Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1928. Bestand UB Ffm
- Issue
- März 1928
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufsatz vim Dr. Mail Wischnitser, Zur Geschichte der jüdischen Kolonisation in Rußland,, in Zeitschrift für Demographie iund Statistik der Jaden, >. Halbjahr 1937, Heft Nr. 9—u.) Die Regierung stellt den Boden unentgeltlich rar Verfügung, bewilligt Kredite, gewährt, EriMßigang der Bahntransportgebübren und die üblichen "Vergünstigungen, wie Steuerfreiheit u.a.m. __ Er wurden in den Jahren iga5, 1936 und 1937 den jüdischen Siedlern über Sooooo Hektar Land zugewiesen, und rwar in der Krim, in der Umgegend von Cherson, Kriwoj Rog, Mariupol und Odessa, in Weißrußland, im nordlichen Kaukasus ^jund in Zentralasien. Allein in der Krim und in der Ukraine, deu-swei indischen HaunUiedhintrtgehirteo (s. Karte) bestehen heute weit über 300 jüdisch« Dorfer mit rund 13 000 Familien^ Im ganzen sind in den letzten drei Jahren rund i5000 Familien ,im Wege der planmäßigen Kolonisation angesiedelt worden. . Die Kolonisten treiben Getreide-, Wein- und Obstbau, Viehzucht, Milchwirtschaft, , Geflügelzucht, Imkerei. Die Kosten der Kolonisation werden in der Hauptsach« vim Joint .und der Ica bestritten. Der Joint hat vom Ende 1934 bis Oktober 1937 rund 3700000 Dollar aufgewendet, während die Ica 3 08 5 000 Dollar bereitgestellt hat. Die nachfolgenden Diagramme veranschaulichen die Entwicklung des jüdischen Landbesitze! und der jüdischen Landbevölkerung in Rußland seit der Vorkriegszeit. Anwachsen derjüd. Bauembevölkerunt in der Sowjetunion v 141780 120288 . 94158 75911 1913 1923 192* 1925 1926 1927 Die Bodenfläche derjüd.Kolonien in der Sowjetunion in ht. 1917 119^3 «23 -V ''. 153229 170556 Ott S$ tm. 27380".- r3W>3JL «»93733 In den Siedlungsgebieten der Ukraine, Weißrußland und der Krim stehen für die jüdische Kolonisation keine größeren Bodenflachen mehr zur Verfügung. Im Jahre 1938 können auf bereits zugewiesenen Lindereien 435o Familien angesiedelt, werden, und zwar in der Ukraine aooo, in der Krim i5oo, in Weißrußland 5oo und im nördlichen Kaukasus und Daghestan 36o. VerftarKÄungen~rtbf r weitere I^andz'uw^isungen in der Krim und iu. der Ukraine sowie in anderen Gebieten1 der U. S. S. R. sind im Gange. Wie groß die Boden flächen sein werden, ist noch unbestimmt ■• . - ' ■ ..' . - ,T . .. Ein neue« offizielles Ansledrungspfojekt. Wir entnehmen einem Aufsatz von Professor Brut,' dem Chefagronomen des Komset,. in der „Tribuna", Jan.-Febr. 1938, Moskau ' das neue kutiert wi Fernen Osten, das für die jüdische Kolonisation* in Frage - kommt. Es ist von einer Expertenkommission unlängst erforscht worden. Professor Bruk war -Leiter der Kommission. Das Gebiet Biro-Bidschan liegt zwischen der einzigen Eisenbahnlinie im Norden und dem Mittellauf des Amurflusses im Süden. Es umfaßt eine Bodenfläche von ai/» Millionen Hektar. Von den Zentren der jüdischen Bevölkerung im europäischen Rußlandist das Gebiet 9000 km, d. i. 10—15 Tagesretsen, entfernt. Es grenzt an die Mandschurei, ist einige Eisenbahnstunden von Chabarowsk, der Hauptstadt des Fernöstlichen Distrikts, entfernt und liegt in" einem Abstand von 960 km von der Hafenstadt Wladiwostok. Die Bevölkerung des Gebiets — etwas über* 37 000' Sehlen — befindet sich hauptsächlich am ' Amur und lings der