Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 132)
- Language
- German
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130 Seele, hatte mich bespäht, da ich den Leuchter harg, und er verriet es den Hunden, um sich freizukaufen. Er wies ihnen die Stelle, und sie fanden ihn. Jetjt haben sie alles geraubt, was einstens stand in Schelomos Haus, den Tisch und die Gefäße und die Stirntafeln des Priesters und die Menorah. Heute Nacht, noch heute, schleppen die Vandalen den Leuchter fort zu den Schiffen!« Einen Augenblick schwiegen alle. Dann brach es wirr aus den erblaßten Mündern, Schrei um Schrei. »Der Leuchter . .. Wehe, noch einmal . . . Die Menorah .. . Gottes Leuchter ... Wehe, wehe . . . Der Leuchter vom Tisch des Herrn ...« Die Juden taumelten gegeneinander wie Trunkene, sie schlugen sich mit den Fäusten die Brust, sie hielten sich klagend die Hüften, als brenne sie ein Schmerz, wie plötzlich Geblendete tobten und heulten die alten, bedächtigen Männer. »Still!« gebot plötjlich stark eine Stimme, und alle verstummten sogleich. Denn es war der Oberste der Gemeinde, der Älteste, der Weiseste, der ihnen Schweigen gebot, der große Deuter der Schrift, Rabbi Elieser, den sie Kab ve Nake, den Reinen und Klaren, nannten. Achtzig Jahre war er fast alt, und schlohweiß umrauschte der Bart sein Antlit}. Zerfurcht war seine Stirn von der schmerzhaften Pflugschar unerbittlichen Denkens. Aber das Auge unter dem Busch der Brauen war wie ein Stern, gütig und klar. Er hob die Hand, schmal war sie und gelblich zerfurcht wie die vielen Pergamente, die er beschrieben, und waagrecht schnitt er mit ihr durch die Luft, als wollte er den Lärm wegstoßen wie einen schlimmen Rauch und reinen Raum schaffen für besonnene Rede. »Still!« wiederholte er. »Kinder schreien im Schreck, Männer bedenken. Setjt Euch jeder und laßt uns besinnen. Der Geist ist reger, wenn der Leib dabei ruht.« Still und beschämt setjten sich die Männer auf die Schemel und Bänke. Rabbi Elieser sprach leise vor sich hin und es war, als ratschlagte er mit sich selbst. »Es ist ein Unglück geschehen, ein großes Unglück. Lange schon hatte man sie uns genommen, die heiligen Geräte, und keiner von uns hat sie jemals sehen dürfen in des Kaisers Palast als dieser eine Hyrcanos ben Hillel. Aber doch, wir wußten, sie waren da und waren uns nah, und freundlicher war uns die Fremde, wenn wir dachten, die heiligen Dinge, die durch tausend Jahre gewandert, die in Jerusalem gewesen und Babel und immer wieder heimge-