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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 119

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 119 (sequence 121)
Language
German
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119 Alfred Margul-Sperber: ■ Jüdische Lyrik in der Bukowina Es gibt einen Zweig des jüdischen Schrifttums, der in einem abgelegenen Winkel Europas sein sehr verschollenes Dasein fristet: die Dichtung der Bukowiner Juden. Eine Dichtung, die geradezu beispielhaft eine irrationale Seite des schöpferischen Judentums aufzeigt. Diese Dichtung lebt und wäcbst organisch, obwohl sie sich der deutschen Sprache als Ausdrucksmittels bedient, in einem Lande, das längst jeden Kontakt mit der deutschen Kultur verloren hat und in dem infolgedessen sich der deutschschreibende Jude freiwillig einer größeren jüdischen Leserschaft begibt, was, da ihm der deutsch lesende Westen unzugänglich bleibt, praktisch den Verzicht auf ein Publikum überhaupt bedeutet. Dem jüdischen Dichter der Bukowina fehlt aber nicht nur das Publikum, sondern auch jede Möglichkeit eines Versuches, einen Weg zu diesem Publikum zu finden. Es gibt in der Bukowina keine Verleger und keine literarischen Zeitschriften, die deutschen Tageszeitungen aber, soweit sie Juden zugänglich sind, haben, bei anerkanntem besten Willen ihrer Herausgeber, keinen oder nur sehr beschränkten Baum für die Veröffentlichung von Gedichten übrig. So bleibt dem jüdischen Dichter der Bukowina, der sich der Oeffcntlichkeit zu Gehör bringen will, kein anderer Weg offen als der des Selbstverlags seiner Gedichte, und dieser Weg ist kostspielig und auch sonst problematisch. So jeder Ermunterung und jedes lebendigen Kontakts mit einem Leserpublikum entbehrend, ist auf dem Boden der Bukowina dennoch eine sehr eigenwüchsige jüdische Dichtung entstanden, die, wie an der Hand der später mitzuteilenden Proben ersehen werden mag. auch schon beachtliche Leistungen von entschiedener Eigenart zu verzeichnen hat. Diese Dichtung ist ihrem Wesen nach typisch jüdisch, obwohl sie weder in der jüdischen Tradition noch im jüdischen Volkstum wurzelt. Sie ist es in einem ganz neuen Sinne: der Bukowiner jüdische Dichter, der in den meisten Fällen nicht in der Stadt, sondern auf dem Lande; aufgewachsen ist, bleibt dem Boden 1111 (1 dem Landschaftlichen viel stärker verhaftet, als dies hei jüdischen Dichtern anderswo der Fall zu sein pflegt. Schöne Gegenständlich-

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