Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Stramens: Hermann Struck Der Künstler, der als »Radierer« in unserer Zeit unerreicht sein dürfte, entstammt einer angesehenen Berliner gesetjestreuen Familie. Schon in seiner Jugend bekannte sich Hermann Struck, dessen sechzigsten Geburtstag wir in diesem Jahre feiern konnten, zum Zionismus. Wie sehr der Künstler sich als Jude fühlt, erhellt sein Ausspruch: »es gibt Juden und — Westjuden«. So werden wir darüber nicht verwundert sein, daß er immer wieder und gerade das »jüdische Milieu« für seine Bilder und Platten sich wählt. Diesem Maler, von dem porträtiert zu werden die berühmtesten Männer der alten und neuen Welt als eine Auszeichnung betrachten, haben wir eine Galerie jüdischer Köpfe und jüdischer Menschen zu verdanken. Sein Pinsel und Griffel haben sie in ihrer leidvollen Schönheit mit ihren schmerzlich-durchgeistigten Zügen uns nahegebracht. Bereits seit fast zwei Jahrzehnten hat Hermann Struck seinen Wohnsitj auf dem Hadar Hacarmel, von dem er durch sein »geliebtes« Land streift. Und sein Herz und Malerauge entzücken sich an der Landschaft, von der seine Kunst zeugen. Mit wenigen Strichen erschöpft Struck das Wesentliche und den Gehalt der Landschaft, die er vom künstlerischen Erlebnis aus betrachtet und die ihn seelisch treffen, so daß das fertige Bild die Atmosphäre ausstrahlt. Unsere Leser werden sich der Stimmung und dem Zauber nicht entziehen können, mit denen sie der »Abend an der Bucht von Haifa« berühren wird. Der »Berliner« Hermann Struck wurde durch seine innerlich jüdische Haltung und Einstellung ein jüdischer und durch seine reife Kunst ein großer Maler.