Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1929. Bestand UB Ffm
- Issue
- März 1929
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Oie beiden Gesellschaften (üben FUùI-BOrot, Agenturen Unteragenturen', Agenten.und Vertrauensleute in allen bedeutendsten Städten der Kreise und Bezirke von Sowjetrufi^and, der Ukraine und WTTßTTrßlands und bisweilen sogar in kleinen Flecken. - - i_ Igcriwärtig werden Verhandlungen von deutschen Schiff sin Daghestan in Usbekistan g&ellschaf ten in Rußtand Aber deren Beteiligung an dem Befördrrungsdienst geführt. ' Die jüdische Siedlung *t Sowjetrußland. . Ende Dezember 1928 fand* die zweite all ukrainische Ta der Ozet statt. Auf derselben, hielt Herr Tsehemeriski, Mit, des Komset-, ein Referat Aber die Tätigkeit des Kornset. Wir entnehmen dem ' Bericht nachfolgende Angaben :. Seit -darrt Beginn der. planmäßigem Ansiedking von Juden auf dem Lande sind für diese Zwecke zur Verfügung gestellt' worden: * in der Ukraine 166 386 ha ,, „ Krim ' i3j 757 ha -J- 109000 ha, die gemäß einem -, Vorschlag des P,rä- \. . sidiums des Zenr - tralexekujivkomitees der Sowjetr union nen zugewiesen werden in Weißrußland a3o64 ha + 400000 ha Sumpfland, .das noch melioriert werden soll in Sowjetrußland ios38 ha außer werteren 10000 ha gemäß einem Beschlüsse des Komset 1136a ha 1 463 he, - Ferner sind fur die Ansiedlung in 'Aussicht genommen das Land bei den Asowschen Sumpfniederungen (etwa 100000 ha) und das Biro-Bidsehan-Gebiet mit 3750000 ha. Die-Mittel, die für die Landansiedlung verausgabt wurden, betragen: *;N ' ■ h 380 000 Rubel vom Staatsbudget jr ca. 1 Soo 00a "„ ' Kredite der staatlichen Landwirte schattsbenk i5o55n63o : von ausländischen Organisationen. Insgesamtsind in den Jahren 1935/19318 so 835 000 Rubel aufgewandt worden. _)2_■_' Da im ganzen 17346 Familien in diesem Zeitraum angesiedelt wurden, so entfällt auf eine Familie ein Betrag von' I30Ô Rubel, und zwar: -^=2^ /"~ - .'-—mm 8ta*tzl»zrigBt*^" '47 Rubel vom Kredit der Landwirtochaftsbank 87 „ von den ausländischen Organisationen 871 ' )K- . I so5 Rubel. Außer diesen Betragen brachten dje Ansiedler selbst noch eigene Mittel mit. '."'.«,?'". Die Ansiedler haben von den ihnen gewährten Krediten 8-i,•> o0 zurückzuzahlen. Die Mittel, die vom -Staatsbudget zur Verfügung gestellt werden, wachsen von Jahr zu Jahr. -In den Jahren 1934/35 waren es Aooooo Rubel, 1936: 1 000000 Rubel, 1937: 1 38oooo Rubel -nnd 1938: 1 5ooooo Rubel. Im Jahre 1939 sollen von der Regierung 3800000 bzw. 3 3ooooo Rubel zur Verfügung gestellt werden. . ' *" JLjk Tfcrk.L Einreite und Arbeitsverhältnisse. Der Mitteilung -einer linkischen Konsularvertretung entnetimen wir folgendes: —— Die jüdischen Ginwanderer. können nur auf Grund der Gegenseitigkeit zugelassen werden, d. h. wenn-ihr Heimatsstaat die Einwanderung türkischer Staatsangehöriger zuläßt. Die Zu-, lastung ' dec Juden unterliegt demselben Verfahren wie die aller Fremden, ohne -Ausnahme. In Angora und Kleinasien gibt es nur^Saisonarbeit, im Slimmer, für Maurac und Angehörige der .Baubranche. ~' Die freien Berufe sind für Fremde fast unzugänglich. . Regierungapolit ik. Wir hatten in der letzten Nummer des Korrespondenzblatte* auf die Hraurtjp Lage der Juden in der Türkei hingewiesen und auch erwähnt, daß-die-Freiiügi*jkeit für die Juden m d*£ Türkei ' '• '; •' '...