Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Volume
- 1924
- Issue
- Dezember (1924)
- Date
- 1924-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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C h cm n i t» Thcaterrtr, Andreasstr, \ Bresden, El bei Xfitohstr. H-B 17; m t u. Hann over, Andreasstr, 3**—EIU e»i f 1 Konsul A. Henkels; L e i p z i g , Carlstr. 26:^ ü n c h e n . Vtctualienmarktl»; St 1111 g a r-t ,■ Konsul Fritz .Wertheimerj 'Breslau wird demnächst eröffnet. 4 , _I ffnc Culjf. ~*~ ETriein" ausTuWTcIieilTnB«rLcht jüdischer amerikanischer Delegiertinnen, die die wtljt haftlichen Verhältnisse derEinwtnder ei i ti- C u b a im Frühjahrd. Js. an TJrt und Stelle studiert haben, entnehmen wir folgendes; * ' "Bis?um Jahre 1920 kamen nur wenige europäische aschkenasische Juden nach Cuba. Gegenwartig beträgt die Zahl de_r j-ädischen Efn Wanderer , die aus Rußland, Polen,, 1'ngarn, Rumänien und der Türkei stammen, 6000 Männer, i>~4?» uen und Kinder, Sie* setzen »ichzusammen atnc Flüchtlingen, die. .Europa verlassen mußten,' and Persönenr . "Hie auf Rat ihrer Verwandten in den Vereinigten Staaten nach Cuba fuhren, oder durch ,Sxhiffsagente«/dazu verlockt wurden. Zur letzten Kategorie gehören 90%, laarunter' Witwen mit Kindern, deren einzige Verwandte. in den Vereinigten Staaten nur entfernte Vettern waren. Der. Lebensunterhalt in Cuba ist sehr (euer. Die Lebensmittelpreise sind höhet als in New York- -, die Wohngelegenheiten sind sehr schlecht... Die Kleidung der ankommenden männlichen Emigranten ist für* heißes Klima meist ungeeignet. Unter der Hitze und Nahrungsmangel ileiden viele der Einwanderer außerordentlich. Hautausschläge, Magenleiden sind häufig. 75% der jüdischen Emigranten auf Cuba sind unterernährt. Etwa 35%-der Einwanderer .bekommen, wenn auchMiicht zujxic.heHd,.vLIiU«&-~-; stutzung von ihren'Verwandten inpde^V^fetnTgtei). .Staaten. Die wirtschaftlichen V er häl t n i s se, h Cm b a 1 i e g.e n h ö-c h s t u n g ü n s t ig». Erst jetzT~~fängt - Cuba an, sich von der katastrophalen geschäftlichen Krisis zu erholen, die. nach Schluß des Krieges ethsftzte. Eine Mittelklasse gibt es in Cuba-mcht. Die wohlhabende Oberschicht bilden große Plantagenbesitzer, Zuckerraffineüre, (iroßkaufleut'e und Großhändler. Tausende Spanier, Neger und Chinesen sind in Cuba, die . »ehr niedrige Löhne empfangen und ein ganz nfedriges Lebenslialturigsui'veau haben, Gelernte Arbeiter sind gewerkschaftlich hoch organisiert, ungelernte dagegen gar'nicht* - Außer der Tabak- und Zuckerfabrikatron gibt es keine großen Industrien in Cuba, 90 % der jüdischen Lohnarbeiter s.i n d u n b e,s c hä f t i g t„. 10X etwa arbeiten.als Schläehter, Schneider, Schuhmacher und Hausierer, nur 2% -etwa sind gelernte Arbeiter, d«r aber mangels Beherrschung der spanischen S p ra che .-keine Beschäftigung finden können.-. Leichter erhalten Frauen und Kinder Arbeitsgelegenheit in Fabriken oder als Heimarbeiterinnen oder in Privat-, häusern. - Von den wenigen Möglichkeiten, die sich für ungelernte Arbeiter bieten -r- Zuckerrohrschnciden, Eisejubahnbauarbeiten, Arbeiten ' in " Bergwerken —. können jüdische^, Arbeiter nur geringen oder gar keinen Gebrauch ■machen:"* Zuckerrohrschneiden und Eisenbahnbauarbeiten stellen die härtesten Alt" ^i^ruTiffSn^n~nlie^^ sie rollzielmi sich unter— unhygienischen Lebensbedingungen unid bieten kein soziales oder intellektuelles Gemeinschaftsleben. Dabei Ist die Verpflegung schlecht^ teilweise auf Chinesen berechnet unüTTur Europäer völlig ungeeignet. Dauernd halten es jüdische Emigranten bei -diesen Arbeiten nicht aus. Kupferbergwerke, wo eine Anzahl Juden arbeitet^hieten nur ein begrenztes Arbeits*- feld. . . ' j Während der Reisesaison finden männliche uml weibliche Emigranten einige BetätiguiyS&möglichkeiten in Hotels <und) Restaurants als Kellner und Aufwärterinnen und -OmnfljusJ personal.. -. «■ Die meisten Emigranten müssen Hausierhandel in primitivster Form, infolge der großen Konkurrenz mit" minimalen Verdiensten, betreiben, wobei sie noch 'mit Schwierigkeiten w kämpfen' haben, die Gewerbetreibende und -Polizei ihnen nttcheU." "N«trBftrinTOÜftgW>, die die Regierung erlassen hat, dürfen sie' beT Ausführung ihres Handels nicht stillstehen, sondern müssen in steter Bewegung, bleiben und ihren Kram mitschleppen. Antisemitische TretlSereien machen sich irnnrermehr gegen-dieses"Händleftum geltend. Nur. ganz wenigen ist t$ gehingen, sich'in Handwerk und Gewerbe viu etabHerenr von deren Aijt und geringem Umfang nachstehende Statistik ein Bild-Jnbt;-—Tanzmeister 1. Schuhfabriken 6, Schuhflickerläden 6; BjackeYeien 6, jüdi*elic Restaurants 6, Schlächter'S, Schochet 1, Kolonialwaren 3, Friiehtladen 1, Uhrmacher 1, Barhierladen 5, photpgraphischts - Atelier.1, Kurzwaren 3. — -' - V [' I Bei den Vorstehend geschilderten V«r-' ^sT'njssen istauf-s dringend» te von der Ein-:. w a n'derufij» n*-ch C«b ^ab r » f M« n. •"■*----'• Erst -kürzlich ^-wieder hat sich eine größere Anzahl Emigranten aus Osteuropa, die über Cuba nach ^den Vereinigten Staaten' einzuwandern gedachten, gezwungen gesehen, *in ihre Heimat zurückzukehren. 