Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
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43 ernster Gefahr. Wird es sich seihst retten können? Denn daß eine Rettung von außen nicht möglich ist, wissen die polnischen Juden sehr genau und gerade dieses Bewußtsein macht ihre Stellung besonders tragisch. Eine ganz spezielle Form des Antisemitismus hat sich in Österreich und Ungarn breit gemacht, gewissermaßen ein Salon-Antisemitismus. Es wird nicht mehr geschrien und ereschlagen wie zu Zeiten Luegers, man flüstert nur und haut nicht mehr mit dem Bierkrügel auf den Tisch, aber, psst!, ganz leise, werden die Juden allmählich aus den öffentlichen Stellen hinausgedrängt, in neue Ämter kommen sie nicht mebr hinein, die jungen jüdischen Anwälte und Ärzte werden übergangen, man braucht keine Krankenkassenärzte mehr, selbst jüdische Unternehmen — das ist das Beschämende — ziehen bei der Aufnahme neuer Arbeitskräfte Nichtjuden vor, überall werden die jüdischen Positionen, allmählich und ohne Aufsehen zu erregen, abgebaut. Ähnlich ist es in Ungarn, wo gleichfalls den Juden systematisch alle Berufszweige versperrt werden. Im öffentlichen Dienst gibt es in Ungarn schon seit Jahrzehnten keine Juden, nun werden sie auch nicht in privaten Stellungen beschäftigt. Alles wird vorsichtig: gemacht, ohne unliebsames Aufsehen zu erregen, man will sich die Juden und ihr Geld nicht entfremden und besonders von legitimistischer Seite, welche sich gern populär-antisemitisch gibt, werden Beziehungen zu jüdischen Kreisen aufrechterhalten. Man kann nicht wissen, vielleicht wird man die Juden einmal brauchen . . . Auch Rumänien darf in dieser traurigen Liste nicht fehlen. Die rumänischen Nationalisten zeichnen sich durch besondere Beharrlichkeit aus. Der Führer der National-christlichen Partei, Alexander Cuza, leitet mit Unterstützung de"r chauvinistischen Studentenschaft die Pogromhetze und in der Brutalität seiner Ausdrucksformen erinnert der rumänische Antisemitismus ebenso an Polen wie in der theoretischen Fundierung an Deutschland. In Bukarest haben die Cuzisten ein »Blaues Haus«, aber es miierscheidet sich nur äußerlich von den diversen Braunen Häusern. Zum ersten Male muß in dieser Zusammenstellung auch Frankreich Rcnannt werden. Dort haben die Parlamentswahlen, welche ein Kampf waren zwischen der Rechten (Royalisten, Fascisten, Feuerkreuzler, Großindustrie und katholische Generalität) und der unter dem Schlagwort