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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1933-10-01 · Oktober 1933 · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1933. Bestand UB Ffm
Issue
Oktober 1933
Date
1933-10-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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i' Lebensmittelpreise drücken die Arbeitslöhne herab. Eine Fabrikarbeiterin verdient im ganten Monat-elwa 30 Mark, eipe ghobeue Bankangestellte hOdutca«. 10ü' Mark. Du Mittag kostet in den Tiden Lokalen v.rachie- ■ dénoter Art etwa 10—30 Dinare, alio 60 Pfennig bU au 1.80 M. Die Mieten sind demgegenüber in den zahlreichen modernen Häusern, die 1 Zentralheizung, Warmwasserversorgung und. sogar manchmal Etagenheizung haben, unverhältnismäßig leuer. Sie entsprechen etwa den Bertiner Preis«. Marl kann '(iLcht von einer regelrechten Wohnungsnot sprechen. Es rind aber kleinere Wohnungen in modernen Haatcrn aohr gesucht. -...^v: Belgrad macht tum großen Teil eineninternatienalerr modernen Eindruck. ' Man findet aber neben' großen, modernen Wohhpalästeii, monumentalen öffentlichen i Gebäuden, sehr schon angelegten Straßen, noch vielfach einstöckige, I uralte Hi user und sehr holprige Wege. Danelbe Zwiespalt leigt sich überall. Der Gegensatz iwischen einer langen Vergangenheit und einer verhättnisniäßig kurzen unglaublich "raschen Entwicklung ins Moderne zeigt sieh auch in den Geschäften. Man sieht modernité Laden in geschicktester Aufmachung und daneben Geschäfte, die' in jeder Beziehung vorsladtmäßig aussehen. Die Bevölkerung ist sehr liebenswürdig und entgegenkommend und spricht vielfach deutsch oder doch französisch. '• Es wird aber unbedingt nötig sein für jemanden, der dort tätig sein will, serbisch zu lernen. Die Sprache ist nicht leid* und meines Erachtens auf Idem Wége über die Grammatik überhaupt nicht zu lernen, das akustische. Gedächtnis und forldauernde Liebung müssen und können hier .helfen. An ' Verkehrsmitteln besitzt Belgrad ungefähr 80 Straßenbahnlinien, .\utodroschken. Pferdedroschken und eine Anzahl von Autobussen. Die Staat, liegt sehr schön auf einem Hügel oberhalb des Zusammenflusses von Donau und Save.*Auf der Donau ist ein sehr lebhafter Schiffsverkehr, da die Schiffstransporte zwischen Regensburg und dem Schwarten Meere hier * H vorbeigehen. "El gibt eine Anzahl von Parka, Museen, ein Theater, wo Schauspiel und' Oper in serbischer Sprache gepflegt wird, und eine ganze Anzahl von Kinos, in "Jenen internationale Filme laufen. Jugoslawien hat eine Industrie, die zum größten Teile außerordentlich nnentwirke.lt ist. In einem Land, daa seine ■Jkgrarproduktc. * wie Getreide ..und Obel, nur mit Muhe absetzen kann, hat es meines " Erachtens wenig Sinn; an intensive Bewirtachaftungsifiöglichkei(en größeren , Umfange» au denken. Die Eigeatüinlirhkeit der Bewirtschaftung bestehtbei der Rohproduktion vielfach darin, daß die Rohstoffe.. primiUv gewonnen find so gut wie im Rohzustand im Ausland überführt werden. Dies gilt ai B. von Bergwerks«rzeugniasen und den zahllos im Lande wiiliiatnan» Heilpflanzen. Hier könnte für Ausländer eine Tätigkeit cinsetren, die darin bestehen könnte, diese Rohprodukte ent- * ' weder'.im CAnde zu verarbeiten oder alver lié in einem Zwischen-' . ' ruslanil ruj überfuhren, der »wohl den Verkauf in Lände ab euch den EapoM ' ormöglsrhl. \ In Jugoslawien ist eiiie große Hol«-' industrie, .»Jkoholindustrie,'i Textilindustrie, Lederindustrie' und eine riemlich entwickelte chemische Industrie.; Man darf sich äbec nun nicht, vorslellfh, daß bei der Nähe der RohWffe, den billigen Arbeits- ' löhnen und Am großen Kapitalbedarf des Landes derartige industrielle Betriebe "mit ganz geringen Mitteln aufzubauen seien. Eine. ernste Warnung bilden eine ganze Ansah' von linterijehmungen", die tu », oder voll eingerichtet sind und stillgelegt" worden sind.