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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 66

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 66 (sequence 68)
Language
German
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66 Georg Langer: Leiden und Heilung in der Kabbala und im Chassidismus Warum werden Menschen und selbst die Gerechten und Vollendeten von Krankheiten heimgesucht? Keine Offenbarungsreligion, kein halbwegs entwickelter Weltmythos kann sich angesichts dieser einmal konstruierten Fragestellung offen zu einem ignoramus ignorabimus bekennen. Der kabbalistische Sohar, in seiner beschaulichen Stilform, deklariert, im Grunde dem Sinne der talmudischen Tradition nicht untreu, die Krankheit als ein Läuterungsmittcl. »Es sprach Rabbi Eleasar« — heißt es da im Sohar (I 181 a) —: »Alles was Gott der Heilige, gepriesen sei er, in seiner Strenge verhängt, all dies tut er allein, um die Seele zu reinigen und sie dann in die Welt, die da kommt, eingehen zu lassen. Denn alle Taten Gottes sind Recht und Wahrheit, alle dazu da, um vom Menschen jene Unreinheit abzutragen, die er in dieser Welt in sich aufgenommen hat. Darum muß der Leib gebrochen und die Seele geläutert werden. Und darum läßt Gott (selbst) über den Gerechten Leiden und Schmerzen kommen, auf daß er geläutert des ewigen Lebens würdig werde.« Die Krankheit liegt demnach gleich wie alle scheinbaren Übel gleichsam im Schöpfungsplan; sie ist ein von Gott Gewolltes, ein Sendbote Gottes. Als solcher soll sie darum mit Hingebung entgegengenommen werden, also keineswegs etwa mit Groll und Verachtung! Diese ethische Forderung bringt der Sohar an einer andern Stelle zum Ausdruck. (Die Textstelle — III. 106b f — spricht allerdings nicht von der Krankheit speziell, vielmehr vom sämtlichen Leid und Übel im allgemeinen.) »Sie — die Sohar-Weisen ■— gelangten zu einem Strome, der am Fuße eines steilabfallenden Abhanges dahinfloß. Rabbi Josse stieg hinab, um Wasser zu schöpfen, glitt aber aus und fiel in seiner Kleidung ins Wasser. »Verdammt!» rief er dem Wasserstrome zu. »Oh, würde es dich lieber nicht geben!« Rabbi Schimon aber belehrte den Schüler, wie folgt: »Dies sei Dir verwehrt! Ein Bediener der Welt ist er, dieser Wasserstrom, und nicht statthaft ist es, irgend einen Diener Gottes zu verachten, zumal diese nur recht handeln, in vornehmsten »Burgsitten« wandeln.« Daraufhin eröffnete ihm Rabbi Schimon folgendes, indem er

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