Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1929. Bestand UB Ffm
- Issue
- März 1929
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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L, *Ü i EibWanderung im J'ahre 1938: 784.Personen. Dazu 1 kommen im- Monat durchschnittlich 100 bis i5uEinwan-' derer, die ab Touristen nach Paiastuia fuhren, drüben jedoch Ansiedljingsmöglichkeiten fanden und denejn von. der palästinensischen Regieruftg^e Erlaabnis zu. ständigem Aufenthalt gegeben wurde. — Die Zahl der~~A~uswanderer betrug im Jahre 1938 insgesamt 3000." Nach den statistischen Angaben der Immigration and Travel Section der palästinensischen Regierung betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer im Jahre 1938 — 3178, die der judischen Auswanderer 3168. Einwanderung 1929. 51 - . i__Die Einwanderung auf Grund der von'der palästinensischen *•■ Regierung der Zionistischen Exekutive sur Verfügung gestellten Einreisezertifikate vollzieht sich in den ersten Monaten des Jahres ■ 1939. Das, Hauptkon tingent entfällt — abgesehen von den poli- . - tischen Flüchtlingen aus Rußland — auf Polen,in weitem zahlen- . mäßigen Abständefolgen dann Emigranten aus Galizien, Ruj minien, Deutischland, Rußland, Litauen, Lettland, Oesterreich, Frankreich, Bulgarien, Yemen. " ' Nach gründlicher Prüfung sind für die Ue!S|rsiedlung nach Palästina solche Chalucim ausgewährt worden, die? eine professionelle Ausbildung von 3—5 Jahren durchgemacht haben und für die Arbeiten in den Kolonien* Palastinas geeignet &i»d. Die Einwanderer müssen spätestens Ende JanÜfar, Anfang Februar in Palästina ankommen, da um diese Zeit die Arbeitssaison in den Plaritagenbetrieben der Kolonien beginnt. - Die Emigranten aus Polen und Galizien fahren größtenteils über Prag, Wien, Triest, ein kleiner Teil fährt über Konstanza"; die' Einwanderer, aus Litauen, Lettland, Deutschland und der Tschechoslowakei über Triest und Marseille; aus Rumänien und Bulgarien über Konstan'ia. Der Hilfsverein «1er D e ü t s c h en J u d en hat hei dieser bedeutsamen Aktion der Ueberf ührung arbeitstüchtiger und arbeitsamer junger Menschen nach Palästina seine finanzielle Be- * teiligung nicht versagt. . ■ r1-——■—\ Wachsende Schwierigkeit der Einwanderung. In der 'vorstehend mehrfach angeführten Eröffnungsrede des Präsidenten der Jewish Colonization Association, Herrn Frans Philippson, auf der letzten Generalversammlung verdient, was die Emigration anbetrifft, der .folgende Passus, der sich des besonderen auf das. Kolonisationswerk der Ica in Rußland bezieht, Beachtung jsei tens Emigrations williger: ,,Es ist.von größerem Interesse, unsere Glaubensgenossen in ihrem Heimatlande zurückzuhalten, als sie zu ermutigen . nach den überseeischen Ländern zu fahren, so günstig ihre Aufnahme und ihre Installation in..diesen so verschiedenen Ländern auch ist. J)ie Aufrcchterhaltung unserer Glaubensgenossen in den " Ländern, wo sie geboren sind, erspart nicht nur viel Geld,- sondern^,bewahrt sie oft vor Enttäuschungen. Uebrigens wird der Auszug nach den überseeischen Ländern immer schwieriger. Die Vereinigten Staaten sind ihnen fast verschlossen, die Torerder anderen Gebiete von Nord- und Südamerika sind nur halb - offen für aie." ' t \ AuswandciasngswiUige müssen, um sich und ihre Familien vor , wirtschaftlichem und seelischem Elend nach Möglichkeit zu schützen, aufs genaueste bei sachverständigen Stellen über die Verhältnisse* in den Lindern, wohin sie einzuwandern gedenken '(Einreisebedingungen, Klima, wirtschaftliche Situation, Berufsaussichten, Sprache), sich informieren, auch eid, ärztliches Gutachten über ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber anderyaMaten klimatischen Verhältnissen.einholen, Sie dürfen niemals alle Brücken vorzeitig hinter sich abbrechen und, wie . früher ..ausgeführt, sich niemals . Fremden in did llifhdc en, um mit deren. Hilfe auf illegalem Wage das ersehte Z.ief ZU erreichen. ~ . - Au^ch in. .früheren Zelten war der Auswanderer vielfach ><>r eine ungewisse Zukunft im fremden Land gestellt. Gegenwärtig aber; wo sich die Kosten der überseeischen Auswanderung anßer- "ordeatlich erhöbt haben, wo die kontinentalen wie dt* Ober-, «eeisehen Staaken' Schranken gegen Einwanderung errichte*) li.