Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Volume
- 1927
- Issue
- März/April (1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Frauen, die allein mit Rindern unter 15 Jahren reisen, benötigen eine Einreiseerlaubnis der argentinischen Einwanderungsbehörde in Buenos Aires. Kinder, die in Begleitung ihrer Eltern reisen, müssen im Paß der Eltern eingetragen sein und außerdem eine mit Lichtbild versehene Geburtsurkunde vorlegen. - Wegen der Visumerteilung an allein reisende Kinder sollen die Interessenten im Konsulat persönlich vorsprechen.1 / Der Einreiseerlaubnis bedürfen auch Personen Ober, 60 Jahre und an körperlichen Gebrechen leidende Personen, deren Arbeitsfähigkeit dadurch herabgesetzt 'ist Diese Erlaubnis kann , von in Argentinien lebenden Verwandten, Freuaden oder Bekannten des Antragstellers, beim Einwanderungsamt in Buenos . Aires .beantragt werden! welches dann die Entscheidung an das zuständige argentinische Konsulat in Deutachland telegraphiscb übermitteln kann. — * 1; ■ ' - - i_ Des weiteren, entnehmen wir dem' Nachrichtenblatt der Reichsstelle für das Auswanderungswesen vom 1. November 1916 folgendes Ober A us f ühr ungsbestimmungen zum EinwanderungsgeseJtz. Unter Anlehnung an das Einwanderungsgesetz und aas in Kraft befindliche Reglement vom 3i. Dezember 1923 hat das ' argentinische Ministerium des Aeußeren „Anweisungen bezügj lieh der urkundlichen Ausweise der nach' Argentinienreisenden v Personen" herausgegeben. Es gelten als unüberwindliche Ein- »anderungshindernisse: ansteckende Krankheiten, Geisteskrankheit und Taubstummheit. ' _ * 4 V ■ * w* t ' > V. Bei den übrigen Krankheiten kann mittels UnterhaltssiWrungr von berufener Seite die Einreiseerlaubnis bei der Einwanderungsbehörde in Buenos Aires oder in einzelnen leichteren Fallen (fehlende Ausweise) bei den .Gesandtschaften und Generalkonsulaten erlangt werden. Die hinsichtlich der be-' schrankt arbeitsfähigen Personen, alleinreisenden Frauen mit Kindern unter i5 Jahren, alleinreisenden Kindern unter i5 Jahren und Personen über 60 Jahre erforderliche Unterhaltsverpflichtung, kann nur von nach -dem Gesetz untcrhaltspflichtigen Verwandten (Eltern, Ehemännern, Kindern.) ausgesprochen werden. Da auch der Nachweis dieser Verwandtschaft verlangt wird, ist es wichtig, daß vorausreisende Familienmitglieder Heirat»- und Geburtsurkunden gleich mitnehmen, tun den durch '.ihre Nachforderung entstehenden Zeitverluste zu vermeiden. — 1 Für Argentinien kommen Landarbeiter und gute Fachleute in Frage. ../', ' * ' ■ ''. (' Nach einem Bericht der Beratungsstelle des, deutschen Volksbundes für Argentinien'aus dem Vorjahr sollten-auch erstklassige Facharbeiter mindestens" öoo Pesos mitbringen, um sich, -— 1 bis sie Arbeit gefunden haben, über Wasser zu halten. Dilettanten, . ungelernte Arbeiter, kaufmännische Angestellte, landwirtschaftliche Beamte, Techniker, Ingenieure, wenn sie ohne festen Anstellungsvertrag in das Land kommen, haben nach derselben Quelle keine andere Aussicht als brotlos auf dar Straße zu liegen, und, wenn ihnen das Geld zur Rückreise fehlt, buchstäblich zu verkommen. Die Lebenshaltung der landwirtschaftlichen Arbeiter stehe auf ganz niedriger Stufe; namentlich im Winter herrsche unter'den Arbeitern das größte Elend. — Für! ausländische Angehörige freier Beruf e'' bietet Argen - . tinien keine Cpancen. Die Zahl der Angehörigen freier - Berufe im Lande ist groß, und die Regierung schützt diejenigen,- die im Lande ausgebildet sind, in«jeder Weise vor ausländischer Konkurrens. Dia Aerzte, die mit europäischen Diplomen ver-1 sehen sind, »erden erst nach sehr schwierigen Prüfungen, die eine lange Vorbereitung erfordern, zugelassen. Nach einer Mitteilung, die die Jewish Golonisation Association von der Direktion m Buenos Aires erhalten hat; sind 7534 jüdische Emigranten Im Jahre 1926 in Argentinien ein- getroffen. Von diesen Ankömmlingen waren j 5884 aus Polen, 5ao aus Rußland, 179 aus Litauen, * * " 170 aus Rumänien usw.,7. 345 dieser Immigranten sind in den Kolonien der ICA in itaUiert worden. 