Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1933. Bestand UB Ffm
- Issue
- Februar 1933
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ç-TT Ckiu T Bevölkerurigszahl: 4 287 OC») Santiago de Chile: 712 500. Währung: 1 Peso (Papier) Goldparität 0^511 RM. Landessprache spanisch. -V— Chile hat Schoo s e i t 1 a n g e m mit größten wirtschaftlichen Schwierigkeilen ta kämpfen. Die höchsterreichte Monatszifftr der Ausfuhr belief sich im Januar 1929 auf .256000000 Pe/sos, im Januar 1932. nur noch auf -533 Millionen und im Mai 1932 auf 17,2 Millionen Pesos. - - . Maßgebend für die, Ausfuhr sind Kupfer und Salpeter. Als der New Yorker Kupferpreis 5,15 Cents für das engl. Pfundbetrug, lag der Kostenpreis der chilenischen Gruben um 2 bis 3 Cent» honer. Die Kupfererzeugung mußte, daher eingeschränkt werden und umfaßte nur noch 18—20 »»» der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Kupfergruben. « .. Noch schwieriger war die Lage bei der Satpetererzeugung. Der Überschuß der verbliebenen Bestände hätte bei gleichbleibendem Verbrauch den Bedarf von 1.Vi Jahren gedeckt. Die Produktion . ist daher auch erheblich eingeschränkt worden. Der chilenische Staat übt eine weitgehende Kontrolle Aber landwirtschaftliche Besitzungen, Industrie- und Handelsunternehmungen aus. Es , werden Höchstpreise festgesetzt. Die Regierung behält sich das \Recht tu* Produktionsregelungen und gegebenenfalls 'Enteignungen «or. — Von den Einreisenden werden nach Angabe des Konsulats ein Kontrakt mit einer in Chile ansässigen Firma oder evtl. ein Nachweis Ober Geldmittel, die einen sechsmonatigen Aufenthalt in Chile gestatten, sowie Mittel zur Rückreise verlangt Das Konsulat bemerkt noch, daß "auf keinen Fall au raten ist, die Ausreise auf gut Glück tu unternehmen, da die Wirtschaftskrise auch Chile nicht ▼erschont habe. Im September M 932 zählte man 100000 Arbeitslose. ',. " In Chile ist 1931 im Auftrage derHicem durch den Direktor des SchjuUkomitees ..Soprokimis" (Montevideo), ein Zentratbüro in Santiago und ein Büro in Valparaiso gegründet worden. In anderen Hauptzentren des Innern .des Landes, in Concept Chilian, Temuco und Tale* sind Korrespondenten tätig.'1 » *'■.*.■■ V " *' ' .*''-'^ *" . '***■■'• '* b -f ■;\r '• *• i' * » ' '• ' Argentinien --,..„.".. Bevölkerungszahl: 10628000, Buenos Aires: 1 780000. Winrung: t Peso (Papier) - 0,91 Goldparität 1,782 RM. Landes! spräche spanisch. ' . \ Seit 1. Januar 1931 hat Argentinien zur Erschwerung der Einwanderung; die Visagebühren außerordentlich heraufgesetzt. . ('..•Wir*!.: -> fflr die VUierung eines Passes . Goldpeao» 6 — RM 80.60 fur die Visierung das Leurnundieugnisses Goldpesos 10.— RM. XI.— für die Visierung das Betteleileugnusel Goldpesos .10.— RM. 4L— d) für die Visierung des Gesundheitszeugnisse» Goldpesos 10.— RM. 41.— Diese Gebühren sind for jede über 15 Jahre alte Person zu bezahlen, auch wenn mehrere Personen, im gleichen Paß aufgeführt sind. Landwirte . und landwirtschaftliche Arbeiter nebst Familien sind unter bestimmten Modalitäten betreffs Zahlung und Rückzahlung der erhshlen Gebühr von der hohen Vjsengebühr befreit, «• ■ „ ■ 1. wenn «i» in der Lag« sind, durch Vorlegung eines Arbeitskontraktes zu Beweisen, daß Arbeit fOr sie sichergestellt ist, oder S. wenn eine von der Einwanderungsbehörde anerkannte KolonisationsgeaelUrhaft eine Erklärung abgibt, der eu folge der -Einwanderer »ich auf deren Gebiet ansiedelt/ *Vi ^-a. r Für Landwirte und landwirtschaftliche Arbeiter, die den Besitz tinea Capital» vort 1660 Pesos bei einem" argentinischen Bankinstitut nachweisen, fit die Vorlage eine» Arbeitak«*trakles nicht erforderlich - E» bezahlen Persona«, die eine von in Argentinien lebenden Verwandten beantragte und von der argentinischen Einwanderangabehördc ausgestellte Landungserlaubnis besitzen, nur «ine -Visengebünr von, 9-oto 6.