\ »; •" ' - ./'T^1 aufgehoben wurde. Die Folge idea Verbots war, daß der Handel in Kleinasien lahmgelegt worden war. Da da* Verbot sieh somit als höchst unwirtschaftliche Maßnahme erwiesen" hat, ist es auf gehoben. Wörden. Das Verhalten der Regierung ' gegerrdie Juden ist aber nach wie vor feindlich — was diese selbst be ,. streitet Aus öffentlichen Aemtcrn. die sie bekleidet hatten, sind sie entfernt worden. _ In die höheren Schulen werden sie nicht aufgenommen. Dazu kommen Eingriffe in-ihr kulturelles Leben unter dem Einfluß national-türkischer Tendenzen. Die Lehrer, der türkischen Sprache in den jüdischen Schulen ' müssen Angehörige der türkischen Rasse sein, Juden dürfen nicht in der türkischen Sprache unterrichten, auch wenn sie Diplome einer türkischen Schule besitzen. Die türkischen Lehrer unterstehen nicht der jüdischen Schuladministration, sondern werden ohne Einwilligung derselben vom Staate direkt ernannt Das Gehalt wird vom Staate willkürlich bestimmt ohne Rücksicht auf die Gehliter der jüdischen Lehrer und das Schulbudget. Unter solchen Verhältnissen ist die Einwanderung nach wie vor dringend zu widerraten. Bulgarien. r~'' Nach Mitteilungen, die uns aus Bulgarien zugegangen sind, kamen die meisten Einwanderer aus Rumänien, entweder in der Absicht, im Lande zu bleiben, oder sich nur vorübergehend auf der Durchreise in Bulgarien «ufzuhalten. Auch aus der Türkei findet eine Einwanderung statt Unter den Juden, die sich seit einigen tJahren in Bulgarien installiert haben, befinden sich auch solche aus der Sowjetrepublik; - Man berichtet uns aus Bulgarien folgendes : ' , * Im allgemeinen müssen wir vor „einer Einwanderung nach hierher eindringlichst warnen. Die Einreise ist zwar jedermann' frei, doch ist ein längerer Aufenthalt mit gewissen Formalitäten verknüpft, die schwer zu erfüllen sind. Der Eingewanderte müßte den Beweis erbringen, daß er in ständiger Anstellung ist, um dann eine Aufenthaltsbewilliguhg zu bekommen, die in kürzeren Intervallen zu erneuern ist. Die Erwerbsmöglichkeiten für Ausländer sind äußerst geringe, und wir würden niemand raten, eine Reise nach hierher zu wagen, insofern er sich nicht vorher eine Beschäftigung gesichert hat VölLrti Der, Vollständigkeit halber sei' erwihnT daß_ eine Aufenthaltsbewilligung fast nur für (jualifiziertr"Arbeiter zu erlangen ist, wobei der betreffende Arbeitgebernachzuweisen hat, daß eine entsprechende Arbeitskraft im Lande nicht vorhanden ist. Durchreisenden wird wohl in einzelnen Fällen AufenthaltsbewilKgung. für einen, zwei * Monate oder sogar noch ' länger erteilt, jedoch mit dem ausdrücklichen Vermerk im Aufenthaltsscheine : „ohne Recht auf Arbeit". Ausländer, die ihren Wohnsitz schon längere Zeit im Lande haben, müssen ihre Aufenthaltsscheine halbjährlich odef jährlich erneuern., Es mag ja sein, daß diese Schwierigkeiten eine Folge des stet» anwachsenden Intelligenzproletariats und der durch das .Hereinströmen der Tausende von Flüchtlingen aus Griechisch- Mazedonien entstandenen Misere sind", doch dürften Sie ja nur die Tatsachen interessieren und diese sind heute für den jüdischen Wanderer leider sehr traurig. . RaÉiniia, ~! [( Die große Not, die infolge mehrjähriger Mißernten in Beßarabien, namentlich Mittel- und Südbeßarabien, herrscht, und von der die jüdische Bevölkerung, die viele Bauern und Hand- ' werker in sich schließt, auf das schwerste betroffen ist, hat eine verstärkte Auswanderung aus diesem Gebiet'zur Folge. Beßarabien hat Soooôo Juden unter einer Gesamtbevölkerung von ca. 3 000000. Von. der jüdischen Bevölkerung'sind ungefähr 8000 Familien Landwirte. Diese leiden besonders schwer durch die Hungersnot. Aber auch sonst ist Beßarabien vollständig von^der Ernte abhängig. Dia-Juden, die meistens in kleinen Städtchew wohnen, sind infolge der Mißernte der .letzten Jahre zum Teil ohne Erwerb. *, P o r t « g at Man schrieb uns von dort, daß in Portugal auch für jung« Leute keine Aussicht auf gutes Fortkommen in der Landwirtschaft besteht. Der landwirtschaftliche Arbeiter/ in Portugal wird 1 schlecht bezahlt. Dagegen »ei es letzthin leicht, eine Wirtschaft zu erwerben mit lebendem und totem Inventar oder ohne dasdie Preise seien verhältnismäßig günstig, , * **. <f I