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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 6

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Nach den Vereinigten SUalen gingen im ganzen: 9909 Per- Überseeische Auswanderung im 1. Vierteljahr 1934 .1 Im 1. Vierteljahr 1934 wanderten 2474 deutsche > Reichsange - hörige nach Obersee ans, das sind 322 oder 15 v. H. mehr als in der gleichen Zeit des Vor jähre»-und doppelt so viel wie im 1." Vierteljahr 1932. Im Laufe der teilten 12 Monate {vom 1. April 1933 bis 31. Man 1934) hat die überseeische Auswanderung Deutscher (43188) gegenüber den 12 vorhergegangenen Monaten (11 263) tun 17 v. H. zugenommen. ■ ■ t * Finnland Es wurde uns mitgeteilt, daß Arbeitsbewilligungen nicht erteilt werden, und daß man in Finnland ohne Kenntnis des Finnischen und Schwedischen kaum auskommen kann. ' Zur Unterbringung von Pharmazeuten gebe es auch keine Möglichkeit. Die ausländischen Studien werden nicht angerechnet, und es würden-sprachliche Schwierigkeiten entstehen, da man die Prüfung im Finnischen ablegen muß. ° ■ -■- "; 4 "• »" '..' ,! likfich französische Fr* Das französische Hilfscomite hat sich nach Mitteilungen, die.wir erhalten haben, gezwungen gesehen, seine Hilfstätigkeit einzustellen und befindet sich in Liquidation; es erklärte, Neuankömmlinge, in keiner Weise berücksichtigen zu können. Statistischen Publikationen, für deren Übermittlung wir tier Deutschen Handelskammer in Paris verbunden sind, entnehmen wir die nachstehenden Angaben über Lebenshaltungskosten (Durchschnittskoaten für das Jahr 1933), speziell für Ernährung einer Handwerberfamilie mit 4 Kindern. Die' Kosten variieren sehr nach den Gegenden. Bei Zugrundelegung der Kosten von 1914 100 belaufen sich die Ausgaben in Paru und in Provinzsfädten wie folgt: »*'..' , » Index der Au%gaben.einer Hand werker familie ., von 4 Personen im Jahre- 1933 —• -.--V - ( Budget-Tj pen veränderlich nach den- Gegenden) Pari« ullgem. Index: Nahrung: ' (dreimonatlicher Durchschnitt) 520 . 538' Dijon v 543 567 . Marseille 615 - «28 Bordeaux . . 549 549 Die freie Ausübung der Tierheilkunde ist in Frankreich durch gesetzliche Bestimmungen, die die Behandlung an- - steckender Krankheiten bei Tieren" regeln, eingeschränkt. Eine derartige Behandlung ist den Inhabern eines Diploms, das >ou einer französischen -Tierarzneischule ausgestellt ist, vorbehalten. Dies Diplom kann aber nur' von französischen Staatsangehörigen erworben »erden.- Sic müssen hierzu nach der Abschlußprüfung - einer höheren Lehranstalt (Abiturientenexamen) die Aufnahmeprüfungen für die Tifrarmgreehirfgjtjj) Erfolg ablegen und dann auf der genannten Schule eine Ausbildungszeit (stage) von mindestens,einem Jahr durchmachen. '• S i ed 1 un gsmöglich ke i ten in Sidf rankreich , Aus einem Bericht über eine Informationsreise'in Frankreich zur Besichtigung landwirtschaftlicher Betriebe, den uns der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau zur Verlu"gTing—gesfellt'Wal, geben wit. folgendes wieder: '; .'...Es muß allen Auswanderern bei Beteiligungsangeboten oder Geschäftsgründungen zu - allergrößter Vorsicht geraten, werden. f* ßi.: ,jt ■ ' ">»;' ——' '. :.. Air bis te Lösung kommt wenigstens für Westeuropa Unterbringung der Auswanderer in der Landwirtschaft in". Frage. Zum Teil wird dieser Weg aueh schon von den großen. Hills-" komitees beschritten,, 'die mittellose Jugendliche als Arbeiter in diemulfra^zÖMsche Landwirtschaft schicken,u*o ein starker. . MangefCaiw-Arbcfokr&ften besteht, '. * - Auch meine* Bemühungen, in Belgien1 imd \Frankreich als Ingenieur in meinem Beruf unterzukommen," sind trotz größter Anstrengung und weitgehender Unterstützung seitens der /u stindigen Komitees infolge der verschärften ■"WirtschafUkrisi ■WT^ff 1 "iß *:■:■ "} m jM ____Von der zuständigen Stelle wurde erklärt, daß einer landwirtschaftlichen Betätigung nicht nur nicht« im/Wege stehe,, sondern daß man eine solche in gewissen Gegenden Frankreichs sogar sehr gerne sehe. ' An Hand der eingezogenen Erkundigungen hat sich heraus— gestellt, daß der Südwesten Frankreichs, das sogenannte aquitanische Bassin, sich sehr gut zur Ansiedlung eignet. Diese Gegend umfaßt die Stromgebiete der Garonne und ihrer Nebenflüsse Lot, Tarn usw. Die ganze Region) laßt sich vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus in drei Teile zerlegen:. N 1. Die Täler der Garomaa und ihrer. Nebenflüsse. 