-Man braiarht auch für die Beschaffung der Bshstoffe nicht geringe Mittel und tor allen Dingen erfordert die Beschaffinig der Maischinen, die fast imaner aus dem Auslände, inabesondere aus Deutschland, eingeführt werden müssen, recht erheblbjhe Kapitalien. Jugoslawien hat zwar Kohle, aber erst- ■ klassige Kohlen müssen -aus England oder Deutschland importiert . 'werden. Die allgemeinen ^Schwierigkeiten des. Lande« haben, zu' einer sein strengen Deusen»irlschaff geführt und tu einer genauen Exportland Importkontrolle genötigt, die fast noch strenger als in Deutschland durchgeführt wird. ~" r> , Für Arbeitnehmer ist es hur in den seltensten Fällen möglich gewesen, ein Unterkommen zu schaffen. Für die Niederlassung von Arbritgebern ist erste Voraussetzung, daß sie politisch völlig ein wand - frei, sind, insbesondere in keiner Weise dem Kommunismus oder ähnliiheri Hiehtungen iuhnslshan.-:-«--,-y-.— - F||r die Niederlassung ist dal eigentliche Serbien den übrigen Landesteilen vorzuziehen, weil die ' Regierung den Wunsch hat, \ini .lu-inell. Unternehmungen in diese Gegend tu ziehen. Allerdings hörte i* ich, daß im südlichen Teil vW. Serbien noch vielfach Malaria herrschen joll. ' Außerdem ist tu boackten, daß aie Regierung fürs, «rite «ine Aufenthalteerlaubnis auf höchstens ein Jahr gibt. Dias ist ein Faktor, der bei ,He„ Ent^hliadWgao mit maßgebend berücksichtigt werdet! Bfat..' I j\ ' \ , . Soweit ich sehe, ist gerade d*f> Bergwerksinduslrie ganz außer■ ' 'ordentlich aussichtsreich. Es gehören aber hiertu so enorme Mittel, die meist weit über 100000 RM. hinausgehen, daß Ui den bestehenden Devisenvorschriften für Deutsche dies nicht in Frage kommt. Gerade 1 im Bergbau ist aber von Ausländem das meiste Geld verloren worden. Bit Werden vielfach MUhlenbetriebe angeboten. Diese ..Mühlen lind . aber Weilt durch arankenkredite so schwer bahntet, daß es keinen' Sinn hat, aie auch) nur au einem Bruchteil ihres .Wertes tu 'erwerben. ,l«h mabe mich vielfach mit Betrieben befaßt, die der Baubranche oder \ler~ möbelbranche, nahestehen! Eine Folge., der allgeuuuuen Wirtschaftslage ist, daß die; Bautätigkeit sehr stark naohgelssseu hat, und daks die g>- _ ringe Kaufkraft'dos großen Publikum« auch die Rentabilität der Möbeibranche, in. der Agroöe Konkurrent ist, sehr ernstlich in Präge ilaUti- "' ■ -—! ---_.•-■. T -—■■ ■• "Tl \ V ■' v ' -. i » .VjJ ' Was die Automobilbranche anlangt, so lieht man fast nur groß* Wagen. Die Wege lind den kleinen billigen Wams' nicht günstig. Wie vielfach werden Iran tos isc he Produkte bevonugt. liroßer Bedarf an Kraftwagen besteht sicher nicht. Trotzdem bestehen von deutscher und französischer . Seite größere Importprojekte. Es'gibt eine Unzahl von Buchhand- . lungen, die aber keine guten Geschäfte ■Aachen. *' Apotheken und Drogerien sind in großer Menge t zu sehen. Die* Toilettenartikel sind meist französischer, die fertigen Heilmittel meist deutscher Herkunft. - lui Lande ist eine erhebliche Textilindustrie, die, durch große Z-oBaätte^ staatlich geschüttt,wird. Es schien mir, daß gute Sachen aus dem Aua- Land stammen, sie sind aber last poch teurer als hier. Bei großen Mitteln wird auf,diesem Gebiet noch manche Aussicht sein. Ähnliches ' gthi-für die Lederindustrie. Es gibt gerade auf diesem Gebiete ganz grosse Mengen ,wert vollster'' Rohstoffe, im Inland«. Es gibt äuchjaedea e_ fabriken,' die Käufer oder Teilhaber suchen. Für dieses Geowt gilt TT aber wie für alle anderen derrSatz, daß auch in