Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 99)
- Language
- German
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97 ein Volk, das immer und überall die Ankunft des Messias erwartet hat, um eben der unzeitliehen, ortlosen Gegenwart solcher Hoffnung willen die Fesseln von Ort und Sturide besonders leicht hat abstreifen können. Als ein Beispiel mögen etwa die Zeichnungen eines unbekannten russischen Juden der Biedermeierzeit oder die Geschichten aus dem jüdischdeutschen Maassebuch gelten, die als die Bände zweiundzwanzig und achtzehn der Schockenbücherei vorliegen und beweisen, wie unmittelbar die zeit- und ortungebundene Schau moderner jüdischer Künstler aus der Vergangenheit des Volkes erwachsen ist. Audi den Bildern Chagalls ist Kaum und Stunde fremd: Liebende lagern am Strom, der sie von der Stadt scheidet. Am Horizont nur bindet eine Brücke das Ufer ihrer Versunkenheit an das alltägliche Leben des kleinen Orts, dessen Küchendunst man einzuatmen, dessen Kindergreinen und Weiberschelten man zu vernehmen glaubt. Darüber aber ist das Traumbild ihrer Hoffnung auferstanden, wie es der Engel, im Schwünge über sie geneigt, verheißen hat: die Hochzeit, zu der der Liebende den Rock des Schülers abgestreift und das Festkleid angelegt, das Mädchen den Brautschleier umgetan hat. Der Baldachin des Zukunfts-