Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 133)
- Language
- German
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131 kehrt, nun ruhten sie aus, die geraubten, mit uns in der gleichen-Stadt. Wir durften keine Brote legen auf den heiligen Tisch und doch, immer wenn wir ein Brot brachen, dachten wir an diesen Tisch. Wir durften kein Licht stecken an den heiligen Leuchter, aher immer, wenn wir ein Licht entzündeten, besannen wir uns des Leuchters, der ohne Licht war in dem fremden Haus. Nicht uns gehörten die heiligen Ringe, aber wir wußten, sie waren gesichert und geborgen. Und nun soll sie noch einmal anheben, die Wanderung des Leuchters und nicht in die Heimstatt, wie wir meinten, sondern fort und, wer weiß es, wohin. Aber klagen wir nicht. Klage allein schafft nicht Rat. Laßt uns alles bedenken.« Die Männer horchten, die Stirnen gebeugt und schwiegen. Die Hand des Alten irrte immer noch den Bart auf und nieder, noch immer wie mit sich allein ratschlagte er: »Der Leuchter ist von geläutertem Gold, und oft habe ich gesonnen, warum hat Gott unsere Gabe so kostbar gewollt? Warum hat er gefordert von Mose, daß der Leuchter schwer sei im Gewicht, siebenkelchig und mit getriebenem Zierrat und Kränzen und Blumen? Oft habe ich gedacht, ob dies nicht sein Verhängnis war, denn immer kommt vom Reichtum das Böse und nur das Kostbare lockt die Räuber heran. Aber wieder erkenne ich, wie eitel unser Denken ist und daß, was Gott gebietet, einen Sinn hat über unser Wissen und unseren Verstand. Denn nun verstehe ich: nur weil sie kostbar waren, haben diese unsere Heiligtümer sich bewahrt durch die Zeiten. Wären sie schlechtes Metall und schmuckloses Werk, so hätten die Räuber sie achtlos zerschlagen und Schwerter daraus geschmolzen oder Ketten. So aber bewahrten sie das Köstliche als köstlich auf, ohne ihr Heiliges zu ahnen, so sind die Heiligtümer nach Babel gegangen und wieder zurückgekehrt nach Jerusalem, so nimmt sie einer dem andern und keiner wagt, sie zu zerstören, und jede ihrer Wanderungen führt sie zu Gott zurück. Nun laßt uns überdenken. Die Barbaren, was wissen sie vom Heiligen? Nur daß er von Gold ist, unser Leuchter, sehen sie, und könnte man ihre Habgier locken, gäben wir ihnen das Doppelte, das Dreifache des goldenen Gewichts, vielleicht könnten wir ihn zurücklösen. Wir können nicht kämpfen, wir Juden, nur im Opfer ist unsere Kraft. So müssen wir jet}t Botschaft senden zu all den Zerstreuten aller Länder, daß sie helfen gemeinsam, das Heilige zu lö-