Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
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42 Der traurige Ruhm, nach Deutsehland an zweiter Stelle in der Weltrangliste der Judenverfolgungen zu stehen, gebührt Polen. Seit Hitler vor zwei Jahren mit Polen einen Geheimvertrag geschlossen hat, in dem er für die Dauer von zehn Jahren alle Territorialansprüche (lies: den Korridor) aufgibt, hat die früher wütende Feindschaft zwischen Deutschen und Polen einer Scheinfreundschaft Platj gemacht, und der »Völkische Beobachter« wie auch der »Stürmer« haben in Polen Gefallen gefunden — auch was die Judenfrage anlangt. Der Tod des Marschalls Pilsudski hat dem Regime die legten Hemmungen gegenüber der wüsten antisemitischen Hetje genommen. Aus dem versteckten Boykott ist ein unverhüllter Pogrom geworden. Man erinnere sich nur an die tragische Prozeßkomödie von Przytyk. Juden wurden ausgeplündert und ermordet, ihre Habe in Brand gesteckt, die Banden der Nationaldemokraten feierten blutige Orgien. Und Urteil? Die Angreifer und Mörder wurden freigesprochen oder zu milden Strafen verurteilt, während einige Juden, die sich zur Notwehr gesetjt hatten, schwere vieliährige Kerkerstrafen erhielten. Aber das ist nur ein Fall von vielen. Die dreieinhalb Millionen polnischer Juden werden heute systematisch in die Verarmung, in den Hungertod gehet?t- Die polnische Bevölkerung boykottiert die jüdischen Kaufleute, die Juden haben keine Möglichkeit zu studieren und in intellektuellen Berufen unterzukommen, der Staatsdienst ist ihnen verschlossen, durch das Schächtverbot hat man sogar in ihre tausendjährisrcn religiösen Traditionen eingegriffen. Das Schicksal der polnischen Judenheit ist überaus traurig und es ist gar nicht abzusehen, wie es sich gestalten wird. Denn die Zertifikate, welche die Jewish Agency zur Verfügung stellt, reichen bei weitem nicht aus, um großen Teilen der nolnisch-iüdigehen Jugend, die den Druck der Galuth abschütteln und sich eine neue Heimat in Palästina aufbauen möchten, die Einwanderung zu gestatten. Wir müssen aufs tiefste dieses svstematische Abwürgen von vielen hunderttausend Juden beklagen. Nachdem das russische Judentum für eine Aufbauarbeit in Palästina nicht mehr in Fräse kommt (denn die Einordnung in den kommunistischen Staat schließt jeden Gedanken an eine zionistische Betätigung aus, ia, sie ist ihr diametral gegenübergestellt^. sind von dem Ostjudentum, den wertvollsten Schiebten des Judentums überhaunt, nur noch die polnischen Juden übrig geblieben. Nun ist auch dieser letete Pfeiler im Osten in