100 von ihnen bildeten etwa 48 Familien, die auf kleinen Besitzungen etabliert worden sind. io5 Personen sind von diesen Kolonisten im Laufe des Jahres als Landarbeiter beschäftigt worden? Brasilien. T' " ' > ' v' .„Zur Erlangung des brasilianischen Einreisevisums sind folgende Papiere vorzulegen: ,_. 1. Paß mit amtlichem Fingerabdruck. des rechten Daumens» Nichtdeutsche benötigen einen Ausreisesichtverrnerk der zu- ' ständigen deutschen Polizeibehörde. ■» . 3. Polizeiliche« Führungszeugnis bezüglich der letzten u.nunter- *" brochenen fünf Jahre. r. 3. Impfschein neueren Datums (Kreisarzt). <- - 4. Gesundheitsattest neueren Datums (Kreisarzt). 5. Drei\Lichtbilder. Fernter sind drei . Formulare mit Personalangaben auszufüllen, welche in der Kanzlei zu haben sind, aber nicht verschickt werflen. . Das Visum ist persönlich, oder durch Vermittlung einer in Berlin ansässigen Person zu erlangen und wird innerhalb 34 Stunden ertejlt. Schriftliche Gesuche 'können nicht berücksichtigt werden, deshalb ist von der Einsendung von Pässen durch die Post abzusehen. - Minderjährige, alleinreisende- ♦ Frauen oder Mädchen, bedürfen einer besonderen Erlaubnis der brasilianischen Behörden. Leber 60 Jahre alten Personen wird die Einreise nur dann gestattet, wenn sie nachweisen, daß sie über genügende Mittel für ihren Unterhalt verfügen oder wenn sich Personen, mittels eines von der zuständigen brasilianischen Polizeibehörde aullgestellten* Verpflichtungsscheines, für ihren Unterhalt verbürgen. Verstümmelten, Gelähmten, Blinden, Geisteskranken, Bettlern und solchen Personen,,die an einer unheilbaren oder ansteckenden Krankheit leiden, ist die Einreise untersagtv fj Auskünfte über Auswanderungsfragen können auf Grund der Verordnung der Reichsregierung vom i4. Febrair 1924 nicht erteilt werden. . .'. — ' v.- .. , ■ '■■!*■; . "V* - Weder Freifahrt noch Zuschuß für die* l eberfahrt können vom Generalkonsulat gewährt werden, da demselben ' keine Mittel zur. Verfügung stehen. Mit -Stellenvermittlungen befaßt sich das Generalkonsulat nicht" (Mitteilungen des Brasilianischen Generalkonsulats,^ Berlin.) . Zur Erlangung des Visums ist es besonders wichtig, daß eine ausreichende Garantie geboten wird, daß die Einwanderer nicht der öffentlichen Wohltätigkeit in Brasilien zur Last fallen werden. * ' 1 _^ " ... ■ " f \'m Wie man .uns Anfang des Jahres schrieb, ist es infolge starker Einwanderung in der letzten Zeit — es1 handelt sich besondaerfftm Flüchtlinge aus Rumänien —; selbst für qualifizierteNWaiwwerker schwierig gewesen, im Lahde festen Fuß zu fassen, doch' wurde gleichzeitig der Erwartung Ausdruck gegeben, daß diese Lage der Dinge nur vorübergehender Natur sein werde. m Uruguay. V W-' mf. * . A . Die Einwanderung nach Uruguay, das an Argentinien und Brasilien angrenzt, die dieiEinwanderung starken Erschwerungen unterwerfen, ist beträchtlich. Die Aussichten der Einwanderer liegen auch dort nicht günstig. # - ■ Am wenigsten haben kaufmännische Angestellte' Aussichten, da dieser Beruf überfüllt ist. Kolonisten sollten nur dorthin gehen, wenn sie 'über Geldmittel verfügen; Regierungsland Ist nicht, vorhanden. \ K 'Einem vorliegenden Berieht zufolge sieht die Regierung jüdischer Einwanderung freundlich gegenüber. - Auch nach/Uruguay hatten wir eine Anfrage wegen der Aussichten von Akademikern gerichtet' Man sehreibt uns ton dort, daß diese ihr Fortkommen nicht finden, würden, da sie der ,.. Sprache des Landes nicht mächtig seien und sich in Uruguay einer erneuten Prüfung, die Jahre in Anspruch nähme, untergehen müßten. 1 s . Die Sociedad de Protection a Los Immigrantes Israelita», Comitel Genital Israelita ,de Socorro, Unificados, Buenos Aires, Bind Mitre 1876, «schreibt uns unterm 7. Februar, daß es anläßlich de» Zustromes jüdischer Einwanderer nach Uruguay »eine Tätigkeit auch auf dieses Land ausdehne, und «n Büro eingerichtet habe, 'das die jüdischen Emigranten stützt und mit __' , ' ' ■.'" *» '< '■)'■' '■', " 1 , '! -' i ■ ■ ./ . ■ . •'■«•■■■ X > " ■ ■ . 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