Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1928. Bestand UB Ffm
- Issue
- März 1928
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492417-6348833-6349414--009-4920306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
•. ]; ' ■ ■; / ■ ■ :. _ — . .. . : :.. : Wir entnehmen ejnein uns im Sommer 1017 zur-Veröffentlichung zugegangenen Berichte de« Pariser Komitee* von Hfa»- Ica-Emigdireet fHicern) folgende*:* ' 4 .... Nach den bestehenden und mit größter Strenge durchgeführten Bestimmungen haben "das Recht, sich in Frankreich aufzuhalten, nur diejenigen Personen, denen das Einreisevisum ohne einsenrankende Bemerkung .bezüglich der Aufenthaltsdauer erteilt worden ist. Andererseits übt das Arbeitsministerium eine strenge Kontrolle darüber aus, daß die ohne besonderen Arbeitskontrakt eingewanderten Ausländer keine bezahlte „Stellung annehmen. Der Unternehmer, der einen Auslander beschäftigt, welcher keine besondere Erlaubnis zur Arbeit hat, setzt _ sich strengen Ahndungen seitens der Behörden aus. Unter diesen-Bedingungen ist es selbst denjenigen Auslindern, die ««war eine regelrechte Aufenthaltserlaubnis, aber keine Arbeitsberechtigung haben, unmöglich, ihren Lebensunterhalt zu verdienen____ Desgleichen erweist es sich als notwendig, die Emigranten darauf aufmerksam zu machen, daß sie auf keinerlei pekuniäre Hilfe von Seiten der lokalen Komitees rechnen dürfen, und daß sie unbedingt selbst über die ihnen nötigen Mitte) verfügen müssen. —•.-; ,.- 13s Verstöße gegen die Bestimmungen bezüglich der A8>" Stellung ausländischer Arbeiter und Angestellter zunehmen, hat*das französische Arbeitsminislerium m der französischen 1 Presse besondere Warnungen ergehen lassen lind auf die/ Folgen von Uebertretungen für die Arbeitgeber wie Arbeitnehmer hingewiesen. _^ Landwirtschaftliche Verhältnisse! - - Als Immigrationsland kommt Frankreich, wenn sich die wirtschaftlichen VerhäItai\se-:-korisolidterl'naoen, für landwirtschaftliche Arbeit stark in Betracht, für Lohnarbeiter, die Aussicht haben auf den Uebergang'zur Farmerei, zur Pacht. Es ist schon mit der htndwirisch«Wichen Tätigkeit aus- - ländischer Juden in Frankreich era Anfang gemacht worden unter Heranziehung Von Kräften aus der Reserve Arbeitsloser, die sich, in Frankreich infolge der allgemeinen Krisis an- ' gesammelt haben. . I eher die französische Landwirtschaft und fiber die Arbeiternot in Frankreich bietet bin Artikel in der „Grünen Post" .vom i5. Januar 1928 „Tote Dörfer in Frankreich" Material. Es muß dazu gesagt werden,' daß, wier überall in der Welt bei landwirtschaftlicher Ansiedlung, auch in Frankreich außer den physischen Erfordernissen für die Arbeit der Wilhr^ünd die * Fähigkeit, sich an Landes-, und Lebensverhältnisse, Wohnung usw. und Umgebung zu gewöhnen, von ausschlaggebender Bedeutung.,sind. Es heißt in dem Wlikel n a.: Im Jahre ig 11 belief lieh die Zahl der in der Landwirtschaft Tangen in Frankreich auf 5 3oo 000, im Jahre igs3 nur noch 3goeooo und nach der neuesten Volkszahlung vom Jahre toi5 fiel die*'' Zahl,' troll der massenhaften Zuwanderung landwirtschaftlicher Elemente, Arbeiter und Kolonisten aus allen Lindem Europas, una