Eisenbahnlinie, "rüe^ nach der Revolution fertiggestellt worden ist. Aus diese« Grunde blieb das' Gebiet bis vor kurzem von der Emigrslions^elle, die sieh vorher nach dem- -Distrikt BlagoweschtsehenriT und Ussurien ergoß, unberührt. Die spärliche Bevölkerung besteht aus Russen und Koreanern. Das Gebiet Biro-Bidschan bildet im Südosten eine' große Ebene und ist im Norden und Westen gebirgig. Der Boden in der Ebene ist von guter Beschaffenheit und enthält große Wiesenflächen. Den Flüssen entlang erstrecken sich Wälder. Der gebirgige Teil des Gebiets ist ebenfalls bewaldet Hier sind folgende-Vorkommen zu verzeichnen : Eisern'Kupfer. Gold, Graphit, Asbest,. Antimon, Steinkohle, Marmor. In der- Nähe der Eisenbahn befindet sich eine Heilquelle. « * Das Gebiet ist von einem dichten Flußnetz durchzogen. Die Flüsse munden in den Amur. Nach den bedeutendsten Flüssen, dem. Birofluß und dem Bidschanfluß, ist das Gebiet . benahnt Nach der Zahl. der Jahresniederschläge ist der Biro-Bidschan er Distrikt mit .Weißrußland zu vergleichen. Die Niederschläge fallen vorwiegend auf die .Monate Juni, Juli und August. Der Winter ist trocken. Im Frühjahr; sind die Niederschläge'eher knapp. Die Durchschnittstemperaturen im Mdnat sind nach Celsius: Januar — 31/4, Februar — 17,6, März —g,n, April —3,4, Hai u,i, 'Juni 11,8, Juli 31,00, August. 19,0, September 13,5, öktob« 3,5/ November'—9,7, Dezember — 19,6. Diff niedrigste Temperatur beträgt 4o° Kälte (in zwölf Jahren einmal, vorgekommen), die höchste 330 Winne (im selben Zeitraum zweimal vorgekommen 1. Die Schneedecke ist nicht' sehr hoch, wodurch Wintersaaten! ermöglicht sind. Das Klima ist verhältnismäßig nicht rauh, "weit' das Gebiet im Norden, Osten und Westen von Bergen geschützt ist Außer "Weizen und anderen Getreidearten können ' hier gedeihen Reis, türkischer Tabak, chinesische Bohnen, der Maulbeer bäum, die Zuckerrübe, Flachs, Hopfen u. a. m. Es "wichst dort wilder Wein und eine besondere Art des Korkbaumes. Trotz der primitiven Landwirtschaft ist der Ertrag des Getreides um 30 bis 3o 0/0 höher als im Europäischen Rußland. In hygienischer Hinsicht ist das Gebiet als günstig anzusehen,. Beaondeie eudemische .Krankheiten sind nicht bekannt. Trotz'der Feuchtigkeit sind weder Malaria noch Lungenkrankheit zu verzeichnen. Das Wasser ist überall gut Das Gebiet ist mit den Hifen des Stillen Ozeans durch den Amor und die Eisenbahn bequem verbunden. Es eignet sich besonders, für Viehzucht, da es gutes Weideland hat Die Insektenplage, Mücken und Stechfliegen, bildet einen "schweren Nachteil des Gebiets und ist besonders in den unbesiedelten Gegenden und in den Waldgegenden unerträglich. Im Bereich das Amur, Vo schon lange eine ansässige Bevölkerung existiert, ist die Insektenplage bedeutend zurückgegangen, wie sie überhaupt mit der Beackerung ' des Bodens verschwinde}. In der Amuigegcnd können rf^ooo- Wirtschaften unteiy gebracht werden. Hier soll die Kolonisation beginnen. In den übrigen Teilen des Gebiets können weitere 3Öooo Wirtschaften i 30—36 Hektar begründet werden. Besonders aussichtsreich ist neben dem Ackerbau die Forstwirtschaft Soweit der Bericht von,, Herrn Prof. Bruk."" Das Komset k*,t auf Grund des Berichts der Expertenkommission beschlossen; das Präsidium des Siedlungskomitees ung tter'- y.S. S.R., welches die höchste1 Autorität V '.