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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 128

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 128 (sequence 130)
Language
German
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IRI
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128 wußten es, wurde unverweigerlich zum Bösen für sie und sie wußten längst, daß es gegen dies ihr Schicksal kein Auflehnen gab. Denn überall und allorts waren sie wenige, überall und allorts waren sie schwach und ohne Gewalt. Ihre einzige Waffe war das Gebet. So beteten die Juden Roms jeden Abend bis tief in die Nacht all diese dunklen und gefährlichen Tage der Plünderung. Denn was konnte der Gerechte anderes tun in einer ungerechten und rohen Welt, wo immer wieder die Gewalt obsiegt, als von der Erde weg sich zu Gott hinzuwenden! Jahre und Jahre ging das schon. Bald kamen sie vom Süden, bald vom Osten und Westen, die blonden, die dunklen, die fremden Völker und alle räuberisch, und kaum hatte eine Rotte gesiegt, so fiel schon eine andere über sie her. Überall auf der Erde kriegten die Gottlosen und ließen den Frommen nicht den Frieden. So hatten sie Jerusalem genommen, so Babylon und Alexandria, und heute war es Rom. Wo man rasten wollte, war Unrast, wo man Frieden suchte, war Krieg; man konnte dem Schicksal nicht entkommen. Einzig im Gebet war auf dieser verstörten Erde Flucht, Ruhe und Trost. Denn wunderbar ist das Gebet. Es betäubt die Angst mit großer Verheißung; es schläfert die Schrecknis der Seele ein mit singender Litanei, es hebt die Schwere des Herzens zu Gott auf seiner murmelnden Schwinge; gut ist es darum, zu beten in der Not, und noch besser, gemeinsam zu beten, denn alles Schwere wird leichter, wenn gemeinsam getragen, und alles Gute besser vor Gott, wenn verbunden getan. So saßen die Juden der römischen Gemeinde zusammen und beteten. Das fromme Murmeln floß aus ihren Bärten leise und stetig, wie vor den Fenstern das Plätschern des Tiberstroms, der still und beharrlich die Planken der Waschbänke scheuerte und die Ufer mit seinem weichen Wandern wusch. Keiner der Männer blickte auf den andern und doch wiegten ihre alten morschen Schultern sich gleichmäßig im Takt, wenn sie singend und sagend eben dieselben und selben Psalmen beteten, die sie hundert- und tausendmal schon gebetet, und ihre Väter vor ihnen und deren Väter und Vorväter. Die Lippen wußten kaum, was sie sprachen, die Sinne nicht, was sie fühlten; wie aus einem dunkeln, benommenen Traum floß dieses zagende und klagende Getön. Plötzlich schraken sie auf, ein Ruck riß all die gebeugten Rücken empor. Außen war heftig der Klopfer an die Tür

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