weiter« Hundert- , lausende ... i ,. Schon im Jahre ion setzte eine großzugige Aktion ein, der Not an Arbeitskräften durch die Organisierung einer Maaaentinwanderung enlgegeniütrelen. Eine eigen» tu diesem Zwecke geschaffene Organisation, die Société Nationale de Protection de la Main-d Oeuvre Agricole, führte bis 1914 so «00 landwirtschaftliche Arbeiter aus Polen oin;v auf Grand von Kontrakten, in denen lieh die Arbeiter verpflichtet haben, eine Minderzahl von Jahren sich in der Landwirtschaft zu helâtigeti. Im und nach dem Kriege'wurde die Aktion großzügiger und nunmehr amtlich weitergeführt. In der weil überwiegenden Zahl der Fille haben aber die Arbeiter diese. Verpflichtung, auf "dem Lande tu bleiben, nicht eingehalten . . . zu betteln, und sich auf diese Weise der Gefahr, abgeschoben zu werden! szsassstslssn, als zum „Patron" auf dem Lahde zurückzukehren. Bei4' vielen spielt dabei atteiTrmgs dar Umstand, eine wichtige Rolle, dab sie seinerzeit, ab sie nach Frankreich' kamen,, ab Beschäftigung fälschlich die landwirtschaftliche angaben. In Wirklichkeit waren es Industriearbeiter, Handwerker-oder ungelcrnt<^Alcinslädtisrlie Hilfskriftel d,Ten Leben auf dem Lande demgemäß denn auch ketn Vergnügen wäre . . .. Die.Folgen des ArbeiUtrmangeb sind mannigfaltige. Manche „ferro©" Besitzer verlieren die Lust am Wirtschaften und kehren da Lande den Rücken. Sie verkauf eh — tu immer, zinkenden Preisen ihr Bauerngut an Ansliri3er*Tlind lassen sieh in den größeren Stadt« als '.Gastwirte, Schankwirte, Kleinhändler nieder. Eine andere Folge ist der stetige Bückgang der, Anbauflächen. Eüugp krasse Dàttn aus Vosges-Deparfement : . Anbaufläche in Hektar i865 WeitflB/--^ ' -5i 000".~ Mengkorn -> Hafer1 V- -, g 189s iö 3g3 5i 000 igst »5 oosL i 876\ v-3o 000 DieM Tendenzen wurden nur noch verstärkt durch den allgemeinen Bedarf an, Arbeitskräften auch in der Industrie Frankreichs, die in deu Inflationsjthren iQij—ig-i.fi eitliti künstlichen Aufschwung erlebt hat. Alle "dieas ausländischen Arbeitermaasen, die der Scholle auch in Frankreich untreu wurden, 'gerieten mit dem Ende der Inflation, An fang i<J>7, aufs Pflaster. . ■","*" Und nur, wer die ganze hrbarmungslosigkeit dos Pariser PfUsters kennt, seine Grausamkeit, die .alles, was selbst New York auf solchem Gebiete produziert, bei weitem Obertrifft,, nur der kann wissen, was —die Stabilisierungakrise' für die entwurzelten landwirtschaftlichen Emigranten in Frankreich bedeutet*KeT» Nicht, als ob sie auf 1 dem Land« -^-jr-j- >.fortlprn «~-5 nicht.mit offenen Armen empfangen worden wären. Un Gegenteil: die T * * ■ 8 ftgrarvcrhlndr forderten sogar die ReVierung auT. die Bodz>nf1urhtigen abzufassen'und sie dem Dorfe durch Zwangsmittel rurüekruführeu Die betroffenen Arbeiter sträuben sich aber gerade, dagegen mit einer merk-. würdigen Hartnäckigkeit. Viele von ihnen sind -bereif, rfeer su h usure rn. Ruckgang 5os/0- 80 *k 40-äts Auch die Kartoffelkulturen zeigen einen starken Bückgang auf. Im -Jahre 1881 wurden sie auf 38 000 Hektar gepflanzt, 4s Jahre später nur noch auf 10 000. Die Leinen- und Flachskultur, einst von großer Bedeutung, ist vollständig verschwunden. Und du Weiden — VC r