1 Für C t» b erfordert ich -sind b«i der Ausreise^ ans Deutschland fotgiBfarfi ttsweispapiefe' ein mit einem Lichtbild versehener Reisepaß, der von der Ortspolizei des letzten deutschen Wohnorts oder im Ausland von dem deutschen KonsüMt mit einem Sichtvermerk versehen sein nmü. Das Paßvisum eines albanischen Konsulats .- ist nicht er- 'forderfich. Zur^ Einreise .wird aber benötigt: ~- i. de/ Nachweis der Adresse, eines Familienmitgliedes, Freundes oder einer Finna, wohin der Passagier . reisen will; . - , ]> ■ 3. der Besitz von' mindestens 30 amerikanischen .Dollars. Cubanische 'Konsulate befinden sich" in HCa. m b u r g \ und B r e m e n. -Ij, ''-'.'.. ' jjgg . r" . ■_: Süd-Amerika. er .Uruguay. Die Einwanderung nach den/^k\einen Uruguay hat sich in letzter Zeit,außerordent!ich verstärkt.1 Viele geben sich dem falschen Glauben bin, von Uruguay aus leichter die Möglichkeit zu gewinnen, ihr uekerliegendes Reiseziel "zu erreichend Es sei deshalb hier darauf hingewiesen, daß z. B. seitens der argentinischen Vertretung in Montevideo die Einwanderong»bestimmungen in strengster Weise bei .Gesuchen zur Anwendung gebracht werden. . " Was die wirtschaftliche Lage in Uruguay, seihst anbelangt, so bieten sich den Einwanderern; namentlich', wenn sie des Spanischen 'Weht mächtig sind, nur wenige Aussichten. Der Schwerpunkt des ganzen -wirtschaftlichen Lebens "Uruguays, eines höchst intensiv bewirtschafteten Landes, liegt "in der Viehzucht, Verarbeitung und Export tierischer Produkte. Die " Bevölkerung des kleinen Staates bietet bereits einen Ueberschuß von Arbeitskräften, einheimischen wie früher eingewanderten. Noch in letzter Zeit kamen Nachrichten aus Uruguay, daß dort eine verhältnismäßig starke Arbeitslosigkeit unter der einheimischen Bevölkerung herrsche. In der Landwirtschaft ist ein «Fortkommen für- Einwanderer besonders deshalb schwer, weil mit den bedürfnislosen einheimischen, spanischen und' - italienischen Arbeitskräften kaum zu konkurrieren i$t. 1 Zur Erlangung des uruguayischen Visums tuuü jetzt folgenden Erfordernissen genügt werden: es ist der Nachr weis einer Existenz in Uruguay zu liefern;, ein lückenloses polizeiliches Führungszeugnis inr die' letzten fünf J^hre maß vorgelegt und ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis beigebracht werden. Argentinien: Die Jew'ish Coloriization Association ra Paris übermittelt uns die nachstehende Meldung lhwsrlfiiros in Buenos - Aire_s_tjlitv-a M Uruguay alibetrifft, eine Be- —stätigung unscTu vorstehenden Mitteilungen bietet. Vor kurzem wurde den argentinischen Kam- "litern ein Gesetzentwurf vorgelegt, der vprsieht,; die- Einwanderer aus dem Lande zu verweisen, die sich unter falschen Angabe» Zutritt verschafft und als unerwünschte^ Elemenie^ erwiesen hätten. —— _.. Was. die Personen anbetrifft,'die sich .in der Hoffnung nach'A r-g e n-t-i n i e n begeben, auf diesem' Umwege nach den Vereinigterr Staaken iu gelangen, so meldet man; daß eine' unerbittliche Zurückweisung aller erfolge, die zu diesem Mittel gegriffen hätten. . Die wirtschaftliche Läge" in Uruguay, wo Beschäftigungsloslgke'it die Industrielähmt, ist ungünstig, so daß die Einwanderer wenig Aussicht haben, Arbeit zu finden. Brasilien. - Brasilien macht gegenwärtigeine schwere wirtschaftliche Krisis-durch. Ein großer' Teil der Ernte-ist infoly«.-eines sehr strengen Winters vernichtet. Durch die Militarrevolte .._ in Sao Paulo ist die fKrisi-s außerordentlich verschärft worden. 1 Viele wirtschaftliche Zusammenbrüche sind ■ erfolgt. L Daher ist große Vorsicht ' bei der Auswanderung; nach* Brasilien anzuempfehlen, insbesondere nach dem- Süden. Das-Paasvisum für die Einwanderung nach Brasilien wird nach vorliegenden Mitteilungen bis auf weiteres nur iii , -.besonderen Fällen erteilt. Nur solche EinwandeTcr\soHen «las - Visum «erhalten, die nachweislich m Brasilien eine Stellung antreten wullcn oder von ihren, dortigem Verwandten gerufen, sind, oder die über genügende Geldmittel verfügen.