Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 165)
- Language
- German
- Belongs to
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163 chem scheinen mag) selbstverliebt, geringfügige Dinge, die mit der Sache nichts zu tun haben, erzähle. Es ist nicht das schlechte Gewissen, das mich zu dieser epischen Ehrenerklärung veranlaßt, vielmehr mein erzählerisches Verantwortungsgefühl, denn die Prager Vorgänge werden recht eigentlich erst verständlich, wenn man meine damalige Gemütsverfassung berücksichtigt, die durch nichts sinnfälliger aufgezeigt werden kann, als durch das — bestimmt unerfreuliche — Vorspiel meiner sinnlosen Prager Reise. * War sie das wirklich? Sinnlos? Das ist schwer zu beantworten. Denn was ist sinnvoll? — Etwa das Nütjliche? Ach, dies wäre doch wohl zu platt gedacht, und verfehlte das Ziel so gründlich, daß wir dies Argument nichteinmal zu widerlegen brauchen. — Ich fuhr also über Klagenfurt in die goldene Stadt und stand mitten in der schwarzblauen Nacht auf dem Wilsonhahnhof, der still, wie eine Kirche, seine Hallen vor mir auftat. Mein Hotel, der gute alte »Blaue Stern«, besonders würdig durch den Umstand, daß er die Ehre hatte, einmal den Kaiser Franz Joseph und öfter den Dichter Jacob Wassermann zu beherbergen, lag mitten in der Stadt, in der belebtesten Straße, die sich bescheiden und unzutreffend »Graben« nannte. Ich konnte garnicht anders, als so nobel wohnen, denn die Befreier Deutschlands, die es dahin gebracht hatten, daß niemand mehr als zehn Mark mit sich über die Grenze nehmen durfte, beglückten die Bürger mit der sinnigen Einrichtung sogenannter »Hotelgutscheine«, die im Inland gekauft und bezahlt wurden und gegen deren Vorweis sich dann in Prag oder Paris oder Buxtehude leben ließ. Die Sache hatte, das versteht sich, viele Haken. Einer davon war, daß man teuere Hotels wählen mußte, da die billigen Herbergen der Organisation, die die segensreichen Scheine ausgab, nicht angeschlossen waren. Solchermaßen moralisch gedeckt, erwählte ich — des Kaisers und des Dichters eingedenk — den »Blauen Stern« zum Domizil und investierte in diesen Entschluß die Früchte eines läppischen TheatersUickchens, das ich für einen wohltätigen Verein nach Maß« gearbeitet hatte. Der Nachtportier war ein mürrischer und eigenwilliger