Jugoslawien abgesehen 1 von Kapital eine wirklich ausgezeichnete SaeRkunde erforderlich ist. Die Arbeitskräfte müssen ent angelernt werden. Erste Arbeitskräfte aind auch in diesem Lande gar nicht billig. Die- Leute, die efaras leisten oder elwai haben, wissen Besitz und Leistung sehr wohl zu beurteilen und verstehen außerordentlich geschickt tu verhandeln. Mit kleinen Kapitalien ist auch dort ohne Sachkunde nichts, antu* fangen. Mittlere Kapitalien, die tum großen Teil in Maachineneinriehtüng angelegt werden müssen, können nur in Verbindung mit wirk- lieh guten Fachleuten, genutzt werden. Vielfach ist durch gesetzliche' Vorschriften oder durch eine gleichwertige Verwaltungspraxis bestimmt, daß Betriebe gewisser Art oder gewisser Form (t. B. Aktiengesellschaften) nur so errichtet werden dürfen, daß jugoslawisrhcn^StaatsbOrgem der maßgebende Einfluß gesichert "ist. v '* Für freie Berufe ist t. Zt. kein Betätigungsfeld. Es ist ein GeaeU in Vorbereitung, das Arateu in gewissem Umfang die Ausübung ihrer Praxis gestatten soll, auch wenn die Arzte weder Inländer sind noch lnlandaexamina gemacht haben,. Wie das Gesetz lauten wird, ist bei den vielfachen' Strömungen dieses "Landes nicht vorauszusagen. Für Anwälte " mit deutscher Vorbildung ist in ihrem Fach eine Arbeit nicht möglich. Ich* habe soviel Ingenieure dort gesprochen, daß ich .mir "nicht gift . denken kann, daß, abgesehen von, gant hetoodetren Fällen einer überragenden Sachkunde auf besonderen Spezialgebieten, für aie Jugo- . slawien'ein gutes raid ist. J - . . i , - ' Jugoslawien bietet für Industrien Aussichten, für die Deutschland . Rohstoffe, t. B. Steinkohlen oder Stahl, und Betriebsmittel, wie vor allem' Maschinen, in großem Umfang ..tiefern könnte. \ Der Zustrom von Eunwandererri ist nach weilenen Mitteilungen, rliri uns zugingen', nh'hl ohne it Ork n irküng geblieben. Es. wird die Möglichkeit, Gewerbe aiis-uühen und Geschäfte tu tätigen, imme* mehr eips-es'çhrânkt.. Ausnahmen werden ge- ' " macht, wenn ' es fleh um «lie Begründung neuer Industrien -~; handelt, die im Lande 'erwünscht sind, und wenn genügendes ' " ■ Kapital zur Kimdieriing derselben vorhanden! i«l. E« werden - . ileshall) zur Zeit vs erler Arbeitsbr» illigtingen ntxli längere Àiifea^thaltsbewillig-ingen «rteilt. \ * > ' Auch polnische Staatsbürger, iüi die gi'wissf una lien die Ausübung der sogenannten freien tiewerbe als ttandelsvertraglich gesichert1 erscheint, werden nach .vorliegendet* Mitteilungen die \ tiewerbe nur dann' juufiben können, wenn sie dén^ Aufenthalt mindesten» auf ein*- MM bekl^linen, doch »erden auch nur " diejenigen polnischen Staatsbürger AitfenthaitsbewiUigungen er- . •halten, die ein tiewerbe 'betreiben, welches erwünscht ist. :. '.. Lettland Bevölkerung: 1900000 (9I38S Juden,' nach der Zählung von 1930), Riga: 378000. _^ , " $ Währung: 100 Lat* »= 74,40 «SM., Goldpurität 8P KM. ' / * i — - ç.. ArbeiUurhenden"AustStldçTi» wird nach Auskunft .des Konsulats wwn der schwierigen Aa-heitsverbSItnisse im Lande eine .\ufcnthalt|genehmigung ka**nv oder nur in ganx besonderen Ausnahmefällen erteilt. t "* ♦*,'; , Diejtë Fragen entsshtidel das Innenministerium^ in Riga. '.J Nach Mitteihincen aus Riga aus letzter Zeit werden Arbeits- MtMtn .{jlr Ausländer• nitAt J^èiUigt. "* J ". Visagebühren, Lander, deren Staatsangehörige kein Visum benötigen, lind mit einem X gekennzeichnet. - * Ffc'gtorUws-iSzT '-ilVJW ''.' Tr.~a.i.um Btsrsls*- " \ ■ ' TrasKtvlssni Tm*^ km und iurS* Belgieh ~ ~ - a^iRM. IM m. 8 60 — a. ' . * * *s«. * ÜM. ,U.0(> RM. 22.19 " - f *< ,rBM. a. - - ' x x rm: 8.80 , . perm. 8 Mon. , llM ll OÖ HM. 8.60 X

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