Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 70)
- Language
- German
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68 Sonst würde es Gott dem Arzte anrechnen, als ob dieser Blut vergießen und den Kranken töten würde. Gott will nämlich, obwohl sich jener Mann in seinem »königlichen Leidensgefängnis« gefesselt befindet, daß sich um ihn ein Mensch bemühe und ihm aus diesem Gefängnis zur Freiheit verhelfe. Gott spricht oben Gericht über die Erdensöhne. Wer nun zum Verlust von Gütern ersehen ist, der fällt auf sein Krankenlager nieder, und wird nicht heil, als bis er all das verausgabt, was ihm auferlegt wurde. Er muß also behandelt werden; damit er sein Bußegeld bezahle. Auch wer zum «Abschneiden» ersehen ist, wird erfaßt und ins Leidensgefängnis geworfen. Manchem werden da seine Glieder abgeschnitten, oder eines von ihnen, erst dann läßt man ihn frei. Wer aber dem Tode geweiht ist — selbst wenn er alle seine Reichtümer hinschenken würde, er wird nicht gerettet werden. Und dennoch soll sich der weise Arzt auch um diesen bemühen. Kann er ihm ein leibliches Heilmittel verordnen, so ist es recht; wenn aber nicht, so gebe er ein Heilmittel seiner Seele und bemühe sich um deren Heilung. Wer also handelt, ist ein Arzt, dem Gott beisteht in dieser Welt und in der, die da kommt.» Der Sinn dieser Stelle ist also der, daß, obschon die Krankheit vom Himmel verhängt und der Kranke gleichsam ein »Gefangener des Königs« ist, der Arzt trogdem verpflichtet ist, seinen Patienten aufs Gewissenhafteste zu behandeln oder ihm — im schlimmsten Falle — zumindest seelischen Trost zu spenden. Ohne einige interessante Einzelheiten dieser Soharstelle näher zu behandeln, sei nur darauf hingewiesen, daß einer der hervorragendsten und berühmtesten Chassidim, Rabbi Nachmann aus Boryslav, recht sonderbarer Weise eine der Tendenz dieser Soharstelle schroff entgegengesetjte Ansicht vertritt, wobei das Lob, das er zumindest seinen zeitgenössischen ärztlichen Koryphäen spendet, keineswegs hervorragend ist. In Übereinstimmung mit unserem ersten Sohar-Zitat lehrte wohl zunächst auch Rabbi Nachmann von Boryslav, daß die Krankheiten ein Läuterungsweg, also eine Gnade, sind. Nun ergibt sieh aber aus dieser Lehre — meint Rabbi Nachmann — daß eigentlich nur Juden von Krankheiten betroffen werden müßten, nicht aber andere Völker, da doch den lefcteren das Thoragesetj nicht obliegt und somit bei ihnen weder von Pflichten Gott gegenüber, noch von deren Verlegung und der sich daraus ergebenden Verunreinigung der Seele die Rede sein kann. Würden aber I