Die niedrigen Zahlen gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere. Ansprüche. '• * /'..'; Wohnung und V e rp f leg u n g: Unterkunft ohne Verpflegung im Gasthaus für eine Person täglich 30—50, mk Verpflegung 75—12Ü; ein - möbliertes Zimmer^ ohne Verpflegung monatlich 400—600, mit Verpflegung 1000—1500. Eine leere Wohnung; von zwei Zimmern kostet im Monat 1200—1400, von vier Zimmern 2000—2900, Wohnungen sind au haben. Es ist je Zimmer und Tag für Heizung zu rechnen 10—15 (100 kg deutsche Kohle 95, 100 kg einheimische Kohle, die stark schwefelhaltig und daher nur beschrankt verwendungsfällig-ist, 46—56. 100 kg Koks 85—100). . Mfia-^merragluAi Morgenkoel 4—10, Mittagessen 10—20. ■ Abendessen 8—20. Für Verpflegung allein sind monatlich zu .rechnen 700—1000. '• ' ti'l L~eb"ensmittel:'Es kostet je I kg Mehl 4—5, Brot 3,50 is 4,50, Butter 30—45, 1 kg landesübliches Fett oder Ol 12 He 14, 1 kg Schweine- oder Kalbfleisch mit" Knochen 13—16 Mnd ohne Knochen 17—20, Speck 15, 1 kg Hecht 15, Karpfen 20, Kabeljau 12, 1. Stück Sahbering 3—4, 1 Stück Bückling 9, 1 kg Zucker 17, Honig 16—22, Reis 10, Hülsenfrüchte 16, Nudeln 8, Kartoffeln 2, 1 Liter Milch 2/»—3,50, 1 Ei 1, 1 Liter Bier 11 ■< . 7 * Alle über die einfachsten bebensansprüche hinausgehenden Gegenstande des täglichen Bedarfs, wie Toiletteartikel, Medikamente, Bücher, Noten, Grammophonplatten, Genußmittel usw. vor allem solche Artikel, die nicht im Utlande erseugt werden, sind teuer. Der Verbratich in diesen Dingen ist daher bei den gleich gebliebenen oder — wie bei den Beamten — verringerten Einkünften stark zurückgegangen, so daß die ganze Lebenshaltung eine entsprechende Einschränkung erfahren hat. Besonders auffällig tritt dies im Theater- und Konzertbesuch sowie, bei sonstigen kulturellen Veranstaltungen in Erscheinung. Bekleidung: Es kostet ein Männeranzug 500—1500, ein •Mann'erhemd 60—120, ein Paar Männerstiefel 200—300, ein Frauenkleid 200—500.;

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