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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 79

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 79 (sequence 81)
Language
German
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79 Riehard Wagner und den Kreis um die »Bayreuther Blätter« hinzuweisen, aus dem dann Houston Stewart Chamberlain, der gefährlichste publizistische Popularisator der Gobineauschen Rassentheorie und — indirekt — der dämonisch besessene antisemitische Jude und Wagnerianer Otto Weininger hervorging, der, wie Daniel Lessmann, durch Selbstmord endete. Und doch sind nicht die Juden die Initiatoren jener bedenklichen Wendung im Pressewesen gewesen, die aus der alten individuell geführten Gesinnungs- und Kampfpresse die kapitalistische Presse, die Presse als Annoncengeschäft, als kapitalistisch produzierten Massenartikel machte. Diese Wendung entsprang dem erfinderischen Kopf eines einzigen Mannes, eines Nichtjuden: Emile de Girardins. Er war es, der als erster sein Blatt, »La Presse«, systematisch auf Massenauflage und Annoncengeschäft einstellte, und zur Erhöhung der Auflage die pikante Feuilletonplauderei, den sensationellen Feuilletonroman in Fortsetjungen einführte. Dann erst haben die Juden organisatorisch das schon errichtete kapitalistische Gebäude ausgebaut. Ihnen mag man vor allem die — gewiß auch bedenkliche — Industrialisierung des Nachrichtenwesens durch die großen Korrespondenzbüros zuschreiben. Die Mehrheit der heute weltheherrschenden Korrespondenzbüros haben in der Tat jüdische Gründer. So geht das englische Reuterbüro auf den Juden Beer Josaphat zurück, der sich nach der Taufe Julius Reuter nannte, die Agence Havas, die aus der Correspondence Garnier hervorging, auf Börnstein, das Wolffbüro auf Dr. Bernhard Wolff. Überhaupt ist wohl die unbestrittenste journalistische Leistung des Judentums im reinen Nachrichtenwesen zu suchen: hier hatten sie am Geschicklichkeit, Findigkeit, vor allem in der Ausnutjung der neuen technischen Mittel, kaum ihresgleichen. Wird doch, und nicht mit Unrecht, als der Vater der modernen Reportage ein Jude bezeichnet, noch dazu ein Landsmann, Heinrich Oppert aus Blowit} in Böhmen, der sich als der königliche Reporter der »Times« sehr pompös Henri Stephan de Blowitj nannte. »Sein Leben ist eine einzige Jagd nach der Nachricht, nach der Erst-Veröffentlichung«, schreibt Egon Erwin Kisch in seiner Anthologie des klassischen Journalismus. Um seine Reporter-Kunststücke hat sich ein ganzer journalistischer Sagenkreis gebildet. Generationen von »Rasenden Reportern« haben seinem Vorbild nachgeeifert, und nicht seine kleine böhmische Judengemeinde, sondern die stolze Re-

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