Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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118 weilen matt sieh in einen Sessel werfend. Dünn ließ er sich bei der Fürstin melden. Ihre Augen waren ein wenig rot und trüb; sie begrüßte ihn ruhig, mit müdem Lächeln; er küßte ihr arti-g die Hand. »Wie fühlen Sie sich, Madame?« fragte er leise. »Ich danke Ihnen, ganz gut. Nur die Übelkeiten sind lästig, auch die Kopfschmerzen.« »Wann — verzeihen Sie die Frage — wann glauben Sie, daß daß Sir .. .« »Voraussichtlich im Juni«, sagte sie mit anmutiger Handbewegung. Er schwieg eine Weile. Dann sprach er zögernd: »Wünschen Sie — alle diese Dinge sind nicht ganz leicht zu formulieren, Madame — wünschen Sie irgend welche Vorsichtsmaßregel gegen die Indiskretion der Öffentlichkeit? Ich meine«, er sprach noch leiser, »wünschen Sie eine Änderung meiner Lebensweise . ..« Die Fürstin reichte ihm die Hand und schüttelte leicht den Kopf. »Ob, begreifen Sie mich, Madame«, wehrte er verlegen ab, »ich meine gewiß nur eine äußerliche... Umdisponierung — ich könnte etwa wieder die Räume dieses Flügels beziehen ...« Sie lächelte ihm zu: »Ich danke Ihnen, Friedrich Karl. Ich überlasse es Ihrem Zartsinn.« Er schwieg wieder. Sie fühlte, daß ihn noch etwas bedrücke. Sie sagte: »Sprechen Sie, ich bitte Sie.« »Wünschen Sie«, begann er gepreßt, »oder halten Sie es für gut, Madame, daß der... Freiherr von Haber in irgend einer ehrenvollen Mission außer Landes verwandt wird?« Sie lehnte sich zurück und sah an ihm vorbei. Nach einer Weile sagte sie schlicht: »Ob es klug ist, mag ich nicht wissen; aber ich möchte wohl wünschen, daß er bleibt.« Der Großherzog entgegnete sehr leise: »Gewiß.« — Mehr wurde nicht gesprochen.