Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
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38 bisher einigermaßen versteckt betrieben batte, nun ganz offen gezeigt und sogleich begonnen, die nach dem Weltkrieg zerstörten Rheinfestungen wieder aufzubauen. Hitlers Ruhm in Deutschland wächst immer mehr, durch sein wohlüberlegtes und schnelles Vorgehen hat er dem Volk gezeigt, daß Eisen wichtiger ist als Butter und daß die Ernährungsschwierigkeiten, die nur der sichtbare Ausdruck der deutschen Bankrottwirtschaft sind, kein Hemmschuh sein dürfen auf dem großen Weg der deutschen Aufrüstung. Es ist klar, daß sich der nationalsozialistische Triumph wieder gegen die Juden richtet. Geht es schlecht, lenkt man das Volk ab und inszeniert sachte ein kleines Pogrom. Und geht es gut, so feiert man den Erfolg ebenfalls mit einem kleinen Pogrom. Schon vorher hat der Reichstag von Nürnberg seine Rassengesefte erlassen, welche das Befremden der zivilisierten Menschen hervorgerufen haben: Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden, sowie außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden ist verboten und wird mit Zuchthaus bestraft; Juden dürfen weibliche nichtjüdische Staatsangehörige unter 45 Jahren nicht in ihrem Haus beschäftigen, ansonsten Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr; Juden sind nicht mehr Bürger des Deutschen Reiches (und nur diese Reichsbürger sind alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze); Juden können nur noch Staatsangehörige sein, und »Staatsangehöriger ist, wer dein Verband des Deutschen Reiches angehört und ihm dafür besonders verpflichtet ist«. Das bedeutet die gesetzliche Entrechtung der deutschen Juden. Die planmäßige und pseudowissenschaftliche Züchtung des Rassegedankens hat dazu geführt, daß »rassische Belange« sich in allen Fragen des öffentlichen und privaten Lebens breitmachen. Eine förmliche Umwälzung und Umgruppierung in zahlreichen Aemtern und Stellungen hat stattgefunden; nach der »Reinigung« der Wissenschaft und Kunst ist auch die öffentliche Verwaltung durch Ausmerzung jüdischer Mischlinge — denn die Juden sind längst draußen — rasserein gemacht worden. Das Judentum in Deutsch1f"d lebt nur formell in einem rechtlichen Zustand. Tatsächlich ist es ein Provisorium, das jeden Tag gewaltsame Umbrüche und Änderungen erleidet, ein wirtschaftliches und tatsächliches Abgleiten in das Verderben, und das Schreckliche daran ist. daß nichts darauf hindeutet, daß dieses Abgleiten irgendwie aufgehalten werden kann. Seit dem Sieg des National-