Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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98 tages schließt sie ein, Wolken tragen sein Gestänge, und fernab, weltverloren gleich den Träumenden, geigt ein alter Jude sein Lied, dessen geheimer Klang das ganze Bild innig zu erfüllen scheint. Oder: die Liebenden träumen. Noch hat sich die Haltung, in der sie einschlummerten, kaum verändert; aber siehe, schon schweben sie im Flug ihrer Wünsche über das dunkelnde Dorf, dessen Fenster spärlich erleuchtet sind, über die Scheunen hinweg und über eine Unzabl von Zäunen, so recht die Enge und Gefangenschaft bedeutend, aus denen nur ihr Traum sie befreien kann. Oder: sie ruhen, aneinander geborgen, im Garten, traurig beide, denn ihrem Gefühl wurde die Welt zu klein. Doch da geschieht das Wunder abermals, Ort und Zeit verlieren vor der Inbrunst der Liebenden ihre Gewalt, die Welt versinkt, versinkt in des Wortes bildkräftigem Sinn. Schon steht die Bank, die sie trägt, nicht auf der Erde mehr, zu ibren Füßen steigt das Dach'des Hauses, das sie sonst wobl bewohnen, an, und bald werden sie auch dies unter sich gelassen haben und weiter aufwärts treiben, den Wolken zu. Doch da die Wirklichkeit sie nicht vollkommen freigegeben hat — wären ihre Blicke sonst noch traurig? — treibt auch das Hühnchen, das eben noch