Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Moses Rosenkranz. ■ Bildnis einer Alten Ein Leib, ans dem zehn Leben gekommen waren. Ein Anttiß, das vier Tode empfangen hat. Ein Schädel, in dessen spärlichen Haaren sich Menschseins ein Sturm verfangen hat. O greise Frau, ich schaue dein Stehen, und manchesmal fühl ich: du bist ein Haus, in das die Juden beten gehen. Du bist eine alte, lehmige Klaus. Du hast gegen Gottes Wüten geborgen die Leben, die du dem Leben geschenkt; du locktest für sie durch das Fenster den Morgen, du hast dich für sie in das Erdreich gesenkt. . Nun du, die Füße umklammert von Erde, den Rumpf voll Strahl, in die Gäßchen dachst, erschau ich, wie du mit Lehmgebärde dich abhebst, Ziegel um Ziegel, und lachst. Was lachst du mit deinen zerbrochenen Blicken? Es ist doch nicht Samstag, der Herr ist noch weit! Indessen hat sie in ihren Stücken sich hingeordnet, empfängnisbereit. Die Kuh Da kommt sie auf uns zugeeilt, und zwischen ihren hohen Hörnern, wie einen Krug trägt sie das Licht. Die braune breitgestirnte Güte, der große Leib für so ein Kind! Sie ist's, die Kuh! Sie kniete vor einer derben Wiesenblume, und ihre Blicke, wie zwei Schalen, die kleine Pflanze flehten an: