Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Volume
- 1927
- Issue
- März/April (1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rußland. , . Vom i5. bis 30. November fand in Moskau eine Konffrenz der „O se t'-OeseUachafJt cur Anaiedkmg werktätiger Juden in der USSR statt, an der als Vertreter dea Hilfsvereins der Deutschen Juden der inawischen dahingeschiedene Dr. Paul Nathan und Generalsekretär Dr. Mark Wischnitaer teilnahmen. Zu den Beratungen, an denen russisch-jüdische Kreis» sich außerordentlich stark beteiligten, und denen auch prominente offizielle russische Persönlichkeiten beiwohnten, hatte eine große Anzahl ausländischer Organisationen Delegierte entsandt Die Konferenz ergab ein umfassendes Bild von der Lag« der Juden in Bußland ■ und der Siedlungsbewegu\pg im besonderen. Von deutschen Publikationen, die über das Siedlungsproblem in Rußland berieb-, ten, seien angeführt: - Dpf-Pawl Naihaat „Das Problem der- Ostjaden *, Phüc- Verlag," Berlin ioa6. m a Dr. Mark Wischnitzer: ..Die jüdische Agrarkoloniaationr in¬ Rußland", Zeitschrift Osteuropa^, I. Jahrg. 193.5746, Heft 8/9. ,,Die Judenfrage in der Sowjetunion", Zeitschrift Osteuropa, II. Jahrg. 1936/37, Heft |La Dr. Paul Nathan nahm -an dieser Konferenz,' die sein lebhaftestes Interesse fand/ da ihn diese Frage<£eit Jahren bewegte, in voller Frische teil. Er hat dem geschäftsführenden Ausschuß dea Hilfsvereins einen eingehenden Bericht erstattet und sich warm für eine Beteiligung dea Hilfsvereins an der jüdischen Aufbauarbeit in Rußland eingesetzt.- x ' •Belgien. V •- Der Emigranten-Schutz verein Esra, Antwerpen, hat folgendes zur Warnung für Auswanderer nach Belgien bekanntgegeben: Gemäß Beschluß des belgischen Justizministeriums müssen diejenigen Personen, die die Absicht haben, nach Belgien zu kommen und dort ständig Wohnrecht *ato erlangen, eine entsprechende Anfrage an das zuständige belgische Konsulat in ihrem Lande richten. Nur solche Visa geben dem Betreffenden das .Recht,-in die Bevölkerungsbücher eingetragen zu werden und eine Identitätskarte zu bekommen. Arbeiter oder Angestellte müssen, um ein Visum 'mit Wohnrecht zu bekommen, bei der Anfrage einen) durch eine Behörde unterzeichneten Arbeitskontrakt vorlegen. x Der belgische Verein .warnt besonders diejenigen Auswanderer, die der Meinung, sind, auf Grund eines Durchreiser Visums oder.auf eine gewisse Zeit ausgestellten Visums ihren Aufenl- ' halt in Belgien nehmen zu können. Wie die Tatsachen gelehrt, hätten, würden jetzt keine Auanahmen gemacht und Personen, die nur einen Tag länger blieben, als ihr Visum lautet, verhaftet 1 über die Grenze gebracht , Frankreich. ---t r- » : Ueber die ausländischen Juden, die sich in Frankreich aufhalten, sind auf Grund einer Enquete von Roger Olchanski bei den französischen Provinzrabbinern interessante Angaben im L'Univera Israelite vom 4- Februar 1937 •erschienen. Danach ist -die Zahl dieser ausländischen Juden auf"rund 3km») zu veranschlagen. Sie setzen sich wie folgt zusammen: , Im (Norden Frankreichs sind die ausländischen Juden besonders zahlreich. , In Lille zirka 1000,, in Valenciennes zirka 1 chmi. m Lens zirka 3oo. Kleine Gruppen befinden sich in Douai, ßelhune. Avion, Marles-Jes-Mines -usw., in Rouen ungefähr 3ox> indische Familien aus Polen und dem Orient Die Familien sind inderreich, im Durchschnitt etwa vier Kinder. Yon Beruf, sindsie kleine-Kaufleute, Schneider, Schuhmacher, Kürschner. .Freie Berufe sind nicht vertreten, doch weisen-die höheren fyhranstalten 3o ausländische jüdische Studenten äuf. Verdun 3o Familien aus Polen. Im Osten kommt zunächst: , Nancy mit!