allem die .natürlichen —-brauen sich demgemäß immer mehr aus. Oege; 85 000 Hektar im Jahre , i85s ' gibt es gegenwärtig solche in ~emàt— Fläche von lioooo! ' Die dritte und wichtigste Folge ist die rapide Verbreitung der Ma-' ^schinenkulturl Seit einigen Jalirerr-macht die französische Industrie landwirtschaftlicher Maschinen einen beifpjalosW* Aufschwung .durch. Und es uQnli schon gesagt 'werden, daß e» dieser Industrie geglückt ist, eine Reihe von sowohl technisch wie auch praktisch tadellosen, wertvollen Modellen auf den Markt zu werfen. Diu' landwirtschaftlich führenden Departements Frankreichs haben sich demt auch mit großem Elan und auch mit großem Erfolge auf 'die mascliineyeHk'|rtscn|ft umgestellt. So, daß zum Beispiel die Bretagne auf dem .besten Wege ist, den Arbeita/- mangel — innerhalb der Grenzen des Möglichen — zu überwinden. r TürkeL . Die Auswanderung nach der Türkei ist dringend zu widerraten. Die kulturelle Entwicklung «1er Juden ist clinch staatliche Eingriffe in die Gestaltung ihres Schulwesens aufs schwerste gehemmt. Nach Ermordung, des jüdischen .jungen Mädchens Elsa Nieg'o im August, icj-ihaben terroristische.Ausschreitungen gegen sie stattgefunden. Die Freizügigkeif ist aufgehoben: es ist behördliche Erlaubnis für 'Reisen innerhalb der Türkei einzuholen. Infolge des politischen Kurses, der Regierung.jtuguirsten des national türkischen Elements sind die Juden jvralfach disqualifiziert und von wichtigen"Bctätigungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Canada. - _ f Klima, Ausdehnung und Bewirtschaftung des Landes. Klima*). Der "Winter variiert erheblich in den ' verschiedenen Teilen des Landes zwischen dem Atlantischen und Stillea Ozean. Er- -dauert von Mitte November oder Dezember, bis März oiler April je nach der Gegend und ist «ehr kalt. Das Thermometer fällt zeitweise beträchtlich, unter Null. Er ist jedoch hell und trocken, und 'die Trockenheit dar Luft macht die Kälte "weniger fühlbar." Der Winter setzt in den Küstenprovinzen Und den sudlichen Distrikten von Ontario spater ein als in Quebec oder in Manitoba, Saskatchewan, Alberta. Westlich^und südlich yoq Calgary in Alberta ist der Winter milder, an der huste von' British Columbiaist der Winter mild, aber im nördlichen Innern ist' d«r Winter ähnlich wie im ostliehen'-Cdnada. Canada hat nach Angabedes sehr interessanten Werkes ..Population ProbTeins in the United States ami Canada", herausgegeben von Laws J. Dublin, Boston und New York, ij)a6, an kulturfähigem Land rrnjidestens '3oo Millionen acres, von denen i4i„ Millionen acres Fariffen in .«çh^ fassen mit nur 71 Millionen kultiviertem-JEerraisi. * : * "•..-*?;"7 Das freie I ..uni ist zurückgegangen, außer in Nord-Ont**** j"V , ,___ _ . '1 . 1__o *-___I____- 1 flu__l .1__. und Quebec, >ber es gjbj groß^'^beselrte ' Flächen bei den Bisenbahnen in Privatbesitz im > Westen; die,, ^gegenwärtige Politik geht darauf hinaus, diese erst in Gebrauch zu nehmen vor der Eröffnung von Oertlichheiteii, die neuen Eisenbahn-' *) Wir fähren Angaben . u'er khinatiache Verblltpis.se, die wir tylv^Mse froher Htmjal gebracht halten,'aus praktischen gründe» bei Uailern-ecoeut. an. c «s if! 4a