Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 69)
- Language
- German
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67 sprach: »In Gen. 1, 31 heißt es: Nun überblickte Gott, alles was er erschaffen hatte, und fand es sehr gut.« Alles also, was er geschaffen hat, alles, selbst die Giftschlangen, Skorpione und Moskito-Fliegen, selbst solche, die als Zerstörer der Welt erscheinen, von allen ihnen sagt die Schrift: Fürwahr, sie sind sehr gut. Sie alle sind Bediener der Welt, Lenker der Welt, unwissend aber sind die Menschenkinder. Durch sie alle vollzieht Gott eine Botschaft und keinem seiner Werke dürfen wir mit Verachtung begegnen.« Die Übel, in unserem Falle die Krankheiten, stellen also — und mögen sie auch nur als eine Läuterung der Seele gedacht sein — einen ewig dahinfließenden Strom dar, dessen Richtung und Berufung durch das geheimnisvolle Naturgesetj von Ewigkeit her gegeben ist und in den der Mensch zumeist durch eigenes Verschulden, durch eigene Unvorsichtigkeit und Wagemut selbst hineinstürzt, um dann in seiner Unwissenheit gegen sein Unglück zu murren. An sich jedoch gibt es nichts Böses. Diese Erkenntnis enthebt freilieh den Mitmenschen, im besonderen den Arzt, nicht der Pflicht, seinem ins Unglück gestürzten Nächsten zu Hilfe zu eilen. Das mag wiederum der Sinn einer andern Soharstelle (III 299, a f) sein. »Also hieß es im Buche Kartanas, des Arztes"": Würdest du etwa einwenden: Nachdem es doch Gott der Heilige selbst war, der verfügt hat, daß ein Mensch von der Krankheit gefangen genommen werde, so sei doch niemand berechtigt, einen Kranken zu pflegen ■—■ unberechtigt wäre Dein Einwand. Denn es sprach bereits David:« (Psalm 41) »Wohl dem, der wohltut dem Armen ...« Und der Arme ist hier wohl derjenige, der auf seinem Krankenlager schmachtet... Ist" der Arzt ein Weiser, so übergibt ihm Gott seine Segensfülle für den von ihm behandelten Kranken, sodaß er die Ursachen seines Leidens abwenden und Vorbedingungen für seine Genesung bewirken kann, daß er alle die Dinge entferne, die dem Kranken schaden: durch Aderlaß entfernt er das verdorbene Blut, untersucht den Patienten, erkennt, woraus seine Krankheit entstanden und trachtet, daß sie ihn nicht überwältige und niederwerfe. Ferner wacht er über ihn, damit er umsichtig in der Anwendung der Arzneien verfahre und sich nicht irre... *) Ein realiter allein in der Soharmyatik lebender Autor. Die Buchstaben-Werte des Namens Kartan ergeben die gleiche Ziffernsumme 359 wie die des Wortes Satan. Offenbar in Anlehnung an den bekannten seltsamen Talmudspruch: »Der beste Arzt gehört der Hölle.«