\oo Haushalten von Juden aus Polen, Rumänien - und der Tschechoslowakei. Außerdem zählt die Uni\ej»ität'Nancy 300 ausländische jüdische Studierende. « /' ' > i In Met/ gibt es 5oo Familien, besonders aus Polen und Rußland;- sie sind Schuhmacher, Kunsttischler, Tischler, Klempner. Maler, Schlosser, Hausierer usw. , In Epinal und Umgegend nur zehn Familien; mehrere junge > ■' Leute besuchen die höhere Spinn-' und Webeschule in Epinal. <i jLt In Remiremont vier fremde Familien'. ' _ I In Sedan 19 Farnjüeo-und neun Unverheiratete; die Mehrzahl* polnischen Ursprungs, die andwerrartt der Türkei. '~'-y~ ■ ■ ' v In Charleville fünf Kaufmannsfamilien. ' In Blagny vier Unverheiratete. In Dijon zehn Familien aus der Türkei; alle Jahrmarktshändler. -—;} InBesancon und Umgegend s3 Familien, fast alle aus Polen. In St Etienne elf Familien, Kaufleuta ' i : ' In Versailles zehn Familien aus Polen und dem Orient, gleichfalls Kaufleute. Im Süden steht Marseille mit i3oo Familien an der Spitze, Eibürtig aus der Türkei, Griechenland, Syrien, Palästina,- Rußnd und. Rumänien (100 Familien); alle Leute aus Saloniki sind Kaufleute, die Türken, in bescheidtJteren Verhältnissen, sind Krämer, Fabrikarbeiter und Tagelöjflgpr Die Russen und Rumänen sind Schneider und Mützenfabrikanten. - In Bayonne und Umgegend nur zehn Familien aus der Türkei "Hisel Aegypten, alles Kaufleute. * In Nlmes und Umgegend-45 Familien, aus der Türkei und Saloniki. ' '-»' . \ , In Avignon so Familien, aus der Türkei. . \ * \ In Bordeaux 100 Familien und 5o Unverheiratete, die Hälfte sind Sefardim aus der Türkei und Saloniki; die andere .Hälfte stammt *us'Osteuropa; sie sind Kaufleute, Markthändler, Arbeiter, Angestellte und Studierende. Die Zahl der ausländischen Juden in Nizza, die ein fluktuierendes Element bilden, war nicht festzustellen. .'„■»■' . In dieser Uebersicht fehlen ü. a. Toulon, Straßburg, Lyon,, sowie Angaben über Paris und Umgegend. Wenn man die obenangeführten Zahlenzugrunde legt und auf jede Familie durchschnittlich drei Kinder rechnet, ergiebt sich für die angeführten Gebiete eine Gesamtzahl von über 16 900 ausländischen Juden.: Die Zahl der ausländischen Juden in Paris -und-den noch fehlenden Städten wird auf über 15 000 geschätzt. . Der Reichsstelle' für d a s A 11 s v»a n d c r u h-g's - w e s e n verdanken wir die nachstehenden Informationen über wirtschaftliche Verhältnisse und Aufenthaltsbestimmungen für Fremde in Frankreich. . Die w i rt ch af 11 i c hen Verhältnisse in Frankreich sind zurzeit nicht als günstig zu bezeichnen. Infolge «hier Wirtschaftskrise ist eine nicht unerhebliche. Steigerung der Arbeitslosigkeit eingetreten, die ' zur Folge gehabt hat, daß viele in Frankreich beschäftigte ausländische Arbeitskräfte wieder in ihre Heimat zurückkehren mußten- Gs sollte daher niemand auf gut Glück nach Frankreichreisen, in der Hoffnung, dort sogleich eine Anstellung zu finden. —; Heber die Verordnung vom.a5'Oktober. 1934, welche die Zulassung und den Aufenthalt .von Fremden in Frankreich regelt, haben'wir in - unsenu Korrespondenzblatt Mai/Juni igzS .'näheres mitgeteilt. — ' Dusch Dekret vom 3o. November iga6 ^Jpurnal officiel vom 1. Detember loafj) sind neue Vorschriften aber die Identitätskarten der Aus länder erlassen, die gleichzeitig die Bedeutung einer Aufenthaltserlaubnis haben (Art. 4). Einer-aolchen Karte bedarf jeder Ober j 5 Jahre alt* Ausländer, der sich länger als zwei Monate in Frankreich aufhalten < will. Di» Karte ist binnen 48 Stunden nach der Ankunft beim PUizeikommiaaar oder bei dem Bürgermeister dea Aufenthaltsorts zu beantragen. .Dem Antrag aind eine Reihe von Angaben und entsprechende Belege bei- ' zufügen. WUl der Ausländer sich dauernd in Frankreich niederlassen, so muß er überdies die Namen zweier französischer Bürger angeben, die bereit sind,'für Ihn Gewahr zu leisten, Die gleichen Bestimmungen gehen für Arbeiter, -die sich über ihre Anwerbung ausweisen können (Art. 5). Die Identitätskarte muß alle Jahre erneuert werden/doch finden die beiden ersten Erneuerungen durch Aufkleben und Entwertung neuer Stempelmarken statt (Dekret vom ao. Januar 1937,. sToiir*. off. vom aa. Januar).! $' ' Mit Rücksicht auf die iLä» des Arbeitsmarktes hat die französische Regierung im Februar 1917 -die Kontrolle der zum Zweck der Arbeitaannähme nach Frankreich reisenden Ausländer weiter verschärft-' Die französischen Konsulate verlangen von nun an von den Arbeitern folgende Ausweispapiere: \ I. einen. Arbeits« ertrag, der entweder von dem -[französischen Arbeits- •1- -ministerium oder von dem I.andwirtsrhaftominiaUrium beWaubigt werden soll, je nachdem es sich um Industrie- oder laodwlfsschaftliehe Arbeiter 'handelt (das Dienstpersonal, die Gouvernanten, Ammen und Kindermädchen, die im Dienste von nach Frankreich .selbst reisenden Ausländern s'ehcn, werden von dieaer Bestimmung befreit);