Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 125)
- Language
- German
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123 Abschied Sie waren lange durch den Park gegangen, und ihre Seele hing an seinem Munde. Er schivieg zu ihr. Da schwieg die weite Runde, und alles Prangen war für sie verhangen. Durch einen Flor von Trauer und von Tränen sah sie das Schillern, das vom Laub zum Grund hinsprudelte, in göldnen Wellensträhnen und sich ergoß in seinen süßen Mund. Im Mittagsglanz vibrierten alle Pfade und auf dem Teiche tanzte tolles Licht. Die Wasserrose legte ihr Gesicht zärtlich ans Wasser hin zum Wellenbade. So eingehüllt vom Leuchten dieser Stunde und von der Einsamkeit, die er ihr schwieg, schloß aller Sinne Tore sie ufid stieg hinunter in die Tiefe, ihrer Wunde. Gedicht der Um- und Einkehr Lassen wir vielleicht das bißchen Stolz. Besser, Herz, im grünen Wald spazieren mit den Brüdern und den andern Tieren, bis es modern heißt in Kraut und Holz. Ach, was hat uns unser Stolz gebracht, was die Einsamkeit, der Geist, die Mühe? Gestern hieß es noch: es ist. zu frühe. Morgen heißt es schon: nun ist es Nacht. Traurige Figur, wer schmollt und schmält, muß er sich vor fremden Unwert ducken. Sieh selbst der Geliebten Achselzucken: Nur der Rang, der offenbar ist, zählt. Alle Welt erwartet, daß bescheiden nur sich auszulöschen man verlangt. Laßt uns denn in Klee und Kresse weiden! Fehlts an Grünem, sei für Stroh gedankt.