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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 161 (sequence 163)
Language
German
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161 abschieden. Er sah das fürchterliche Tohuwabohu in meinem Zimmer und meine eigene Entsehlußlosigkeit, legte wortlos Mantel und Rock ab und begann, meine Siebensachen höchst sorgfältig in meinen alten, ererbten Koffer zu verstauen. Dankbar und gerührt sah ich ihm bei dieser Arbeit von meinem Lager aus zu, und feuerte ihn auch gelegentlich durch ermunternde Zurufe bei seiner Tätigkeit an. Nach einer knappen Stunde war das ordnende Werk vollbracht. Verschnaufend stand der starke, gutmütige Junge vor mir. »Dös hätt' mer g'schaff t«, sagte er in heiterstem Bayrisch, das wir, noch aus unserer gemeinsamen Sehülerzeit bewahrt, zuweilen im Gespräch bevorzugten. »Die Reise kann also beginnen«, antwortete ich mit geheuchelter Fröhlichkeit. »Wohin fährst du eigentlich?« Ich überlegte kaum, es war gleichgültig, was ich antwortete. »Nach Prag.« »Nach Prag — bist du eingeladen, oder fährst du in Geschäften?« »In Geschäften«, log ich, »ich habe mit einem Verleger einen Vertrag über mein neues Buch abzuschließen.« »Na, dann wünsch' ich dir recht viel. Glück dazu; was für ein Buch ist es denn?« »Meine Novellen«, sagte ich gleichmütig, »du kennst das meiste davon, lauter altes Zeug.« Als wir uns später bei einem Glase Burgunder gegenübersaßen, spürte ich, daß ich vor diesem Freunde nicht zögern durfte, die Wahrheit zu bekennen. »Medardus, ich habe dich belogen!« »—? —« »Es erwarten mich keinerlei Geschäfte in Prag.« »Und warum fährst du dann?« »Es ist ein letzter Versuch, mein Lieber, dieser erstickenden Verlassenheit davonzulaufen, diesem Außerallen-Zusammenbängen-stehen, dieser verfluchten ,Freiheit', die ein Vogel-frei-sein ist, dieser Leere um mich, die so groß ist, daß sie mich inwendig zü zersprengen droht: du mußt das verstehen — eigentlich gäbe es für mich nur eine Abreise ohne alle Wiederkehr, aber weil ich dazu zu feige

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