Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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lOi Heinz Stroh: rno Id Z weig »Deutscher von Erziehung, Jude von Grundwesen und Wahl, Geistiger aus Leidenschaft«, so bezeichnet sieh Arnold Zweig. Und diese drei »Eigenschaften« hestimmen sein Werk, geben seinem Schaffen ein Gepräge, das seines Schöpfers Veröffentlichungen von allen anderen unterscheidet. Als Deutscher beherrscht er die Sprache, die er mit feinster Sensibilität in sich aufnahm, deren Musikalität er empfindet und die er, handwerklich und seelisch, beherrscht. Als Juden ist ihm ein Kritizismus gegeben, der als ethischer Wert sein Werk kennzeichnet: der Jude Arnold Zweig ist von einem brennenden Gerechtigkeitsgefühl erfüllt und weiß um die Leiden der Unterdrückten und kennt die Schmerzen der Menschen. Arnold Zweig ist Geistiger aus Leidenschaft. Dafür legt seine Gegenwartsnähe beredtes Zeugnis ab, seine Gegenwartsnähe im Zusammentreffen mit seinem Verantwortungsbewußtsein, mit seiner Erlebniskraft und mit der Gabe, klarst erkennen zu können, aus Wissen und Gefühl, aus philosophischer Schulung und aus dem Beherrschen der Materie ein historisches, aus der Gegenwart geschöpftes und dieser dann sehr nahes, Werk zu schaffen. Daß Arnold Zweigs Bücher den Leser unmittelbar ansprechen, ihn aufrühren und ihn noch über die Zeit der Lektüre hinaus beschäftigen, hat neben den fesselnden Themen und der meisterhaften Durchführung seinen Grund darin, daß der Dichter es »als das größte Glück« betrachtet, »manchmal Dinge ausführen zu dürfen, die man aus heller Leidenschaft und Liebe tut; einen Beruf zu haben, der Befreiung ist, weil er mit der Wahl der Seele zusammenfällt«. Und da Zweigs »größtes Glück« sein Schreiben bestimmt, strahlt es auf den Leser zurück. Für den Schriftsteller ArnoldZweig, der einDichter ist, bedeutet, als»Denkender und Dichter« angesprochen zu werden, einen Ehrentitel. »Und ich wußte, daß nur wir Denkenden und Ihr Dichter, deren Seele und Mitgelebtes alles Beseelte erfaßt und alles Lebende beseelt, ja alles Seiende belebt, Menschen sind im Sinne der Weisen, die den Menschen aus aller anderen Natur herausheben und den Geistern benachbarn«, heißt es in einer Novelle. Ein kühner Saß, mit schwerer Verantwortung belastet; diese Worte, durchaus nicht ohne