2. Das zweite Gebiet ist die Gegend der Hügel und llügjjanhinge, die sich, an die Flußtaler anschließen. 3. Das dritte Gebiet, djas fast nur ans Heide und Nadelholz besteht, kommt für die Ansiedlung nicht in Frage. * Zum Ankauf und als Betriebskapital dürfte je nach den Ansprüchen des Käufers eine Min des t s a m m e von 8000 bis 10000 M. erforderlich sein. Im Durchschnitt hat man nach Einkalkulierung von entsprechenden Reserven eine Summe von etwa 12—16 000 M. nötig. Selbstverständlich kann der Verwöhnt« auch Besitzungen Kaufen, deren Kaufpreis bis zu 40000 Reichsmark beträgt. Meine Informationsreise hat sich vor allem auf die Departements Lot - et - Garonne .und Tarn - et - Garonne erstreckt, die mir für die Zwecke einer Ansiedlung besonders empfohlen wurden. Diese Departements liegen ungefähr im Zentrum der aquitanisehen Ebene und. sind sowohl von Toulouse wie von Bordeaux, den beiden Hauptstädten des Südwestens Frankreichs, gleich weit entfernt. Diese Entfernung beträgt zirka 110 km, die* Entfernung vonj^Paris ungefähr 600 km. Die nächsten jüdischen Gemeinden befinden sich in Bordeaux und Toulouse. .....Oberhaupt habe ich im Laufe der Besichtigung festgestellt, daß aux Wohngelegenheiten sehr wenig Wert gelegt wird,. und daher viele Güter" große Reparaturkosten erfordern, um die-Hauser in einen den deutschen Verhältnissen annähernd .entsprechenden Zustand zu bringen. ■ „•' .";•» .■,, In der Umgebung von Villeneuve besichtigte : ich eine große Anzahl Güter und ich habe "den Eindruck gewonnen, daß diese Gegend für einesolche Ansiedlung besonders geeignet ist. Die - Preise der besichtigten Güter schwanken zwischen . 40000 und 100 000 Franken, je nach Lage, Größe und Boden- " qualitàt,. jedoch kann man rechnen, daß man für' 50 000 bis 60000 Franken ein schönes Besitztum, das eine 4—5köpfigc F am M je ernährt, erwerben kann. Für perfekte' Landwirte, die nicht über ein solche« Kapital verfügen, ist die-Möglichkeit gegeben, «ich durch Pacht eines Gutes eine Existenzmoglichkeil - tn schaffen. Die Pachtsummen sind nicht sehr hoch. und. anscheinend so beredinet, daß sich für den Besitzer eine 5—6»feige Verzinsung des Werte« seines Besitztums -ergibt. Es werden für ein Gut von 10—15 ha Pachtsummen von 2000—3000 Franken im Jahro ■ verlangt. Der Pächter stellt in der dortigen Gegend meist das lebende Inventar (also alles Vieh), während das tote Inventar, soweit vorhanden/ vom Besitzer überlassen wird. Der Absatz 'aller erzeugten Produkte darf als gesichert gelten. .... Der Herbst und Frühling sind angenehm. Der Sommer ist durchweg-heiß, der meist (curse. Winter bringt oft wahrend ' einiger; Tage ziemliche Temperaturstürze, ist aber sonstim Gegensatz zu Deutschland .sehr milde. " . •■ . - -■ . "y \m...... Le Renou.r*au . ,r Die Gesellschaft „Le Renouveau" (Association pour les intérêts agricoles iaraélites), Silt Paru IX, Rue Chauehat 30, hat den Zweck, auf dar Basis der Gemeinnützigkeit jüdische Menschen auf landwirtschaftliche und gärtnerische Berufe «artuhereilen und ihre Seßhaftmarhung ' ni fordern. Die Tätigkeit des Renouveau beschränkt sieh weder hinsichtlich des Schulungswerkes noch der Förderung der Ansiedlung auf Frankreich. Der Verein Le Renouveau ist völlig unpolitisch. « . ' -—Mit dam Erwerb des Schlott gut« -Bora d'Agenatt hat Le Renouveau •eia Ziel, -die Benrfsumschichtung jüdischer Menschen, zur Land- und Gartenwirtschaft, tu verwirklichen begonnen. Das Gut liegt im sQdfraiuösischen Departement Lot-et-Garonne iwischen Bergerar. und Villeneuve, ca. 4' km von dur KantonhaupttUdt ViUereal und oa. 300 m vom Dorfe Bora entfernt. Im Urnkreis von 10—40 km liegt-eine Anzahl mittalgrolJer Städte fahr til. 26O00 Einwohnern, ds runter A gen, die Hauptstadt des Departements. In Villeo/ure »»finden sich höhere Schulen für Knaben und Mädchen, in ViUereal Volksschule und Krankenhaus. Touloaso und Bordeaux liegen j 100—120 kos entfernt. . - Dia klimatischen Verhältnisse sind günstig. Das Frühjahr beginnt meist schon Ende Februar, die Fruchtnrifi liegV ungefähr vier Wochen :. t> * '. ■ U ..f-i/v.." ' * . .st .. . \ - i V' Z ■ ,~——"■■■*>»■J.fif/.s ■ '.. t - V, f?/;,: > ■ v S'»<*• . i ./•■ «f ,./v>: " •' »!■ jMüti: -3a.i.&»s

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