Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 131)
- Language
- German
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129 gefallen. Und immer, es saß ihnen schon im Blute, erschraken sie vor allem Plötzlichen, die Juden der Fremde. Denn was konnte Gutes kommen, wenn eine Türe ging in der Nacht? Das Murmeln riß ab wie mit einer Schere zertrennt, deutlicher hörte man jetjt durch die Stille den gleichgültig weiterplätschernden Fluß. Alle horchten mit gekrampfter Kehle. Da fiel noch einmal der Klopfer, und ungeduldig rüttelte eine Faust an der äußeren Tür. »Ich gehe schon« sagte wie zu sich seiher Abthaiion und schlurfte hinaus. Das auf dem Tiscb angeklebte Wachslicht bog seine Flamme unter dem scharfen Luftzug, da er die Tür auftat und wie innerlich die Herzen all dieser Menschen zitterte sie sehr. Der Atem kam den Erschreckten erst wieder, als sie den Eintretenden erkannten. Hyrcanos ben Hillel war es, der Schatzmeister der kaiserlichen Goldpräge, der Stolz der Gemeinde, weil ihm als einzigem Juden der Zutritt verstattet war in den kaiserlichen Palast. Jenseits des Transtevere zu wohnen, war ihm als besondere Gunst vom Hofe verstattet, und er durfte vornehme farbige Kleider tragen; jetjt aber war sein Mantel zerrissen, sein Antlilj beschmutjt, ungewiß und blaß bebte ihm die Lippe. Alle umringten ihn — denn sie spürten, er hatte eine Botschaft —, alle waren sie ungeduldig, daß er hastig erzähle, und doch im Voraus schon verstört, weil si« Unheil ahnten an seiner Erregung. Hyrcanos ben Hillel atmete tief. Man sah, ein Wort war in seiner Kehle verkrampft und wollte nicht vor. Schließe lieh stöhnte er: »Es ist vorbei. Sie haben ihn. Sie haben ihn gefunden.« »Was gefunden'/ Wen gefunden?« Es jappte aus allen wie ein Schrei. »Den Leuchter, die Menorah. Ich hatte ihn verborgen, als die Barbaren kamen, unter dein Abhub im Küchenraum. Mit Absicht ließ ich die anderen Heiligtümer in der Schatzkammer, den Tisch mit den Schaubroten und die silberneu Trompeten und den Aronstab und die weihrauchenen Gefäße, denn zu viele wußten im Gesinde von unseren Schätzen, als daß ich alles hätte bergen können. Nur eines wollte ich retten von den Geräten des Tempels, den Leuchter Mosis, den Leuchter aus Schelomos Haus. Und schon hatten sie alles andere gebeutet, schon waren die Kammern leer, schon forschten sie nicht mehr, schon fühlte ich das Herz mir gesichert, daß wir eines der heiligen Zeichen für uns errettet. Aber einer der Sklaven, es verdorre seine