—. Voraussetzung hierfür ist, daß eine Blutsverwandtschaft zwischen Antragsteller und Begünstigtem besteht und der VerwandUchaftagrad ausdrücklich in der Landungserlauhnis angegcbcn'^jst, oder, fall' es,»ich um Eheleute handelt, dieses wermerkt ist. > Für das Durchreisevisum bestehen verschiedenartige Beut im iimngeh,, je nachdem sich die Durchreise auf dem Flußwege oder auf dent Landwege vollzieht. Nach, einem Dekret der argentinischen Regierung müssen alle Immigranten, die Von Uruguay nach Argentinien kommen, auf, dem argentinischen Konsulat fflr die' Beglaubigung des Pattes eine Summe von' 20 argentinischen Goldpesej| zahlen. Der Zweck dieser Gebühren ist, de« Zustrom 12 , M von Einwanderern, .die aus Europa Ober Uruguay kommen, iu dämmen. Es maß darauf hingewiesen werden, daß die Erschwerung der Einwanderung nach Argentinien an sich'schon eine starke Restriktion bedeutete, daß dieselbe, aber noch dadurch verschärft wurde, daß, die Erteilung von .Visen nicht durch den Besitz der vorgeschriebenen Visengebühr allein gewährleistet war. Die Gewährung von Visen wurde, wie es bfi den Vereinigten Staaten der Fall ist, in da* ErVnessen der Konsulate gestellt, bei denen Tendenzen bestehen, mittellose Einwanderer von dem Lande prinzipiell fernzuhalten. Sehr interessant' ist gegenüber dieser Stellungnahme der. Standpunkt, den der Präsident des Argentinischen Arbeitsamtee in besag auf die Krise und dje Einwanderungsein- .. schränkung im Jahre 1931 vertreten hat': daß diese nur vorübergehender Natur sei, und daß Argentinien, das einen großen Teil seines Wohlstandes der Einwanderung verdenke, auch in Zukunft seihe Tore der Einwanderung nicht werde verschließen 'können. ' Wenn auch das Einströmen ausländischer Arbeitskräfte gegenwärtig eine Verschlechterung derÄrbeiUnArktlage nach sich ziehe, sei iu befürchten, daß-es bei einem Nachlässen der Krise schwierig sein werde, den einmal Abgelenkten EinVanderungsstrom wieder nach Argentinien au bringen. Es sei afecb nicht angezeigt, eine Erschwerung der Einstélb£ng von in Argentinian schon lebenden Ausländern in Erwägung zu ziehen. -f. ---v Nach Mitteilungen des Argentinischen Arbeitsamtes vom Ende Oktober 1932 betrug die Zahl der Arbeitslosen (außer zeitweilig Beschäftigungslosen, meistenteils Erntearbeitern) 273 000. In der Bundeshauptstadt Buenos Aires waren 87 000' Personen arbeitslos. Dem Bericht eines nach Argentinien Ausgewanderten, der im September 1932 publiziert ist, entnehmen wir das Folgende: „Kaufleuten kann man zurzeit nicht raten, auf s Geratewohl nach. Argentinien an kommen. Es ist schwer, eine Stelle tu finden, ohne Beziehungen wahrscheinlich unmöglich.' Auch, hier herrscht eine. Krise, wenn auch, mit Deutschland verglichen, in milder Form; auch hier gibt es Arbeitslose, aber sie sind noch kein Problem. Dia Kaufkraft des Peso Im Inland hat (von einigen auagesprochenen Importartikeln abgesehen) nicht gelitten. Eine Stenotypistin verdient 180 bi» 800 Pesos; ein kleiner Angestellter 200 bis 260; ein mittlerer 250 his 300;'850Pesos . ' sind schon Gehälter für bescheidene Familienväter. - Dar teuerste ist -die Wohnung, N Die Nahrungsmittel sind durchweg billiger als in Deutschland." DeahaUVkommt ein Ehepaar (falls die Frau wirtschaften und kochen) kann) meist besser zurecht als ein etwas arupruchvoller Junggeselle.. » * . g.... Die allgemeine Einwanderung nach Argentinien ist von 124 006 im Jahre 1930 auf 56333 im Jahre 1931 gefallen, und wenn man die- Immigranten in Rechnung «teilt,'die das Land verlassen haben, um in ihre Heimat zurückzukehren, verbleibt nur ein Oberschuß von 2654 Personen. * / Die jadische Einwanderung belief sich im Jahre 1931 auf 3 553 Personen gegen 7 805 im Jahre 1930. •» '■ / "Laut einem Ende November 1932 veröffentlichten Re- ' gierungsdekret verschärf t 'Argentinien die Einwanderungsbestimmungen vom 1. Januar ab. Es wird nur solchen Auswanderern die Einreise gestattet,.die einen von der argentinischen Regierung - beglaubigten Arbeitskontrakt besitzen; Personen,'die derf Nachweis Ober eine Sicherstellung dee Erwerbes erbringen; Landwirten, und landwirtschaftlichen Arbeitern, und nahen Verwandten vor> in Argentinien ansässigen Ausländern (Gatten, Eltern, Großeltern, Kindern, Enkeln und Geschwisterkindern) unter der Bedingung, daß die Verwandten, die sie zu sich kommen lassen, genügende Mittel haben, um für ihren Unterhalt aufzukommen. Eine diesbezügliche Erklärung muß bei der Einwanderungsdirektion durch die Personen, welche ihre Verwandten ans Europa nach Argentinien kommen lassen wollen,' gemacht «(erden, Sonstige Linwandvrungsbcstimmungen, u.^a. solche bezüglich Vergünstigungen für Landwirte und landwirtschaftliche A rpei ter. ihre Fr a tien und Kinder, werden aufrerhterh alten — ' Ab Argentinien durch Verordnung vom 20. December 1930 die Einwanderung mir durch Erhöhung der- Visengebühr er-!-Schwerte, wurde diese verhältnismäßig milde Form der Beschränkung unter Hinweis auf die Vorschrift in Artikel 25 der Verfassung vom Jahre 1853 gewählt, worin die Verpflichtung der Bundesregierung festgelegt ist, der Einwanderung aus Europa keine Hindernisse, in den Weg zu legen. > V >