^im,'Tmd wo dir wirtschafttichen Verhältnisse ip den Ein wanill I iiiigsftndiii 11 tum Teil höchst prekär sind oderltarke Schwankungen große Gefahret} für den Einzelnen mif sich 'bringen, bedeutet die A uswanderung «in weitaus größeras fUzäko. ' ï A Nachfolgendes, Schreiben aus jüngster Zeit, das wir aus Uruguay erhielten, gibt'eiri charakteristisches Bild von dem tragischen Schicksal einer russischen Einigrantenfamilie, die nach monatelangem vergeblichem Bemühen, festen Fuß zu fassen, sich zUr Rückwanderung gezwungen sah. . Herr ... und Familie kam aus Rußland indar Hoffnung' hierher, in der Hauptstadt Uruguays irgendwelche Arbeit oder Bîtcbàftigiliîg" zu findeni i was nicht gelungen ist-. Herr . . . versuchte zu Beginn, sein tägliches Brot zu »erdienen, aber vergebens. Nachdem die -Fadul»«—». .. tien in Montevideo menrere* -Menai» aufgehalten hat, ist sie gezwungen, nach Rußland heimzukehren. Herr .. . hat ein wenig Geld von seiner Schwester aus den Vereinigten Staaten in Nordamerika betnmrnen, dann verkaufte er einen Teil der /Sachen, die er mitgebracht hat, und so zee.migriert die Familie nach TTtjoland. Wir werden Ihnen sehr dankbar für alles sein, wat'Sie zum Wohle der obengenannten wandernden Familie tun werden. Es' muß bemerkt werden, daß andere Fälle von Rückwanderung speziell auch aus Uruguay — Wie von dort berichtet wird — auf Mangel an Anpassungswilligkeit oder Anpassungsfähigkeit zurückzuführen sind. , Sowohl staatliche Instanzen wie Wohlfahrtsgesellschaften sind bemüht, dazu beizutragen, daß.nach Möglichkeit System in die Wanderungen gebracht wird, und der Schutz für die Auswanderer sowohl wahrend ihrer Reise wie in Aus- und Einwanderungsländern erhöht wird. Nachfolgend geben wir eine kurze Uebersicht über wichtige Konferenzen, die zu diesem Zweck stattfanden, und an denen auch zum Teil Vertreter des Hilfsvereins der Deutschen Juden teilgenommen haben.; Konferenz in Hava Vom 3o. März bis 17. April 1938 tagte in* H a va na die Internationale Konferenz über Einwanderung und Auswanderung, die von 37 Regierungen beschickt - wurde, und zu der auch "Vertreter einer Anzahl größerer Gesellschaften geladen waren. Es wurde u. a. verhandelt über die gesetzliche Regelung des .Transportes .von Wanderern, Auswets- - papiere, Wandererschutz, - Kami lien trennung-, " Kolonisation, Orr - ganiaatioh des Arbeitsmarktes und Zulasstmgsbeschränkungen für a(isländische Arbeiter.sSchaf fung von Schulen für landwirtschaftlichen und industriellen Unterricht - für Eingewanderte. Es wurde beschlossen, die großen internation»hjftJJcganisatio- - .. nen in Genf zu bitten, die Konferenz rJer Privaten Organisationen , für Wandererschutz in Genf so oft wie möglich in praktischen Fragen des Wandererschutzes .zur Beratung heranzuziehen. Wir beschränken uns darauf, folgende Entschließung anzuführen:» et „In Anbetracht dessen, daß die durch die Einschränkung " der Einwanderung verursachte Trennung von Familien auf die moralische und materielle Lage dieser Familien schädliche Wirkungen hat, gibt die Konferenz dem Wunsche Ausdruck, daß die Aus- und Ein wander ungsbestimmungen, die durch den Wunsch, den heimischen Arbeitsmarkt zu schützen, veranlaßt sind, keine Anwendung auf die direkten Verwandten des Arbeiters finden, der schon in dem Immigrationslande etabliert ist, unter der Bedingung, daß diese Verwandten allen, individuellen Zulassungsbedingungen genügen, die durch die Gesetze dieses Landes gefordert werden. '• . _ Konferenz In Paris. Vom 8. bis »3. Juli 1938 fand die Conférence Internationale du Service Social in Paris,statt. -Es wurde dort auch überdie Famllienprobleme der Auswanderung gesprochen. Der ehemalige polnische- Arheitsminister und Vertreter Polens im Arbeitsamt, Sokal, hielt ein Referat darüber. Er wies nachdrücklich auf die schweren moralischen Folgen hin, die sich aus der Trennung von Familien ergehen, und appellierte an die ..Macht 'der öffentlichen Meinung, der' dig Leiden der Menschen durchaus nicht gleichgültig sind." .; '_______ Konferenz In Berlin. * > » Vom 13. bis 38. August 1938 tagte in Berlin die Inter-' parlamentarische U n ion. Es beteiligten'sich 500 Delegierte, die 38 Länder repräsentierten. Die «Tagung war besonders - ' interessant; weilauf ihr, stark differierende prinzipielle Standpunkte der Delegationen ikr verschiedenen "Lärtder bezüglich Immigration und Emigration zum Ausdruck kamen. "Wir entnehmen dem in einém Bericht des Monthly Record of Migration - enthaltenen Matefiak folgendes darüber: ~ j! — Die Delegation der Vereinigten Staaten erklärte von Anfang an, daß nach ihrer Meinung Einwanderung ein rein internes Problem wäre, das nicht vvjireiner internationalen Versammlung V *d » i6