Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Beruf zu haben, der Befreiung ist, weil er mit der Wahl der Seele zusammenhängt«, so hat er dieses größte Glück erfahren können. Denn, von den »Aufzeichnungen über eine Famile Klopfer« an, hat dieser Dichter »aus heller Leidenschaft und Liehe« sich zur »Befreiung« geschrieben. Und gerade daraus fand er die Anerkennung und Sympathien. Was den Dichter Arnold Zweig und sein Werk seinen Lesern so nahebringt, sind die eingeborene Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit seiner Kunst. Die läßt ihn, dessen Phantasie wild wuchert und unerschöpflich ist, der im Erfinden von Titeln ein Meister ist, vor sich selbst nicht haltmachen, wenn es gilt, kühne Träume und gefährliche Wünsche, deren wir uns schämen und vor denen in ihrer Zügellosigkeit wir uns fürchten, zu bekennen und in die Form einer Dichtung zu pressen. Vibrierendes geht von den Frauen aus, die, in süßer Anmut, bei aller Geistigkeit, doch nur Liebende sind und viel Mädchenhaftes, knospig und süß verschleiert, haben. Dieser Psychologe erweckte Mädchen und Frauen voller Zärtlichkeit in seinen Büchern zum Leben. Und Leben empfingen durch Zwei«: die Helden seiner Werke. Da sind alle Menschen von Fleisch und Blut, verstrickt in ihr Schicksal, gequält durch Nervenbündel, Hebens- und beneidenswert, auf allen ruht ihres Schöpfers besorgter inniger Blick; sie alle nehmen Gestalt an, und, wenn auch manche symbolisch zu deuten, so wandeln sie doch lebendig einher. Wer aber die Bücher Arnold Zweigs mit Empfinden liest, der muß sie in sich aufnehmen, der wird hoffnungsfroh in die Zukunft blicken können und wird des Dichters Wort bestätigt finden, das er in seinem Roman »De Vriendt kehrt beim« ausspricht. Dieser Roman macht uns mit der Mentalität und Psyche der Araber bekannt; er zei<rt uns Juden in ihrem Denken und Empfinden und offenbart uns die Zwiespältigkeit der Richtungen unter ihnen. Dieser Roman gibt uns Aufschluß über die Einstellung der Engländer, über ihre Bestrebunsen und Haltung als Mandatarmacht und als Briten sowohl im Geistigen als auch im Rationellen. Dieser Roman spricht das Credo des Dichters Arnold Zweig aus: »Was ich eigentlich will? Was jeder anständige Schriftsteller will: die Wahrheit um ihrer selbst willen, die Gerechtigkeit um des Menschen willen, Erbarmen um der Gemeinschaft willen und Liebe um Gottes willen. Der Mut, dem eigenen Volke zu trotjen und ihm zu sagen, was ihm fehle«.